Haithabu

Tribes of the North

eine Spielerezension von Johannes Halbig - 17.11.2022
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Haithabu - Brettspiel und Figuren - Foto von H2O
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Eine Spieleverlagsgründung mit 19 Jahren Vorlauf dürfte wohl ziemlich einmalig sein. Interessant ist natürlich: Wie kam es dazu. Kenner der Szene wissen jetzt wahrscheinlich schon, um welchen Verlag es sich handelt, nämlich um H2.O, Herold und Herold. Wieland Herold, Vater der beiden Verlagsgründer war lange Jahre Mitglied bei der Jury Spiel des Jahres. In dieser Funktion musste natürlich viel gespielt werden. Zum Glück konnte der Vater seine Spielbegeisterung an seine vier Kinder weitergeben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder nicht nur spielten, sondern bald auch selbst Spiele erfanden.

Zwei der Söhne, trugen sich bald mit dem Gedanken an eine eigene Verlagsgründung. Um den Vater nicht in Schwierigkeiten zu bringen, schworen sie sich mit Spieleveröffentlichungen und einer Verlagsgründung zu warten, bis der Vater seine Mitgliedschaft bei der Jury niederlegen würde. Dieser Zeitpunkt kam erst 19 Jahre später, nämlich im Jahr 2019. Nun stand der Verlagsgründung und den ersten Spieleveröffentlichungen nichts mehr im Wege.

Haithabu - mit historischem Wissen

Ein Herzensprojekt des noch jungen Verlages ist das vorliegende Kartenspiel Haithabu – Tribes of the north. Bei diesem Spiel brachte Wieland Herold noch eine andere Seite seiner Persönlichkeit ein, die in der Spieleszene wahrscheinlich weniger bekannt war, nämlich sein immenses historisches Wissen. So hat er die historischen Hintergründe zum vorliegenden Spiel beigesteuert. Leider konnte er die Veröffentlichung des Spieles nicht mehr bis zum Ende mit begleiten, da er am 21.04. 2022 nach längerer Krankheit aus dem Spiel des Lebens ausgestiegen ist.

Worum geht es bei Haithabu - Tribes Of The North?

Als Rezensent fühle ich mich bei dem vorliegenden Spiel in einer schwierigen Lage. Ich möchte das Spiel gerne so richtig gut finden, was aber, wenn mir das nicht gelingt?

Nun, schauen wir uns das Spiel erst einmal an. Es handelt sich um ein Kartenspiel mit vier verschiedenen Kartensets, für jeden Volksstamm ein Set. Jedes Volk beinhaltet 20 Stammeskarten und eine Heldenkarte. Außerdem gibt es 23 Wertungskarten und drei Stadtkarten. Außer in der Grafik unterscheiden sich die Sets nicht voneinander. Es handelt sich um Zahlenkarten und zwar je dreimal die „1“, „2“ und „3“, je zweimal die „4“, „5“ und „6“ und je einmal die „7“, „8“ und „9“. Zusätzlich gibt es jeweils zwei Karten ohne Zahl.

Zu Beginn mischt jeder Spieler seine 20 Stammeskarten und legt die Heldenkarte seines Volkes offen neben seinen verdeckten Kartenstapel. Anschließend zieht jeder Spieler fünf Stammeskarten von seinem verdeckten Stapel. Die Wertungskarten werden gemischt und je nach Spieleranzahl werden bis zu vier Wertungskarten offen ausgelegt. Die drei Stadtkarten werden ebenfalls offen ausgelegt (im Spiel zu zweit kommt eine Stadtkarte aus dem Spiel).

Ein Zug besteht aus vier Phasen:

  • Als Erstes kann der Spieler eine Wertung durchführen, sofern die Wertungsbedingungen einer ausliegenden Wertungskarte erfüllt werden. Dabei muss der Spieler mindestens eine eigene Karte in der gewerteten Reihe ausliegen haben.
  • Bei der zweiten Aktion kann sich der Spieler entscheiden zwischen dem Ausspielen einer Karte, dem Nachziehen einer Karte oder dem Austausch von Handkarten.
  • Wenn neun Karten in einer Reihe liegen, muss als dritte Aktion eine Metropolenwertung durchgeführt werden.
  • Als vierte Aktion müssen gegebenenfalls Wertungskarten ergänzt werden.

