Dam it

eine Spielerezension von Michael Weber - 27.05.2018
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Kartenspiel Dam it - Foto von Michael Weber
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Dam it? Damn it?! Nein, Damm es! Logisch, dass hier für deutschsprachige Spieler ein nicht besonders klares Wortspiel vorliegt. Aber das stört die possierliche Tierwelt nicht. Genauer gesagt: die Biber. Die großzahnigen, äußerst knuffig gestalteten Gesellen sind bei Dam it von Graeme Jahns (HUCH!) mitten drin im Spielgeschehen. Sie schwimmen, bauen, entsorgen und punkten. Das alles geschieht auf eine so einfache und natürliche Weise, dass sich die Spieler wie am Flussufer sitzend fühlen. Der Fluss fließt dahin, Treibholz taucht auf und - da, sieh, - ein Biber holt es sich, um einen Damm zu bauen. Das wäre so entspannend, wenn nicht die Mitspieler … Aber das kennen wir ja schon.

Worum geht es beim Kartenspiel Dam it?

Dam ist ein Kartenspiel wie ein Fluss. Und genau um den geht es. Ein Kartenstapel kommt in die Tischmitte, vier Karten offen in eine Reihe daneben. Die am weitesten entfernte Stelle ist Standort der Biber (= Spieler). Wer an der Reihe ist, wählt eine der vier Karten aus oder zieht die oberste vom Nachziehstapel nach. Doch, nein! So einfach ist es nicht. Denn nur die vierte Karte der Reihe, also die am weitesten vom Stapel entfernte, ist kostenlos. Je näher der Spieler mit seinem Kartenwunsch an den Stapel kommt, desto teurer wird es. Pro Platz kostet das einen kleinen Holzmarker, von denen jeder Spieler anfangs vier hat. Der Marker kommt jeweils auf die Karte. Wer mit der Auslage unzufrieden ist, legt auf alle Karten einen Marker und zieht vom Stapel nach. Wer keine Marker hat, muss natürlich die erste Karte nehmen. Anschließend rutschen die hinteren Karten auf den freien Platz nach und es wird vom Stapel aufgefüllt. Lagen Marker auf der gewählten Karte, erhält diese der natürlich Spieler.

Beispiel: Ein Spieler möchte die dritte Karte (ausgehend von der vom Stapel am weitesten entfernten) aus der Auslage. Dafür muss er einen Marker auf die erste und zweite Karte legen. Die dritte nimmt er. Die vierte Karte rutscht auf den dritten Platz nach und ihr Platz nimmt eine neue vom Stapel ein.

Dam it: Damm bauen mit der Biber-Müllabfuhr

Wozu das alles? Als Biber bauen die Spieler natürlich einen Damm. Logisch. Und dazu benötigen sie Holz. Und dieses Holz kommt mit den Karten. Auf jeder Karte sind bis zu drei Holzstücke zu sehen. Jedes Holz ist ein Baupunkt - aber nur dann, wenn seine Holzsorte nur einmal im Damm vorkommt. Zweimal Ahorn will einfach nicht passen, ein zweier-Ahorn dagegen ist cool.

Nun ist es allerding so, dass mitunter auch Müll den Fluss hinunterfließt. Wer Pech hat, muss diesen Müll nehmen und erhält am Ende satt Minuspunkte. Je mehr Müll, desto schlimmer. Kompensieren lässt sich dies durch die Biber-Müllabfuhrkarte. Diese muss man jedoch bereits auf der Hand haben. Allerdings kann das auch Verschwendung sein. Denn die Biber-Müllabfuhr hält auch den eigenen Damm schön sauber und bietet zwei Extrapunkte beim Bauen. Einmal pro Damm dürfen die Spieler die Müllabfuhr verbauen.

