Carcassonne - Das Katapult

7. Erweiterung

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 11.10.2009
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Carcassonne - Das Katapult von Hans im Glück
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Quo vadis, Carcassonne? Von den bescheidenen Anfängen eines eingängigen Unterhaltungsspiels mit ausgewogenen Glücks- und Strategieelementen führte der Weg über Landwirtschaft, Handel, Fantasy, Adel, Entdeckungen und religiösen Auseinandersetzungen bis hin zum Jahrmarkt!?  Die Seriosität dieses, hoffentlich nur zeitweiligen, Abschlusses der Entwicklung lässt eine Realitätsferne vermuten, die man im Allgemeinen nur mit extensivem Gebrauch von psychoaktiven Substanzen verbindet.

Das Katapult besteht aus einem entfernt einer Wurstzange ähnelnden Gerät, einer Messlatte, vier verschiedenen Katapultplättchen in jeweils sechs Exemplaren und zwölf neuen Landschaftskärtchen. Die neuen Landschaftsplättchen, unter ihnen drei neue Konstellationen, werden unter die restlichen Plättchen gemischt und jeder Mitspieler erhält einen Satz der Katapultplättchen. Die Grundregeln bleiben bestehen und werden nur um die Zusatzregeln erweitert.

Sobald nun ein Jahrmarktsplättchen gezogen wird, wird dieses entsprechend der bisherigen Regeln durchgespielt. Im Anschluss daran findet aber eine Katapultrunde statt. Der Spieler, der den Jahrmarkt gelegt hat, entscheidet nun durch Auswählen eines der vier Katapultplättchen, welche Katapultrunde durch alle gespielt wird. Das blaue Plättchen führt zu einer Tortenschlacht, dabei werden vom geschleuderten Plättchen getroffene Figuren zurückgenommen. Das gelbe Plättchen führt zum Austausch des dem Landeplatz am nächsten stehenden Gefolgsmannes mit einem des Katapultierenden. Schützenfest ist das grüne Plättchen betitelt. Wer hierbei sein Plättchen dem gerade gelegten Jahrmarkt am nächsten platzieren kann, erhält fünf Siegpunkte. Interaktiv wird dann das rote Plättchen. Dabei wird es in Richtung des linken Nachbarn geschleudert, fängt er es, erhält er  fünf Siegpunkte, wenn nicht, erhält der Schleuderer die Siegpunkte. Danach werden die heruntergefallenen Teile eingesammelt und der Versuch unternommen, den Zustand „prä-Katapultschießen“ einigermaßen wieder herzustellen. Anschließend geht der Ablauf wie gewohnt weiter, jedenfalls bis zum nächsten Jahrmarktsplättchen.

Interessant an dieser Erweiterung sind sicher die drei neuen Landschaften. Da ist zum Einen ein Kreisverkehr mit vier Anschlüssen und zwei Kurven mit einer zusätzlichen Sackgasse. Über den Rest würde ich gerne den Mantel gnädigen Schweigens decken, muss jedoch meiner Chronistenpflicht nachkommen. Ein Geschicklichkeitselement in ein reinrassiges überlegungsorientiertes Spiel einzuführen, ist völlig unpassend, zumal für Liebhaber von Geschicklichkeitsspielen mehr als genug solche, auch mit Strategieelementen, zur Verfügung stehen. Was zu dieser absurden Entscheidung geführt hat, lässt sich für mich leider nicht nachvollziehen.

Auf ein Spielbrett zu schießen, das nicht starr, sondern zusammengesetzt und empfindlich ist, und dessen Elemente im höchsten Maße stellungsabhängig sind, ist nicht wirklich zielführend. Dass dieser Versuch einer Erweiterung gescheitert ist, lässt sich auch an der Unzahl an vagabundierender Varianten erkennen, die ausnahmslos vom Katapult und  Schleudern absehen, und nur die traditionellen Elemente versuchen zu integrieren. Ich muss gestehen, gerade als Einstiegsspiel, ist Carcassonne einer meiner Favoriten. Diese Erweiterung jedoch kommt bei mir in den Giftschrank, in der Hoffnung das die Verantwortlichen schnell wieder auf den Weg der spielerischen Vernunft zurückkehren.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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