Händler auf dem Forum Romanum

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.03.2009
  Spiel kaufen kommentieren
Händler auf dem Forum Romanum von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Die Lektüre der Regelanleitung erweist sich als reichlich zähflüssiges Vergnügen und vermittelt kaum einen Eindruck vom Ablauf und der Charakteristik des Spiels. Offenbar sollen Waren günstig eingekauft und später mit Profit wieder abgestoßen werden, wobei die Entwicklung der Marktpreise unmittelbar verknüpft ist mit den Handelsaktivitäten der Spieler. Zu unterscheiden sind ferner offene und verdeckte Kartenauslagen der Spieler sowie Hand- beziehungsweise Vorratskarten, die zwar jederzeit angeschaut werden dürfen, jedoch erst eingesetzt werden müssen, um darauf zugreifen zu können.

Alles tönt reichlich verwirrlich, um nicht zu sagen undurchsichtig, allerdings durchaus auch interessant. Gut beraten ist denn auch, wer sich durch den etwas zwiespältigen ersten Eindruck nicht dazu verleiten lässt, das schmucke Kartenspiel ungetestet zur Seite zu legen - das Überschreiten der regeltechnischen Anfangshürde lohnt sich alleweil! Eigentlich sind das Konzept und die Mechanismen des Spiels nämlich gar nicht allzu komplex, hat man dessen innere Logik erst einmal verstanden.

Das Geschehen wird dominiert durch je zwölf Spielkarten der Warenarten Zinn, Glas, Holz, Getreide und Wein. Diese werden nach Sorten getrennt offen in der Tischmitte bereitgelegt. Pro Warenart stehen zusätzlich je zwei Produktionsstätten zur Verfügung, die gemischt werden und einen verdeckten Nachziehstapel bilden, von dem jeweils die oberste Karte umgedreht wird. 17 Prestigekarten mit Siegpunktewerten von eins bis fünf ergänzen das Ganze und werden ebenfalls offen bereitgelegt. Gewinner ist, wer zuerst zwölf oder mehr Siegpunkte erreicht hat, die durch den Kauf von Produktionsstätten- oder speziellen Prestigekarten erworben werden können.

Zu Beginn wählt jeder Spieler reihum drei beliebige, aber unterschiedliche Warenkarten aus, die er offen vor sich ablegt. Sie bilden sein jeweiliges Angebot, das zugleich als Zahlungsmittel dient für spätere Kartenkäufe. Dabei darf im gesamten Spielverlauf das Limit von acht Karten nie überschritten werden. Nach Abschluss dieser Vorbereitungsphase werden die Marktpreise ermittelt, wobei jede Warenkarte, die durch einen der Spieler in sein Angebot aufgenommen wurde, den Wert der entsprechenden Warenart um eins erhöht. Die Preise jeder Warenart werden auf einem speziellen Tableau markiert und im weiteren Spiel laufend nachgetragen.

Dann geht’s richtig los. Jede der einzelnen Spielrunden besteht aus einer Versteigerungs-, einer Kauf- und einer abschließenden Nachlegephase des jeweils aktiven Spielers. Dazu wählt er als erstes drei beliebige, allenfalls auch gleiche Warenkarten der Bank aus, die ersteigert werden können, wobei er selber durchaus auch mitbieten darf. Der Käufer bezahlt mit den Karten seines Angebots, unter Berücksichtigung der Wertangabe der jeweiligen Warenart auf dem Preistableau, wobei die Zahlung an den Versteigerer geht. War dieser selber erfolgreich, leistet er an die Bank. Sowohl die ersteigerten als auch die vom Erwerber als Kaufpreis erhaltenen Karten werden auf einen speziellen Vorratsstapel gelegt und können nicht unmittelbar für weitere Aktionen eingesetzt werden. Nach dem Abschluss der Versteigerung wird der neue Wert jeder Waren auf dem Preistableau entsprechend der veränderten Auslage im Angebot aller Spieler neu eingestellt.

Mit den in seinem Angebot befindlichen Karten kann der aktive Spieler nun noch die offen ausliegende Produktionsstätten- sowie beliebig viele Prestigekarten zum jeweils aufgedruckten (fix bleibenden) Kaufpreis erwerben. Abschließend ergänzt der Spieler sein Angebot wieder auf maximal acht Karten, sofern dies aufgrund seines persönlichen Vorratsstapels überhaupt möglich ist. Dabei sind höchstens fünf offene und drei verdeckte Karten erlaubt, die selbständig ausgewählt werden dürfen. Auf diese Weise kann erheblich Einfluss genommen werden auf die Marktpreise der einzelnen Warenarten, da diese auf dem Tableau entsprechend dem veränderten Angebot der Spieler neu ermittelt werden, weshalb entscheidend ist, ob die eigenen Karten offen oder verdeckt abgelegt werden.

Die erworbenen Prestigekarten werfen zwischen einen und fünf Gewinnpunkte ab, sind aber ziemlich teuer und ohne Hilfe im Spiel selber. Demgegenüber werden Produktionsstättenkarten offen neben das Angebot des jeweiligen Käufers abgelegt, was dessen Vergrösserung bewirkt. In seiner jeweiligen Nachziehphase darf der Spieler nämlich eine Warenkarte der entsprechenden Sorte auf die Produktionsstätte (auch die soeben gekaufte) legen. Sie kann für Käufe eingesetzt werden, hat Einfluss auf die Preisbestimmung der jeweiligen Warenart wie eine offene Karte im Angebot, zählt andererseits aber (bloß) einen Gewinnpunkt.

Auf diese Weise versuchen die Spieler reihum günstige Warenkarten zu erwerben, deren Preis in der eigenen Nachziehphase in die Höhe zu treiben, um eine Runde später dann eine Produktionsstätte sowie möglichst viele und wertvolle Prestigekarten einkaufen zu können. Die Vielschichtigkeit der Einflussfaktoren auf die Warenpreise verwirrt dabei zu Beginn recht stark, kann aber mit steigender Erfahrung immer gezielter genutzt und eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei, möglichst unabhängig von der (offenen) Auslage der Gegner zu sein. Entfernen diese nämlich bei ihren Käufen offen ausliegende Karten aus ihrem Angebot, kann der damit verbundene Preissturz der jeweiligen Warenart die eigenen Pläne arg durchkreuzen.

Wunderbar ist es hingegen, wenn in der Nachziehphase eine ganze Anzahl billig eingekaufter Karten einer bestimmten Warenart, die möglichst sonst niemand in der Auslage hat, ins eigene offene Angebot gelegt werden können. Hier stehen sie aufgrund der damit verbundenen Preisexplosion anschließend für Grosseinkäufe aller Art zur Verfügung, ohne dass einer der Gegner ihren Wert in irgendeiner Weise sabotieren könnte. Um diese Mechanismen und das damit verbundene Ärger- und Frustpotential gezielt einsetzen zu können, braucht es zwar Einiges an Spielerfahrung und Planung und auch etwas Schlachtenglück. Andererseits werden so Manöver möglich, wie sie eleganter und schöner kaum ablaufen können - einfach herrlich!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel