Kurzer Prozess

eine Spielerezension von Bettina Ihnst - 11.02.2018
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Kurzer Prozess - Foto von Gmeiner Verlag
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Schluss mit Lustig, Freunde! Mit weißer Weste geht beim Krimi-Kartenspiel Kurzer Prozess von Reiner Knizia (Gmeiner Spannung) niemand nach Hause. Indizienketten lassen hier so manche Fassade bröckeln und bringen zu Tage, was ich schon immer ahnte: Meine Mitspieler sind üble Halunken. Und um selbst besser dazustehen, schiebe ich mal alle Schuld den anderen zu.

So funktioniert das Krimi-Kartenspiel Kurzer Prozess

Zunächst einmal werden die 60 Spielkarten verteilt und Knastperioden entsprechend der Spielerzahl ausgelegt. Knastperioden sind unterschiedlich lange Pappmarker, die am Ende zeigen werden, wer der schlimmste Ganove am Tisch ist. Ein Spiel verläuft über drei Runden, in denen es gilt, die wenigsten Karten und somit die kürzesten Knastzeiten zu kassieren. Reihum verdächtig man beliebige Mitspielern eines individuellen Verbrechens. Dazu spielt man Karten einer bestimmten Farbe mit den Werten 1 bis 3. Gegebenenfalls legt man eine Verbrechenkarte auch mal vor sich selbst aus, um mit einer Tat, also Farbe, zu starten, die die anderen Spieler schlecht bedienen können. Sobald die ausliegenden Karten eines Spielers den Wert 5 erreichen oder übersteigen, muss er alle gespielten Karten an sich nehmen. Mit den übrigen Handkarten wird weitergespielt. Wer eben noch des Diebstahls beschuldigt wurde, wird nun womöglich verdächtigt, ein Erpresser oder ein Mörder zu sein. Zwei Arten Sonderkarten können helfen, das Unheil abzuwenden. Zeugenkarten, die wie Joker eingesetzt werden, und „Schwarzer-Peter-Karten", die einen Kartentausch der Spieler einleiten. Sobald ein Spieler keine Karten mehr auf der Hand hat, endet eine Spielrunde. Die gesammelten Karten der Spieler werden gezählt und die Knastperioden entsprechend verteilt. Wer am meisten Indizien vor sich liegen hat, bekommt die längste Strafe aufgebrummt. Logisch. Der Spieler mit den wenigsten Karten kommt straffrei davon. Nach drei Spielrunden endet so Kurzer Prozess schließlich. Wer die dritte Runde am besten oder gar ohne Strafkarte abschließt, darf einen seiner Pappstreifen zurückgeben. Jetzt vergleichen alle Spieler die Gesamtlänge ihrer Knastperioden. Wer die kürzeste Haftzeit verbüßen muss, gewinnt das Kartenspiel.

Wie gut ist das Krimi-Kartenspiel Kurzer Prozess?

Kurzer Prozess ist ein unkompliziertes Ärgerspiel für drei bis sechs Spieler ab zehn Jahren. Zu dritt ist das Spiel sehr glückslastig, ziemlich langweilig und eigentlich überhaupt nicht zu empfehlen. Unterhaltsamer wird es ab vier Personen. Und in einer großen Runde wird es wirklich interessant. Nun erst kann und muss man taktisch spielen, um selbst ungeschoren davonzukommen. Allerdings gibt es in jeder Konstellation eine große Glückskomponente: die Kartenhand. Hat man totales Pech damit, kann man kaum kontern und ist chancenlos gegen die Mitspieler. Das muss man mögen. Und vertragen können. Was also den Ärgerfaktor und auch das Thema betrifft, ist die Altersempfehlung vom Verlag passend etwas hoch gewählt. Der Spielmechanismus an sich ist nämlich sehr einfach. Was einen guten Krimi auszeichnet, sollte auch ein gutes Spiel bieten: Spannung, Abwechslung und einige mitreißende, nervenzerfetzende Elemente. Dem Krimi-Kartenspiel Kurzer Prozess fehlt davon leider zu viel, als dass es über eine kurze Spielrunde hinweg gute Unterhaltung bieten könnte. Ich vertrage mich wieder mit meinen Mitspielern und greife zu einem anderen Spiel.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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