Codenames

eine Spielerezension von Michael Weber - 08.06.2016
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Codenames - Foto von Heidelberger Spieleverlag
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Übernehmen Sie, Mr. Bond. Wir haben da einen sehr speziellen Fall. Sie müssen Codewörter der Agenten entschlüsseln. Ihr Partner wird Ihnen dabei helfen. Aber geben Sie Acht, beim falschen Codewort verschaffen Sie dem feindlichen Agententeam einen Vorteil. Und irgendwo ist ein Attentäter versteckt. Der darf auf keinen Fall auffliegen. Sozusagen Dr. No. Alles klar? Dann legen Sie los.

Worum geht es beim Wort-Assoziationsspiel Codenames?

Codenames von Vlaada Chvatil (Czech Games Edition/Heidelberger Spieleverlag) wird in Teams gespielt. Es gibt Sonderregeln für zwei und drei Spieler, aber die sind aus meiner Sicht eher eine Krücke. Da jeweils ein Spieler den Part des Geheimdienstchefs übernimmt, ist es umso interessanter und spannender, je mehr Personen am Spiel in den beiden Teams beteiligt sind.

Sozusagen im Auftrag Ihrer Majestät sind die Spieler unterwegs, um auf einem fünfmal fünf Felder großen und mit Begrifsskarten bestückten Raster passende Codenamen zu finden. Dummerweise ist die  Zuordnung der Begriffe zu den eigentlich damit gesuchten Agenten natürlich geheim und nur den beiden Geheimdienstchefs bekannt. Diese wechseln sich mit Hinweisen ab, mit denen die Teams ihre Codewörter und damit die Agenten finden sollen.

Wie wird Codenames gespielt?

Was sich thematisch nach einem Casino Royale anhört, ist vom reinen Mechanismus her eher ein Skyfall. Allerdings heißt es ja nicht umsonst leben und leben lassen. Nein, Codenames macht Spaß, keine Bange.

Der Ablauf ist so simpel wie interessant. Beide Geheimdienstchefs haben ein - na, klar - geheimes Raster vor sich. Auf diesen sind neutrale, eigene und fremde Positionen der Codenamen gekennzeichnet sowie der Attentäter. Nun beginnt einer der Geheimdienstchefs und bietet seinem Team einen Hinweis, der aus einem Begriff und einer Zahl besteht. Der Begriff beschreibt dabei einige der eigenen Codenamen und die Anzahl, auf die der assoziierte Begriff zutrifft.

Das Team muss nun raten. Ist der erste Begriff richtig, wird er mit einer eigenen Agentenkarte abgedeckt. Gibt es einen weiteren Begriff, geht es so weiter. Bei einem neutralen Begriff wird dieser ebenfalls - neutral - abgedeckt und das andere Team ist an der Reihe. Bei einem gegnerischen Begriff wird dieser mit einer Agentenkarte des anderen Teams abgedeckt und dieses ist auch hier an der Reihe. Wer den Attentäter enttarnt, verliert sofort. Man lebt nur zweimal, aber in dem Fall hilft auch kein Quantum Trost. Regulär gewinnt das Team, das als erstes alle Codenamen entlarvt.

Es gibt ein paar weitere Regeln. Diese bestimmen zum Beispiel, welche Begriffe überhaupt genannt werden dürfen. Und sie erklären, wie bei einem erneuten Versuch das Spiel in tödlicher Mission durch Nachholen zuvor nicht gefundener Begriffen zum wahren Diamantenfieber wird. Oder wie ein Codename mit der Zahl Null besonders spannend wird. Das alles ist schnell erklärt und ebenso verinnerlicht.

Was ist das Besondere an Codenames?

Sag niemals nie! Eine Partie dauert nicht lange, daher bleibt es meistens nicht bei einer. Die Welt ist nicht genug, 007! Aber was ist daran so spektakulär? Eigentlich nichts. Und dann eben doch. Das geschickte Assoziieren ist es, das den Reiz bei diesem Wortspiel ausmacht.

Dabei ist in erster Linie der Geheimdienstchef gefragt, ordentliche Begriffe zu finden. Denn liegen "Krone", "König" und "Gold" auf der zum Team gehörenden Position bietet sich "Royal 3" als Hinweis an. Dumm nur, wenn die ebenfalls ausliegende "Königin" neutral ist und das "Reich" sogar in der Position des gegnerischen Teams liegt. Hier ist also Geschick und eine gehörige Portion Assoziation, also ein Goldeneye gefragt. Eine Kunst, die nicht jeder Spieler so beherrscht, dass mehr herauskommt als bei der genannten Kombination ein leichtes und wenig gewinnbringendes "Edelmetall 1". Schöner wäre schon ein "Pferd 4" bei der ausliegenden Kombi "Gras", "Zentaur", "Geschirr" und "Fuchs". System verstanden?

