caSTO(r)PP

caSTO(r)PP stoppt Castor

eine Spielerezension von Jörg Deutesfeld - 07.03.2012
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caSTO(r)PP von Atomakz Productions
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Ein Castortransport rollt durch das Land und kommt unaufhörlich seinem Ziel, dem Endlager, immer näher. Doch Atomkraftgegner schaffen es immer wieder ihn zu stoppen.

Das Spielprinzip: Auf einem großformatigen Spielplan aus speziellem Kunststoff zum Ausrollen (ca. 37,5 x 64 cm) übernehmen die Spieler die Rolle von Castorgegnern, die sich anschicken vor dem Castortransport das Endlager zu erreichen. Dabei haben sie einen weiten Weg vor sich und müssen so manche Hürde nehmen. Das Spielziel bei caSTO(r)PP ist es, den Castortransporter zu stoppen. Hierfür muss mindestens ein Castorgegner – mit genauer Augenzahl – vor dem Castortransport das Endlager erreichen.

Von seinem Grundprinzip ist der Spielmechanismus von caSTO(r)PP sehr einfach gestaltet, gilt es vier unterschiedlich farbige Holzfiguren für die Castorgegner und eine stilisierte Eisenbahn als Holzfigur mit aufgedrucktem „Radioaktiv“-Zeichen über den Spielplan zu bewegen. Gewürfelt wird mit einem sechsseitige Würfel für die Castorgegner und einem gelben Würfel mit aufgeprägtem „Radioaktiv“-Zeichen für den Castortransport.

Auf dem vorgezeichneten Weg bewegen sich die Castorgegner der Reihenfolge nach in Richtung Endlager, doch manchmal hapert es an der Orientierung, einige Castorgegner werden verhaftet und an den Start zurück gestellt. Der Castortransport rollt dennoch weiter.

Nach jeder Spielrunde der Castorgegner fährt der Zug ein Feld auf den Schienen weiter vor. Kommt einer seiner Gegner auf ein Feld mit dem Zeichen „Radioaktiv“, entscheidet der gelbe Würfel, wie viele Felder der Zug zusätzlich vorankommt. Ist jedoch ein Castorgegner auf einem gelben Feld, muss der Castortransport mit seinem Atommüll einen Stopp einlegen, auch dann wenn ein anderer Castorgegner auf ein Feld mit dem Zeichen „Radioaktiv“ kommt. Die Gegner des Castortransports folgen weiter dem ausgewiesenen Weg der manchmal auch ein Umweg oder eine Abkürzung haben kann, wenn man auf ein entsprechendes Feld mit einem besonderen Symbol kommt. Abkürzungen sind mit einem grünen Punkt markiert, Umwege mit einem roten Punkt.

Fazit: Bilder von Demonstranten auf einem Spielplan mit entsprechenden Anti-Atom-Transparenten zu zeigen, ist sicherlich eine Sache. Den Spielplan allerdings mit Zeichnungen zu verzieren, die Demonstranten dabei zeigt, wie Eisenbahnschienen unterhöhlt werden oder mit Methoden, wie in anderer, nicht legaler Weise der Castortransport aufgehalten werden soll, machen mich doch ein wenig stutzig, handelt es sich doch um ein Brettspiel „ab sieben Jahre“. Die Darstellung der Polizisten als anonym in schwarz gekleidete Staatsmacht, die hinter den Visieren ihrer Helme nicht als Menschen auszumachen sind, verstärkt diesen Eindruck.

Was man hier in Händen hält, ist zweifelsohne ein „politisches“ Brettspiel, selbst wenn der Spielmechanismus höchst einfach gehalten ist. Mir stellt sich allerdings die Frage, ob dieses Spiel in dieser Konzeption überhaupt einen Sinn hat, da man das „Ziel“ schneller erreichen soll, als es unter Umständen der Castortransport kann – und dann? Was mache ich nun als Aktivist/Demonstrant mit meiner Figur? Ich bin im Endlager und der Castortransport mit seinem Müll bleibt auf den Schienen stehen?

Das Endlagerkonzept für Atommüll ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit nach wie vor diskussionswürdig, doch hier scheint es, als würde spielerisch nicht gegen die Erzeugung des atomaren Mülls protestiert, sondern als würde sich hier der Zorn erboster Bürger gegen die „Müllabfuhr" richten.

Selbstverständlich soll in einem demokratischen Rechtsstaat jeder seine Meinung im Rahmen von friedlichen Kundgebungen äußern können, doch was ist mit der Vielzahl von halblegalen und illegalen Mitteln, die zum Einsatz kommen. Als Beispiel sei hier noch einmal das „Schottern“ genannt, wo vermeintliche Aktivisten den Schotter aus Gleisbett entfernen.

Sicherlich würde sich vielleicht niemand sonderlich für das Thema Atommüll interessieren, wenn es nicht regelmäßig Tausende von Demonstranten gäbe, aber wo sind die Lösungen und Alternativen? Ob dieses Spiel zu einer Bewusstseinsveränderung beiträgt halte ich für zweifelhaft, vielmehr scheint es mir, als solle gezielt ein „Fanartikel“ aufgebaut werden, den man mit einer Spieldauer von rund 20 Minuten mal schnell nebenher bei einer Sitzblockade „runterwürfeln“ kann. Der wasserfeste Spielplan und die in einem verschließbaren Stoffpäckchen verpackten Würfel und Spielsteine machen dieses Spiel wahrscheinlich zum idealen Begleiter für die nächste Demo im Wendland.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
7
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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