Mensch ärgere Dich nicht

eine Spielerezension von Michael Weber - 15.10.2010
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Mensch ärgere Dich nicht - Foto von Schmidt Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Eigentlich ist Mensch ärgere Dich nicht ein traditionelles Spiel aus dem indischen Raum und heißt Pachisi. Aber irgendwann hatte sich Josef Friedrich Schmidt, seines Zeichens Gründer von dem (alten) Schmidt Spiele mit minimalen Regeländerungen eine Spielvariante ausgedacht, die er Mensch ärgere Dich nicht nannte. Das war etwa 1910. Und seitdem ist Mensch ärgere Dich nicht über Jahrzehnte als Familienspiel aus fast keinem Haushalt wegzudenken gewesen.

Mensch ärgere Dich nicht: Familienspiel mit Frustfaktor

Mensch ärgere Dich nicht hat das Familienspiel über lange Zeit dominiert und inspiriert. Würfel- und Laufspiele waren vor hundert Jahren keine Seltenheit und haben sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als Familienspiel gehalten. Da ist auch der Klassiker Mensch ärgere Dich nicht keine Ausnahme. Würfeln, ziehen, schlagen und gewinnen. Und dabei noch eine ganz große Portion Häme und Ärger über die Mitspieler ausschütten. Der Titel war Programm. Mensch ärgere Dich nicht war kein Familienspiel, bei dem alle Spaß hatten. Jeder spielte es zwar gerne, aber als Geschlagener zurück zum Start zu müssen war allen Spielern, ob jungen Kinder oder spielenden Omas zuwider. Bei diesem Familienspiel stehen Frust und Freude eng beieinander. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum es in den besten Familien vorkam, dass der ständig herausgeworfene Spieler mal eben mit einem Handstreich das ganze Brett abräumte …

Als Familienspiel ist Mensch ärgere Dich nicht im eigentlichen Sinne eine Katastrophe. Warum hat es so lange überlebt? Ganz ehrlich: Lange Zeit gab es kaum bessere Spiele. Mühle, Dame, Halma, Mikado, das Gänsespiel. Das war es fast schon. Dann irgendwann Monopoly und Malefiz. Richtig ernsthafte Familienspiele kamen erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts auf. Und so ist das simple Würfeln, Ziehen und Setzen eben ein Zeitvertreib für die ganze Familie. Anspruchslos, also leicht verständlich, aber gut genug, um den Sonntagnachmittag herumzubekommen. Der Sieger konnte sagen, er war gut, die anderen konnten es auf Würfelpech schieben.

Ist Mensch ärgere Dich nicht noch zeitgemäß?

Das moderne Familienspiel kann viel mehr. Es kann unterhalten und dennoch muss niemand ständig um seine Figuren fürchten. Es ist bei aller Leichtigkeit aber auch anspruchsvoller geworden. Indes wird Mensch ärgere Dich nicht immer noch gut verkauft. Und zwar nicht nur von Senioren im Wohnstift, sondern auch von jungen Familien. Vielleicht deshalb, weil dieses Familienspiel zum Inbegriff des Brettspiels geworden ist. Und zum Wegbereiter für viele andere Brettspiele auf dem Weg in das Kinderzimmer und auf den Spieltisch der Familien. Nicht umsonst hat die Deutsche Post dem Spiel zum 100-jährigen Jubiläum eine eigene Briefmarke gewidmet. Irgendetwas ist eben dran an diesem Brettspiel für die ganze Familie, das unzählige Hausregeln kennt. Ich würde es dennoch allenfalls mit der Kneifzange anfassen. Zu sehr ist das Spielprinzip überholt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6
Spieldauer (Minuten): 
30-45
Spielkategorisierung
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