Anathema

eine Spielerezension von Rainer Fieseler - 31.10.2005
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Anathema von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Ein Spiel wie Anathema muss man aus zwei Richtungen betrachten. Da ist zum einen das Thema. Wie der Titel (anathema = griechisch: verflucht) oder der deutsche Titel – nicht ganz so passend – Der Fluch des Teufels schon erahnen lassen, geht es um den Bereich des Übernatürlichen. Genauer gesagt die Hexerei und deren Bestrafung im Rahmen der Hexenprozesse von Salem (Massachusetts). Eine ganze Reihe von Zitaten aus diesen Prozessen sind auf den Karten abgedruckt. Diese wurde allerdings im Originalwortlaut wiedergegeben, sodass ein Verständnis für einen Menschen dessen Muttersprache nicht Englisch ist, sich bisweilen als reichlich schwierig erweist.

Wie die Spielregel besagt, soll das Spiel Interesse an den damaligen Geschehnissen wecken, was recht gut gelingt. Die düsteren bis unheimlichen Zeichnungen schaffen eine passende Atmosphäre und dadurch angeregt kommt die Frage, was damals vor sich ging und warum, über früh oder lang unweigerlich auf.

Zum anderen interessiert aber natürlich die Frage, wie sich das Ganze nun spielt. Und da stellt man zunächst etwas erstaunt fest, dass das Spielsystem mit dem Thema aber wirklich überhaupt nichts zu tun hat. Die Regel verschweigt aber nicht, dass es sich um eine weitere Variante eines bekannten Spielsystems (Casino, Scopa, Gelb gewinnt, Holeop) handelt.

Wie in diesen Vorbildern werden Karten auf dem Tisch ausgelegt, jeder Spieler erhält vier Karten und muss reihum jeweils eine ausspielen. Dabei wird er versuchen, mit einer oder der Summe mehrerer Karten auf dem Tisch die gleiche Punktzahl wie die seiner gespielten Karte zu erreichen. Gelingt ihm das, so kann er all diese Karten an sich nehmen. Wenn nicht, so muss er die Karte zu den ausliegen Karten hinzu legen oder kann einen Stapel bilden, in der Hoffnung, dass ihm niemand zuvor kommt und er ihn in der nächsten Runde bekommt.

Hat jeder seine Karten ausgespielt, gibt es jeweils vier neue, bis alle Karten vergeben sind. Dann wird abgerechnet: Punkte gibt es für die meisten Karten, die meisten „Freund-Karten“ (enthalten ein Katzensymbol), für jedes Mal Kartenabräumen vom Tisch sowie für einige Karten, die direkt ein oder zwei Punkte bringen.

Viele Einflussmöglichkeiten bietet das Spiel nicht, will das aber auch gar nicht. Und weil man das weiß, kann man sich auf ein einfaches glücksbetontes Spiel einstellen, das richtig Spaß macht - nicht zuletzt durch seine gelungene Grafik.

Nach ein paar Einführungsrunden kann man noch einige Variantenregeln probieren, aber das muss nicht unbedingt sein. Diese machen das Spiel etwas planbarer, doch nicht unbedingt besser. Eben nur anders. Dennoch wird es auch jetzt harte Taktiker nicht zufrieden stellen. Aber für die gibt es ja andere Spiele.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30 - 45
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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