Schüttel's

eine Spielerezension von Bettina Ihnst - 23.06.2018
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Gesellschaftsspiel Schüttel's - Foto von Zoch Verlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Bei Schüttel’s von Bernhard Lach und Uwe Rapp (Zoch Verlag) hat man das Würfelglück endlich einmal selbst in der Hand. Und das bei einem Würfelspiel ohne einen einzigen Würfel! Genau genommen wird hier aber gar nicht gewürfelt. Schüttel’s stellt die Spieler vor eine andere  Herausforderung. Halmakegel (auch als Pöppel bekannt) müssen  in passender Anzahl aus einem Becher geschüttet werden. Die Pöppel heißen in diesem Spiel übrigens Wichtel. Und Wichtel sollen in Rappeltal nach Heinzelmannmanier für Ordnung zu sorgen.

Wie wird das Familienspiel Schüttel’s gespielt?

Zu Spielbeginn besitzt jeder Spieler zehn neutrale Waren und 400 Rappeltaler. Reihum schütteln die Spieler den Becher, schütten Wichtel daraus und versuchen, ihre Waren möglichst gewinnbringend einzusetzen. Die Anzahl der Wichtel, die aus dem Becher fallen, bestimmt dabei die Nummer des Spielfelds, auf dem dann eine Aktion durchgeführt wird. Bei Handwerkshäusern werden Waren abgestellt. Diese können später wieder verkauft werden, wenn ein Spieler es schafft, genau die gleiche Anzahl Wichtel noch einmal aus dem Becher fallen zu lassen.

Wer auf einen höheren Gewinn pokern möchte, kann weitere Waren einsetzen und später gleich mehrere verkaufen. Werden weitere Waren an einem Handwerkshaus abgestellt, rücken vorhandene Waren jeweils eine Wertposition höher. Entsprechend wird zurückgesetzt, sobald verkauft wird. Steht eine Ware beim Weiterschieben schon an letzter Position, landet sie wertlos auf dem Lagerplatz. Einmal eingesetzte Waren bekommt man nicht zurück.

Außer den sieben Handwerkshäusern gibt es jeweils vier Glücks- und Pechwichtelfelder. 2, 10, 13, und 14 sind Glückswichtelfelder. Blöd, dass die Pechwichtelfelder 1, 3, 7 und 15 ganz in der Nähe liegen. Diese Schnittmenge sollten möglichst vermieden werden.

Durch die Schüttbewegung, die gemäß der Spielanleitung zugleich durchgängig und schwungvoll sein soll, ist es nicht gerade einfach, die Menge der herausfallenden Wichtel exakt zu planen. Auf dem Marktplatz wird das Geld gesammelt, dass die Spieler bei schlechten Würfen abgeben müssen. Nur, wem es gelingt, genau 14 Wichtel aus dem Becher purzeln zu lassen, darf hier kassieren. In der Schweinegrube müssen Waren abgegeben werden. Im Zelt der Wahrsagerin, dem Wirtshaus und der Bank haben die Spieler die Möglichkeit, weitere Rappeltaler zu gewinnen oder Waren lukrativ einzusetzen. Das Spiel endet, sobald zwei Spieler keine Waren mehr besitzen oder wenn alle Lagerplätze belegt sind. Wer dann die meisten Rappeltaler besitzt, gewinnt.

Wie gut ist das Familienspiel Schüttel’s?

Dieser Kniff mit der Schüttbewegung hat es in sich und bleibt auch mit etwas Übung immer ein wenig zufällig. Genau steuern lässt sich das nicht. Aber gerade das macht den Reiz aus. Schüttel’s sollte mindestens mit vier, besser noch mit fünf oder sechs Spielern gespielt werden. Frei nach Loriot: Schüttel’s mit zwei oder drei Spielern ist möglich, aber sinnlos. Zum einen, weil Schüttel’s ein Spaßspiel ist und großer Spaß fast immer eine größere Runde benötigt, um sich entfalten zu können. Zum anderen steigt der Wert der einzelnen Waren bei zwei oder drei Spielern kaum. Die Gewinne werden dann hauptsächlich auf den Glückswichtel-Feldern gemacht und ein interessanter Spieleffekt geht dabei leider unter.

Der beidseitig bedruckte Spielplan (für zwei bis drei, bzw. vier bis sechs Spieler) erinnert mich ein bisschen an Das lustige Topfspiel, das ich in meiner Kindheit gerne gespielt habe. Vom Würfelmechanismus einmal abgesehen, gibt es da tatsächlich ähnliche Elemente. Was das weitere Spielmaterial betrifft, da bin ich ein bisschen zwiegespalten. Völlig überdimensionierte ist in meinen Augen die Spielverpackung. Mit gefaltetem Spielplan hätte die halbe Größe absolut ausgereicht. Und in diesem großen Spielkarton gibt es keine Möglichkeit, dass Papiergeld entsprechend aufzubewahren, so dass die Rappeltaler, die nur die Größe einer Streichholzschachtel haben, lose im Karton herumfliegen und vor bzw. nach jedem Spiel erst einmal sortiert werden müssen.

Über die Pöppel gibt es nicht viel zu sagen. Das sind ganz herkömmliche Holzspielfiguren in drei verschieden Farben. Dabei sind die Farben für das Spiel bedeutungslos, sie vereinfachen lediglich das Abzählen der Wichtel. Auch der Würfelbecher ist schlicht und gewöhnlich. Schließlich aber vermittelt der Wichtelfänger endlich die von Zoch gewohnte und erwartete Wertigkeit. Der mit Druckclips ausgestattete Filzzuschnitt präsentiert sich als hübsche und perfekte Würfelschale. Hier poltert nichts und die Wichtel werden - zumindest meistens - darin aufgefangen.  Außerdem ist sie flach aufgefaltet auch mal im kleinen Reisegepäck verstaubar.

Schüttel’s lebt definitiv von der Schadenfreude der Mitspieler. Wenn der Versuch, exakt vierzehn Wichtel aus dem Becher zu schütten wieder einmal kläglich scheitert und alle Pöppel aus dem Becher kullern, ist verlässlich mit Gelächter zu rechnen. Wer auch über sich selbst lachen kann und mag, liegt mit diesem Familienspiel richtig.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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