Harry Potter Sammelkartenspiel

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.08.2001
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Harry Potter Sammelkartenspiel von
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Pokemon ist tot, es lebe Harry Potter! Pünktlich zum bevorstehenden Film erhält der Megaerfolg Harry Potter sein Sammelkartenspiel. In dieser Besprechung beziehen wir uns nur auf das Starterset, Erweiterungen konnten wir (noch nicht) testen. Allerdings liegt hier auch ein kleines Problem. Sammelkartenspiele haben es so an sich, dass man zum Kauf weiter Sets oder Boosterpacks animiert werden soll. Das bedeutet, das Starterset besteht aus Grundkarten, die interessanten Karten sind nicht enthalten.

Von daher ist es kaum verwunderlich, dass der ganz große Reiz beim Spielen nicht aufkommen mag. Allerdings gibt es durchaus einen Vergleich zu einem anderen Sammelkartenspiel, der gezogen werden darf - zu Pokemon. Während das Spielprinzip mal ungeachtet des dazugehörigen Sammelwahns von Pokemon eigentlich nicht uninteressant und zumindest nicht so schlecht wie sein Ruf ist, kann auch hier das Harry-Potter-Spiel kaum überzeugen.

Zunächst müssen die beiden Spieler möglichst Lektionskarten ausspielen, die den Wissensstand und die magische Kraft der beiden gegeneinander zum Zauberduell antretenden Spielfiguren simulieren. Im Laufe des Spiels kann man Wesen und Zaubersprüche hinzufügen, deren Einsatz aber von der bisher angesammelten Zauberkraft (den Lektionskarten) abhängig ist. Im Laufe des Spiels steigt - wenn nicht der Gegner dazwischenfunkt - die Anzahl der ausgespielten Lektionskarten und damit der Zauberkraft an, wodurch immer stärkere Wesen und Zaubersprüche gespielt werden können. Die Karten dazu werden jeweils von dem eigenen Kartenstapel in die Hand und von dort auf den Tisch gelegt. Wesen und Zauber fügen der Figur (im Starterset sind dies Hermine Granger und Draco Malfoy) des Gegenspielers Schaden zu. Schaden wird durch das Entfernen der ausgelegten Wesen beziehungsweise durch das Ablegen von Karten des Stapels des Gegenspielers simuliert. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, denn es gewinnt der Zauberer, der seinen Gegner handlungsunfähig macht. Das ist dann der Fall, wenn dieser seinen Kartenstapel aufgebraucht hat.

Das Spielprinzip ist wesentlich leichter, aber lange nicht so gut wie bei Pokemon. Auch scheint uns nach mehreren Test das Starterset nicht ausgeglichen zu sein. Die Karten von Hermines Deck haben unserer Auffassung nach einen stärkere Wirkung auf den Gegner. Bei entsprechend ausreichend ausgespielten Lektionskarten sind besonders die Wölfe von Hermine wesentlich gefährlicher für Draco als die Zauber von diesem für Hermine. Das Spiel ist nicht ganz rund. Vielleicht ist dieser Eindruck unberechtigt, wenn man die erweiterten Spielmöglichkeiten der Erweiterungen und Booster-Karten berücksichtigt (hier gibt es auch Orte und Abenteuer, in die die Gegenspieler verstrickt werden können), aber das Starterset ist nun mal der Einstieg in das Spiel. Wenn das nicht überzeugen kann, werden hier schon einige Spieler aussteigen und sich wieder um andere Spieler kümmern. Unter dem Vorbehalt, nur das Starterset getestet zu haben, ist Harry Potter - das Sammelkartenspiel bei uns leider durchgefallen. Pokemon fanden wir interessanter. Die Zielgruppe ist mit "ab 9 Jahre" angegeben. Diesen Spielern mag es egal sein, wie das Spiel einzuschätzen ist, solange nur Harry Potter auf der Packung steht - die Freunde und Bekannten im Zauberrausch werden ein übriges tun...

Nachtrag vom 25.09.2001
Nach weiteren Tests und einem Hinweis aus dem Spielbox-Forum gibt es einen Weg, auch mit Draco zu gewinnen. Mit der Taktik, gleich zu Beginn möglichst viele von Hermines Karten aus dem Spiel zu bekommen und auf die eigenen Lektionen erst im weiteren Spielverlauf zu achten, wird Draco mehr als zu einem gefährlichen Zauberer. Jetzt ist es Hermine, deren Chancen etwas geringer sind. Das ganze soll sich nach Erfahrungen anderer Spieler aber durch einige Booster-Zusatzkarten ausgleichen. Zusätzliche Karten machen demnach auch das Spiel insgesamt sehr viel interessanter und faszinierender.

Ein weiterer zu erwähnender Punkt ist die Grafik. Das Spiel muss aus lizenzrechtlichen Gründen leider ohne die von den Büchern bekannten deutschen Grafiken auskommen. Die "neuen" Grafiken sind jedoch etwas gewöhnungsbedürftig. Schade, denn uns haben die Illustrationen von Sabine Wilharm sehr gefallen.

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Verlagsangaben
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
9
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