Der Reiz und die Kunst setzen entsprechend hohe Anforderungen an die Spieler. Daher ist Codenamens eine verspielte Herausforderung auf höchstem Niveau für anspruchsvolle Menschen oder Spieler, die sich auf andere Personen gut einlassen können. Denn mehr noch als Wissen oder ein großer Wortschartz sind Gruppendynamik und Empathie gefragt. Denn was nutzt die schönste Assoziation, wenn sie für die Mitspieler eher als ein unbekannter Liebesgruß aus Moskau ankommt? Eben darum können sich Gruppen über mehrere Partien regelrecht über das Spielprinzip zu neuen Assoziationsleistungen hochschauken. Lernfaktor also inklusive.

Für welche Spieler ist Codenames geeignet?

Daraus ergibt sich eine erhebliche Anforderung an die Spielegruppe. Je homogener die Spieler in Sachen Wortkunst, Assoziation, Bildung sind, desto besser wird das Wortspiel. Gibt es erhebliche Unterschiede, sinkt der Spielspaß - zum Teil drastisch. Denn entweder spüren einige das Angesicht des Todes und verlieren bzw. finden die angedeuteten Begriffe nicht. Oder der Geheimdienstchef muss sein Assoziationslevel so weit absenken, dass es nicht mehr für alle gleichermaßen Spaß macht. Das ist weniger eine Altersfrage als eine Frage des Zugangs zu dieser Wortspielerei. Manche haben es, manche nicht. Mit Kindern gibt es dennoch schneller die genannten Unterschiede. Daher ist für mich Codenames kein geeignetes Familienspiel. Abgesehen davon ist es eher für große Gruppen geeignet, ich empfehle sechs oder mehr Personen.

Wie gut ist das Assoziationsspiel Codenames?

Okay, abschließend fragt mich das "Brettspiel" Codenames: "Bist du der Spion, der mich liebte?" Meine Antwort: Ja, aber ... Es ist ein tolles Assoziationsspiel, ein gehobenes Wortspiel, in homogener Besetzung ein erstklassiges Gruppen- bzw. Partyspiel. Aber …

So gut es ist, so sehr wird es mir von vielen Rezensenten gehypt. Die oben genannten Probleme treffen auf viele Spielerunden zu, gerade Familien werden mit Codenames tendenziell weniger Spaß haben. Und dann ist da noch die Basis des Spiels, der Mechanismus. Ein bisschen Deduktion, ein bisschen Assoziation, ein bisschen Wörter. Natürlich noch die Kommunikation beim Erraten und Bewerten der Begriffe. Das ist toll. Aber so neu ist das nun auch nicht. Linq zum Beispiel ist ein hervorragendes Assoziationsspiel, das in diesem Segment für mich klar über Codenmanes steht. Einfach deshalb, weil es bei Linq noch mehr darauf ankommt, sich auf die Mitspieler einzulassen. Auch Attribut-Wortspiele wie Attribut oder Äpfel zu Äpfeln sind nich so fern. Codenames setzt jedoch beim Mechanismus eher bei Linq auf, aber mit der Anzahl der zu erratenden Karten an anderer Stelle an. Dazu nimmt es ein bisschen Mechanismen aus dem nicht existierenden "Tabu für Hochintelligente" und schon ist ein neues Konzept fertig.

Für mich ist Codenames ein extrem rundes, gelungenes Spiel, das aber bei Weitem nicht so spektakulär ist, wie so mancher Kritiker es behauptet. Das ist ein bisschen Geschmackssache. Aber als Mechanismus bietet mir Codenames deutlich zu wenig Eigenes. Obwohl ich als Rezensent die Lizenz zum Töten habe, muss aber auch ich zugeben: Trotz der genannten Vorbehalte ist Codenames ein Spieletipp. Aber eben kein Spieletipp für alle und nicht so umwerfend gut, wie es vielerorts heißt. Vielleicht treffen Autor und Verlag aber einfach den Nerv der Zeit und haben deshalb einen Feuerball des Erfolgs geschaffen. Die Lösung ist streng geheim. Bond, was sagen Sie?

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-8
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Spieldauer (Minuten): 
15
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Fotos
Spielaufbau Codenames - Foto von Heidelberger Spieleverlag
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