Punkte machen bei Dam it

Nun kommt es: Reichen irgendwann die Punkte aus den Holz und ggf. der Biber-Müllabfuhr, darf ein Spieler seine gesammelten Handkarten gegen eine Dammkarte austauschen. Je mehr Baupunkte die Spieler haben, desto höher ist der Wert der Dammkarte. Aber: Die Dammkarten sind unterschiedlich teuer und bieten dann unterschiedlich viele Punkte. Daher ist der Run auf die hohen, punkteträchtigen Karten groß. Um dahinzukommen, müssen die Spieler aber länger sammeln. Während andere Spieler sich mit kleinen Punkten begnügen, entsteht so eine je nach Spielverlauf "teure" Wartezeit. Am Ende gewinnt natürlich der Spieler, dessen Biber die meisten Siegpunkte gesammelt hat.

Lohnt sich Dam it?

Dam it ist tatsächlich ein Spiel wie ein Fluss. Es fließt stetig dahin. Der Spielablauf ist logisch, einfach kapiert und flüssig zu spielen. Daher ist es fast schon etwas meditativ, wie jeder Spieler schnell eine Entscheidung trifft, eine Karte wählt, ggf. Marker dazu einsetze, vielleicht andere Marker bekommt oder einfach den Fluss fließen lässt und einen Damm baut.

Das ist schön einfach und durchaus ansprechend. Der Spielverlauf plätschert jedoch etwas dahin wie ein Fluss, der sich langsam um eine Sandbank schlängelt. Wobei ich schon bei einer Kritik wäre. Ein paar Sonderkarten hätten dem Kartenspiel gut getan. Eine Stromschnelle oder eine Sandbank hier, eine Biberhilfe oder ein besonderes Stück Holz da. Das wäre für die Aktionsmöglichkeiten gut gewesen. So ist es ein sanftes Treiben.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Grafik. Zum einen sind die Blätter nicht immer besonders gut zu unterscheiden. Etwas mehr Klarheit wäre nützlich gewesen. Zum anderen haben Illustrator Thomas Hussung und der Verlag hier Potenzial verschenkt. Denn die knuffigen, wirklich hübschen Biber sind unterrepräsentiert. Es wäre deutlich ansprechender gewesen, die süßen Tierchen etwas häufiger auf den Karten einzusetzen.

Sonst ist Dam it ein solides, schönes und kurzes Spiel. Das Bezahlen der Karten, das Abgeben und Einsammeln von Markern ist reizvoll, wenn auch ein bekanntes Spielprinzip. Das Eintauschen von Punkten in Karten, die einen Wert, aber verschiedene Siegpunkte bieten, ist ebenfalls nicht neu, macht aber Spaß. So ist ein Wettlauf auf möglichst große Werte gegeben, bei dem der eine oder die andere leer ausgehen könnte. Denn die wertvollen Karten sind rar gesät. Wer auf große Punkte hofft, muss schnell sein. Sonst ist es besser, mehrfach eine mittlere oder sogar kleine Punktzahl einzutauschen.

In diesem Sinne fließt Dam it gemächlich dahin, bietet verschiedene Möglichkeiten, sich am Wasser, Treibholz und den knuffigen Bibern zu erfreuen. Ein mitreißender Strom ist Dam it jedoch nicht. Am meisten Spaß bietet es größeren Kindern und altersgemischten Gruppen. Auch als kurzer Absacker oder Spiel für Einsteiger ist es tauglich. Denn trotz fehlender Klasse ist es eben auch nicht so, dass es gar keinen Spaß machen würde.

Zusammenfassung der Rezension zu Dam it

Das Kartenspiel Dam it ist ein Spiel wie ein Fluss. Gemächlich schön, aber auch wenig spektakulär sammeln die Spieler Holz, um es in einem Biberdamm zu verbauen. Das macht Spaß, hat aber wenig Höhepunkte, die mitreißend wie ein Fluss vor einem Wasserfall sind. Trotz der knuffigen Biber bleibt es solides Mittelmaß.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
Fotos
Karten von Dam it - Foto von Michael Weber
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