Keyflower

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 05.06.2013
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Keyflower von Huch and friends

Wer aus der Menge der Spielneuheiten herausragen will, muss einiges zu bieten haben. Und Keyflower von Huch and friends hat es tatsächlich geschafft, die ganze Konkurrenz hinter sich zu lassen.

 

 

 Bei der Fairplay Scoutingaktion der Spielemesse Essen 2012 belegte das Spiel jedenfalls ziemlich überraschend den ersten Platz. Dabei ist Keyflower alles andere als geeignet, sich bei solchen Aktionen hervor zu tun. Zu verwirrlich wirken die Materialmenge und die Anleitung mit ihren zwölf eng bedruckten Seiten, zu wenig klar die grafische Gestaltung der unterschiedlichen Plättchen und ein stringenter Weg zu den benötigten Siegpunkten ist auch nicht auf Anhieb erkennbar. Das lässt alle schon mal leer schlucken. Wer dem ersten Abwehrreflex allerdings nachgibt, verpasst ein wirklich tolles Strategiespiel. Und Keyflower ist letztlich sogar deutlich weniger kompliziert, als der Anschein erahnen lässt (selbst wenn das nachfolgend vielleicht nicht so wirken mag …).

Der Ablauf einer Partie Keyflower ist gegliedert in vier Runden, die als Jahreszeiten mit unterschiedlichen Spielplättchen gestaltet sind. Die Plättchen werden zu Beginn jeder Runde in der Tischmitte ausgelegt und können entweder genutzt oder gekauft werden. Dazu erhalten die Spieler zu Beginn acht Arbeiterfiguren, die aus einem Stoffbeutel gezogen und hinter dem eigenen Sichtschirm versteckt werden. Arbeiter gibt es in drei Farben. Sie dienen als Zahlungsmittel für die einzelnen Aktionen und sind entsprechend wichtig.

Die Spieler haben bei Keyflower ein Dorf aufzubauen und Siegpunkte zu sammeln. Dazu werden Ressourcen benötigt, die durch Nutzung der Spielplättchen erworben werden können. Zu diesem Zweck werden eigene Arbeiter auf das gewünschte Plättchen gestellt, was sofort die dort vermerkten Rohstoffmarker, Werkzeugplättchen oder anderen Vorteile einbringt. Die Farbe der ersten Arbeiterfigur ist dabei maßgebend für den Rest der Runde. Wird beispielsweise Rot ausgelegt, kann hier anschließend nur mit roten Figuren weitergefahren werden. Ausserdem muss jeder Nachfolgende einen zusätzlichen (roten) Arbeiter einsetzen, wenn er dasselbe Plättchen ebenfalls nutzen möchte. Bei anfänglich bloß acht Figuren ist da rasch einmal Schluss mit lustig.

Arbeiter können nämlich bei Keyflower auch eingesetzt werden zum Erwerb der ausliegenden Spielplättchen. Dazu werden die Figuren neben das gewünschte Plättchen gestellt, wobei der Farbzwang weiterhin gilt. Während es bei der Nutzung die Vorteile sofort gibt, muss beim Kauf gewartet werden, ob allenfalls jemand anderes noch höher bietet. Erst wenn keine weiteren Arbeiter mehr eingesetzt werden können oder wollen, werden die Plättchen verteilt. Dabei dürfen die unterliegenden, durch ein anderes Gebot übertroffenen Arbeiter hinter den Sichtschirm zurückgeholt werden. Nicht dagegen Figuren, die zur Nutzung des Plättchens eingesetzt wurden (und darauf platziert sind). Sie gehen zusammen mit dem Plättchen an den Spieler mit dem höchsten Gebot, während die zum Kauf eingesetzten Arbeiter in den Stoffbeutel wandern.

Die so erworbenen Plättchen kommen bei Keyflower in die persönliche Auslage der Spieler, wo sie von nun an weiter genutzt, nicht jedoch (nochmals) gekauft werden können. Interessant ist dabei, dass die hier platzierten Arbeiterfiguren am Schluss der Runde beim Eigentümer des jeweiligen Plättchens bleiben und anschließend zur Nutzung oder zum Erwerb weiterer Plättchen eingesetzt werden können. Ein Vorteil für den Hofherrn und ein Grund zur Zurückhaltung bei der Gegnerschaft. Andererseits passt vielleicht gerade das fremde Plättchen am besten zu den eigenen Plänen, Erwerb der Figuren durch den Hofherrn hin oder her. Am Ende jeder Runde kommen außerdem zusätzliche Arbeiter und Werkzeugplättchen für alle ins Spiel mit Schiffen, von denen jeder eines auswählen darf.

In jeder Jahreszeit gibt es bei Keyflower neue Plättchen mit zusätzlichen Vorteilen. Dabei ist auf jedem Plättchen vermerkt, welche Ressourcen benötigt werden, um es umzudrehen und dadurch aufzuwerten, wodurch es noch attraktiver wird für die weitere Nutzung im Spiel (und den Erwerb der darauf eingesetzten Arbeiterfiguren). Weiter trägt die Aufwertung unterschiedlich viele Siegpunkte ein, die über den Triumph am Ende entscheiden können.

Etwas anders beginnt dagegen die letzte Runde von Keyflower, die Winterphase der Partie. Hier kommen ausschließlich Plättchen ins Spiel, die ganz zu Beginn verdeckt an die Spieler ausgeteilt wurden und von denen nun jeder mindestens eines in die Auswahl legen muss. Sie alle tragen in der Schlusswertung Punkte ein für Kombinationen von Ressourcen oder Arbeiterfiguren oder andere Konstellationen im Spiel. Idealerweise könnte so im Verlauf der Partie gezielt darauf hingearbeitet werden, um am Ende noch möglichst viel von den eigenen Plättchen zu profitieren. Allerdings müssen auch diese bei diesem Brettspiel zuerst erworben werden, wobei oft ganz unerwartet auch die Konkurrenz Interesse an bestimmten Plättchen haben kann.

Keyflower ist anspruchsvoll und bis zuletzt spannend, verläuft aber dennoch überraschend flüssig, trotz der Vielfalt der unterschiedlichen Möglichkeiten und Konstellationen im Spiel. Und weil nie sämtliche Plättchen zum Einsatz gelangen, gleicht kaum eine Partie der anderen. Umso wichtiger ist es, den Überblick über die eigene und die Auslagen der Gegner zu behalten und die eigenen Arbeiter geschickt einzusetzen. Außerdem ist es durchaus sinnvoll, früh die Initiative zu ergreifen. Durch den Farbzwang bei Keyflower werden nämlich mit dem ersten Arbeiter mögliche Konkurrenten oft gleich zu Beginn einer Runde ausgeschlossen, wenn sie nicht genügend Figuren der benötigten Farbe hinter ihrem Sichtschirm verborgen haben. Und wenn gar die speziellen grünen Arbeiter zum Einsatz kommen, die einzig über bestimmte Plättchen erworben werden können und entsprechend rar sind, kennt das Entsetzen und Wehklagen der Gegner meist kaum noch Grenzen.

Wenig überraschend daher, dass Keyflower nicht bloß den Fairplay Scouts, sondern auch meinen Testrunden sehr gut gefallen hat. Ein Brettspiel also, das zu entdecken sich alleweil lohnt und das jede mögliche Auszeichnung mehr als verdient.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90 - 120
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
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