Kofferpacken extrem

eine Spielerezension von Florian Kirchhof - 21.05.2018
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Kofferpacken extrem - Foto von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

„Ich packe meinen Koffer und nehme mit …“. Den Reisespiel-Klassiker kennt wohl jedes Kind und jeder Erwachsene. Pegasus Spiele legt nun aber noch eine Schippe drauf. Kofferpacken extrem von Arve D. Fühler heißt das Spiel. Ich habe es in der letzten Zeit extrem oft gespielt und dies in den unterschiedlichsten Konstellationen und ich habe mich ein wenig verliebt.

Worum geht’s bei Kofferpacken extrem?

Das „normale“ Kofferpacken sollte allgemein bekannt sein. Trotzdem der Vollständigkeit halber kurz angeschnitten, geht es darum reihum den imaginären „Koffer“ zu packen. Der Clou: Bevor ich etwas einpacken darf, muss ich alle eingepackten Dinge erst aufzählen, dann füge ich etwas hinzu und der nächste Spieler ist an der Reihe.

Wie genau haben Arve D. Fühler und Pegasus Spiele nun das Rad neu erfunden?

Ganz einfach, der Spielinhalt besteht aus 66 Objektkarten (doppelseitig bedruckt) 22 Buchstabenkarten (doppelseitig bedruckt (selber Buchstabe, einmal farbig, einmal schwarz-weiß) und sechs „Passen“-Karten. Wir legen nun 36 zufällige Objektkarten in einem 6x6 großen Raster auf den Tisch und daneben sechs Buchstabenkarten. Die übrigen Buchstabenkarten bilden unseren Nachziehstapel. Nun beginnen wir wie normal reihum unseren „Koffer“ zu packen. Aber wir müssen zwei der ausliegenden Objektkarten miteinander verbinden. Das heißt im Klartext: Eines der Objekte beschreiben wir - also wie ist dieses Objekt (Adjektiv) - und ein weiteres Objekt definieren wir, es wird zum Hauptwort (Substantiv).

Beispiel gefällig? Es liegen die Objektkarten „Diamant“ und „Farbpalette“ aus. Ich packe nun also meinen Koffer und nehme mit einen „bunten (Farbpalette) Diamanten (Diamant)“ oder eine „teure Farbpalette“ oder „wertvolle Farben“ oder „kunterbunten Reichtum“. Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt. Die Worte dürfen und sollen(!) außergewöhnlich und witzig sein. Die Mitspieler entscheiden, wie abstrakt das Ganze werden darf. Wichtig ist, dass es grundsätzlich einen Zusammenhang gibt und alle Spieler einverstanden mit dem Wort sind.

Und die Buchstaben? Da das ganze so zwar schon etwas schwieriger als „normales“ Kofferpacken ist, aber noch lange nicht extrem wäre, kommen nun die ausgelegten Buchstaben hinzu. Mindestens eines der gewählten Worte muss mit einem dieser Buchstaben beginnen. Beginnen beide Worte mit dem selben Buchstaben (bilden wir also eine Alliteration), gibt es den doppelten Punktwert (die farbige Seite der Karte). Jeder Buchstabe hat (ähnlich wie bei Scrabble) einen Wert. Dieser Wert gibt am Ende die Punkte an. Haben wir nun also den Buchstaben B können wir den „bunten Diamanten“ einpacken. Wir nehmen die Objektkarten „Diamant“ und „Farbpalette“ legen die schwarz-weiße Seite des Buchstaben B darüber und der nächste Spieler ist dran. Er sieht nur unser schwarz-weißes B, nicht den Rest und muss nun mit dieser Information den Koffer packen. Dafür hat man natürlich nicht unendlich Zeit. Kommt ein Spieler ins Stocken oder macht einen Fehler beim Aufzählen, gibt es eine „Passen“-Karte. Hat ein Spieler zwei davon, oder gibt es nur noch zwei Objektkarten, endet die Runde. Jetzt guckt jeder Spieler auf seine Buchstabenwerte zu den gepackten Objekten und zählt seine Punkte aus.

Ist Kofferpacken extrem auch extrem spaßig?

Ich finde ja! Mir persönlich macht es riesigen Spaß. Bislang hat jeder, dem ich es "aufgezwungen" habe, mit mir zu spielen, zwar erst einmal skeptisch geguckt, am Ende hatten jedoch bisher alle riesigen Spaß daran. Besonders interessant ist, dass die eigentlich schwerer zu bildenden Alliterationen beim Aufzählen viel leichter im Gedächtnis bleiben, als „normale“ Wortzusammensetzungen. Schön ist, dass das Spiel die grauen Zellen in Schwung bringt, den geschickten Umgang mit Sprache nochmal ordentlich ankurbelt, die Fantasie befeuert und gleichzeitig so viel Spaß macht.

Das Ganze wird ein klein wenig getrübt. Die Qualität der Karten ist nicht wirklich gut. Sie knicken schnell und wirken insgesamt nicht sonderlich robust. Die abgebildeten Gegenstände sollen stilistisch simpel sein, dass liegt auf der Hand, einige Objekte sind dabei jedoch erst auf den fünften Blick zu identifizieren. Und wo ist meine Sanduhr? Wenn mir eine Anleitung empfiehlt, dem Mitspieler 60 Sekunden Zeit zu geben, um ein Objekt einzupacken, dann möchte ich diese nicht leise im Kopf zählen müssen (dazu sind außerdem zu abstrakte Worte in meinem Kopf). Und trotzdem ich wiederhole mich, macht es einfach wirklich Spaß.

Diese Ausgabe wertet das übliche „Kofferpacken-Spiel" wahnsinnig auf. Es sorgt für den einen und (nicht oder) anderen Lacher. Und außerdem ist es kurzlebig, eine Runde ist schnell gespielt. Auch wenn man zwischendurch ins Stocken kommt, verliert das Spiel nicht an Dynamik und Spielspaß. Man muss ständig die Buchstaben im Auge behalten. Einmal, um zu wissen, wie man überhaupt einpacken kann, zum anderen auch immer mit dem Hintergedanken, wie man möglichst viele Punkte erhaschen kann. Somit besitzt das Spiel auch eine taktische Komponente. Jeder der Spaß an Worten und Wortzusammensetzungen hat und ein Spiel für eine kleine heitere Runde sucht, kann bei Kofferpacken extrem zuschlagen. Nicht zuletzt sollte erwähnt werden, dass der Griff ins Portmonee kein sehr tiefer sein wird. Momentan ist das Wortspiel für magere sieben Euro erhältlich. Dafür gibt es jede Menge Spaß.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
10-40
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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