Blick auf die Details

Anschließend ist der nächste Spieler an der Reihe. Obwohl die Wertung am Beginn eines Zuges steht, stellen wir sie für einen Moment zurück und betrachten die zweite Phase näher. Entscheidet sich der Spieler für Ausspielen, so kann er beliebig viele seiner Handkarten auf eine oder verschiedene Reihen ausspielen. Ist eine Reihe noch leer, so kann sie mit einer beliebigen Karte eröffnet werden. Liegen schon Karten in einer Reihe, so muss sich der Spieler an die Reihenfolge halten. Eine Reihe geht immer von eins bis neun, muss aber nicht mit einer Eins beginnen. So sind z.B. folgende Reihen möglich: 3,2,1,9.8 oder 8,9,1,2.

Bei zwei und drei Spielern dürfen bis zu drei Reihen ausgelegt werden, bei vier Spielern bis zu vier. Statt auszuspielen, kann der Spieler auch nachziehen und seine Handkarten auf fünf ergänzen. Solange der Nachzugsstapel eines Spielers noch Karten enthält, hat er auch die Aktionsmöglichkeit Karten auszutauschen. Dabei dürfen bis zu fünf Handkarten unter den Stapel zurückgelegt werden und anschließend die Handkarten wieder auf fünf nachgezogen werden. Gibt es eine Reihe mit der Länge von neun Karten, so findet in der dritten Phase eine Metropolenwertung statt (falls die Metropolenkarten aufgebraucht sind, darf eine beliebige Wertungskarte stattdessen gewertet werden). In der vierten Phase werden bei Bedarf die Wertungskarten aufgefüllt und überprüft, ob eine der Ende-Bedingungen erfüllt ist.

Einmal pro Spiel kann jeder Spieler seine Heldenkarte einsetzen, die bei einem Gleichstand immer 10 Punkte zählt. Pro ausliegender Reihe und pro Spielerzug darf allerdings nur eine Heldenkarte gelegt werden. Das Spielende erfolgt, wenn eine von drei Bedingungen erfüllt ist. Entweder kann der zweite Spieler keine der drei Kartenaktionen mehr durchführen, oder es sind alle Metropolenkarten vergeben, oder die letzte Wertungskarte wird vom Stapel gezogen. Dann erfolgt die Abschlusswertung. Dazu addiert jeder Spieler seine Wertungs- und Punktekarten. Wie nicht anders zu erwarten, gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten. Da Haithabu ein schnelles Spiel ist, werden in der Anleitung drei Spielrunden empfohlen. In diesem Fall steht der Sieger nach drei Runden fest.

Macht Haithabu Spaß?

Die Hintergrundgeschichte von Haithabu finde ich sehr ansprechend. Leider hat sie für das Spiel selbst reinen Dekorationscharakter. Das Spiel ist ein abstraktes Kartenspiel, das keinen Hintergrund benötigt und daher mit einer fast beliebigen Story ausgestattet werden kann. Auf den ersten Blick handelt es sich hier um ein recht einfaches Spiel, das Erinnerungen an verschiedene Spiele von Reiner Knizia weckt.

Besonders an dem Spiel ist, dass jeder Zug mit einer möglichen Wertungsphase beginnt. Das kenne ich so nicht. Das war es aber auch schon mit neuen Elementen. Die beste Taktik besteht nach unseren Erfahrungen, immer möglichst viele Karten auszuspielen. Ein Austausch von Karten wurde nur vorgenommen, wenn es gar nicht anders ging. Die dritte Endebedingung kam bei uns nie zum Tragen, da immer genügend Wertungskarten im Spiel waren. Das Eröffnen einer dritten Reihe im zweiten Zug beim Zwei-Spieler-Spiel stellt nach unserer Erfahrung einen Startspielervorteil dar.

Haithabu ist leicht zugänglich und schnell erklärt, wird aber leider nicht allzu oft auf unserem Spieltisch landen. Bei dem vorliegenden Rezensionsexemplar handelt es sich um einen Vorabdruck, bei dem die Rückseiten der Karten nicht sauber gedruckt sind, was hoffentlich in der endgültigen Version dann nicht mehr der Fall ist.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30-45
Jahrgang: 
2022
Spielkategorisierung

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