Magic The Gathering: 2003 World Championship

WM in Berlin

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 11.08.2003
Der Sieger mit dem Pokal von Jeschenko/Wizards Of The Coast
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Im August 2003 fand bereits zum zehnten Mal die Weltmeisterschaft in Magic The Gathering statt. Dabei handelt es sich um die Mutter aller Sammelkartenspiele oder Trading Card Games. Dieses Jahr war Deutschland Gastgeber der WM und lud in das Estrel Hotel nach Berlin. Nicht nur wegen des vermeidlichen Heimvorteils wurde den deutschen Spielern eine gute Chance eingeräumt. In der Mannschaftsdisziplin traten Falk Bernhard, Dirk Baberowski und Thomas Naumaier sogar als Titelverteidiger an und mit zum Beispiel Kai Budde startete immerhin einer der weltweit besten Spieler in der Einzelwertung.

Zumindest in der Mannschaftswertung lief jedoch alles schief. Das deutsche Team konnte sich nicht für das Viertelfinale qualifizieren. Am Ende gewann das Team der USA mit Justin Gary, Joshua Wagener und Gabe Walls gegen die Finnen Tuomo Nieminen, Arho Toikka und Tomi Walamies.

Spannende Einblicke und Mitmachmöglichkeiten bei der WM in Magic The Gathering

Wer einfach mal nur als "unkundiger" Zuschauer die Veranstaltung besucht hat, wurde überrascht von einem undurchsichtigen Gewusel, komischer Zeichensprache und einer sehr internationalen Menschenmenge einerseits, aber auch einer perfekten Organisation, einer unerwarteten Ruhe und vielen Rahmen-Events andererseits. Wer noch nie etwas von Magic The Gathering oder vom Draften (die Zusammenstellung der Decks durch das Ziehen aus Boosterpacks) gehört hatte, konnte hier noch einiges lernen.

Natürlich gab es für die Besucher nicht nur die Möglichkeit, an den kleinen Turnieren im Rahmenprogramm teilzunehmen, sondern auch untereinander Karten zu tauschen, Karten bei Händlern zu kaufen oder sich Karten von den anwesenden Künstlern signieren zu lassen. Einer der Höhepunkte war der Besuch des Magic-Erfinders, Richard Garfield, der es sich nicht nehmen ließ, zum zehnjährigen Jubiläum des Spiels und zur zehnten WM nach Berlin zu kommen. Der Alles-Spieler (Schach, Go, Poker, Brettspiele aller Art und - selten, weil sie zuviel Zeit fressen - Rollenspiele) nutzte den Besuch unter anderem auch, um sich in Berliner Museen umzuschauen und eine Stadtrundfahrt zu machen - das nennt man dann wohl American Sightseeing.

Magic WM 2003 in Berlin - das Viertelfinale

Unter die letzten Acht der Einzelspielerwertung konnten sich mit Peer Kröger, Wolfgang Eder und Daniel Zink drei Deutsche qualifizieren. Ins Finale spielten sich Jin Okamoto und Daniel Zink, die beide ein "Wake-Deck" spielten. Der Deutsche ließ seinem Gegenüber keine Chance und gewann souverän, aber insgesamt ein bisschen überraschend den Titel und darf sich über ein Preisgeld von 35.000 Dollar freuen.

Magic The Gathering - warum die WM kein normales Turnier ist

Die Preisgelder sind gestaffelt. Sogar der 64. bekommt noch 500 Dollar ausbezahlt. Diese Regelung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Spieler zwar das Hotel vom Veranstalter bezahlt bekommen, aber auf eigene Kosten anreisen müssen. Mit der Aussicht, selbst bei einem schlechten Abschneiden zumindest einen (großen) Teil der Kosten abdecken zu können, ist selbst das finanzielle Risiko eines Überseefluges kalkulierbar. Übrigens haben erfolgreiche Spieler mit dem Spiel bereits ein kleines Vermögen an Preisgeldern gemacht (ohne die Reisekosten zu berücksichtigen). Kai Budde als erfolgreichster Spieler in dieser Hinsicht hat sich bereits Preisgelder in Höhe von knapp über 300.000 Dollar erspielt. Jon Finkel, der Weltmeister von 1999, hat über 280.000 Dollar und 14 weitere Spieler haben über 100.000 Dollar gewonnen.

Veranstalter und Hersteller Wizards Of The Coast hat nicht nur mit der Organisation des weltweiten Turniersystems ein glückliches Händchen bewiesen. Magic boomt im zehnten Jahr so wie nie zuvor. Jörg Mutz, der für Hasbro, den Mutterkonzern von Wizards Of The Coast, die Presse betreut, sieht einen Zusammenhang zu Pokemon. Auch dort boomt es wieder. Man vermutet, dass jüngere Geschwister ehemaliger Pokemon-Spieler das Thema aufgreifen. Ihre älteren Geschwister möchten sich dagegen jedoch abgrenzen und greifen stattdessen zu Magic. Nicht zuletzt wird aber seit einigen Monaten auch ein anderes Vertriebskonzept verfolgt. Hasbro unterstützt Amigo Spiele beim Verkauf in die großen Handelsketten. Neben den kleinen Spieleläden führen jetzt auch die großen Ketten Magic-Karten.

Erfolgreiche Kartendecks bei der Magic WM

Ein Problem bleibt jedoch. Die Übermacht der so genannten "Wake-Decks" war dieses Jahr fast schon erschreckend. Neben den beiden Finalisten spielten auch der drittplatzierte Tuomo Nieminen und der fünfte Jeroen Remie dieses Deck. Das Deck baut auf die Karte "Mirari's Wake" auf, die Kreaturen aufpumpt und für einem kaum versiegenden Manafluss sorgt. Dieses Deck ist momentan das Nonplusultra der Magic-Turniere. Da es aber kaum noch andere erfolgreiche Decks gibt, leidet die Abwechslung und letztlich Spannung etwas. So etwas gab es in den zehn Jahren Magic immer wieder, meistens wurde von Seiten der Verantwortlichen recht schnell gehandelt und die entsprechenden Karten entweder in den nachfolgenden Editionen nicht mehr berücksichtigt oder es wurden ihnen interessantere Kombinationen gegenübergestellt. So schätzt Magic-Vater Richard Garfield, dass "Mirari's Wake" bald keine so große Rolle mehr spielen wird, wenn die Spielbalance tatsächlich beeinträchtigt ist.

Es bleibt abzuwarten, wohin sich die Decks entwickeln werden. Das zur achten Edition leicht geänderte Kartendesign wirkt jedenfalls frisch, die Turnierszene ist lebendiger denn je und die deutschen Spieler haben sich spätestens mit dem Team-Erfolg im letzten Jahr, dem momentan Führenden in der Liste "Player Of The Year" und Weltmeister von 2000, Kai Budde, und dem aktuellen Weltmeister Daniel Zink eine ganz starke Position in der Weltspitze erspielt.

Fotos von der Magic The Gathering WM 2003 in Berlin

Pokal Magic WM 2003
Fotogalerie zur Magic WM 2003