Koala

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 30.11.2007
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Koala von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Im Tierreich herrscht der pure Futterneid: Keiner gönnt dem anderen auch nur den kleinsten Bissen. Selbst die sonst so friedfertigen Koalas kämpfen (zumindest im gleichnamigen Spiel) erbittert um alles Fressbare, das in Sichtweite liegt, um es als Vorrat in ihre Höhlen zu schleppen. Die Planung wird allerdings erschwert durch wechselnde Koalitionen unter den Tieren und die Tatsache, dass selbst sicher geglaubte Beutestücke nachträglich wieder abhanden kommen können.

Die Höhlen bilden also ein wesentliches Element des Geschehens. Es gibt so viele wie Spieler teilnehmen, maximal jedoch sechs. Zusätzliche Spieler stellen sich nach eigenem Belieben hinter je einen der sechs am Tisch sitzenden hin und bilden mit diesem (zumindest vorübergehend) eine Koalition. Die sitzenden Spieler werden für alles Nachfolgende als weiße, die dahinter stehenden als schwarze Koalas bezeichnet. Beide können im Verbund um Nahrungsmittel für die eigene Höhle kämpfen, wobei der stehende Spieler die Handkarten des sitzenden einsehen darf, nicht dagegen umgekehrt.

Zu Beginn erhält jeder Spieler drei Karten auf die Hand. Anschließend wird für jede Spielrunde die oberste Karte des Nachziehstapels aufgedeckt und in die Tischmitte gelegt. Zeigt sie die Abbildung einer der drei Nahrungssorten (Pizza, Spaghetti und Hamburger - eigentlich kaum nachvollziehbar, was für ein Wissen über die Essensgewohnheiten der Koalas die Spielgestalter gehabt haben … *grins*), beginnt sofort der Kampf um den Festschmaus. Dazu legen die Spieler möglichst rasch Nahrungskarten derselben Sorte aus - wer als erster eine passende zur offen ausliegenden Karte legt, gewinnt den Stich. Einzelne Karten können durch zwei und diese durch drei gleiche überboten werden et cetera - irgendwann ist automatisch Schluss, selbst wenn beide Koalas einer Höhle im Teamwork agieren können.

Der siegreiche (weiße) Koala nimmt sämtliche (!) ausgespielten Karten als Beute in seine Höhle, darf sie aber nicht auf die Hand nehmen. Wohl aber können sechs oder mehr Nahrungskarten derselben Sorte in eine "Fresserei"-Karte umgetauscht werden. Diese geht allerdings ausschließlich an den weißen Koala und wird von diesem bis zum Spielende auf die Hand genommen - schwarze Koalas müssen sich also bei all den Versteigerungen gut überlegen, ob sie ihre Nahrungskarten zugunsten des weißen Kompagnons einsetzen wollen oder nicht!

Alle nicht umgetauschten Nahrungskarten bleiben in den Höhlen liegen und können in Form von Aktionskarten angegriffen werden. Diese erlauben beispielsweise das (tatsächlich auch physisch auszuführende) Versetzen einzelner Spieler am Tisch, wodurch schwarze Koalas zu weißen werden können und umgekehrt. Unter Umständen werden Höhlen dadurch Koala-frei, worauf allfällige dort gelagerten Essvorräte mit dem Ausspielen einer "Langfinger"-Karte geklaut und in die Höhle des Diebes gezügelt werden können. Will oder kann niemand mehr weitere Aktionen durchführen, ergänzen die Spieler ihre Handkarten auf drei, bevor die nächste Runde beginnt durch Aufdecken einer neuen Karte für die Versteigerung.

Das Spiel dauert so, bis der Nachziehstapel aufgebraucht ist. Anschließend wird gewertet. Die Bewohner der Höhle mit den meisten Nahrungskarten einer der drei Sorten erhalten zwei, bei Gleichstand je einen Siegpunkt; die "Fresserei"-Karten werden individuell angerechnet. Das Koalapaar mit den meisten Siegpunkten gewinnt die Partie; war ein einzelner weißer Koala ohne schwarzen Kompagnon am erfolgreichsten, wird er alleiniger Sieger. Bei Gleichstand gewinnt die Partei mit der kleineren Anzahl "Fresserei"-Karten.

Das putzige Kartenspiel verfügt über einen beträchtlichen Unterhaltungswert und durchaus auch spielerischen Tiefgang. Entscheidend ist dabei stets der geschickte Einsatz der Handkarten: Nahrungskarten erlauben das Ersteigern von Essvorräten für die eigene Höhle. Erst mit dem Ausspielen von Aktionskarten werden allerdings die Positionen in der Runde geklärt und insbesondere um die Plätze der weißen Koalas (idealerweise vor Höhlen mit stattlichen Essvorräten!) gekämpft. Schon allein die diversen Platzwechsel sorgen dabei für ziemlich Bewegung und immer neue Konstellationen am Tisch. Gegen Ende des Spiels muss zudem versucht werden, sich einen attraktiven Koalitionspartner mit "Fresserei"-Karten auf der Hand zu angeln durch passendes Versetzen einzelner Spieler.

Für Fortgeschrittene besteht die Möglichkeit eines Mannschaftsspiels, bei dem zu Beginn Teamkarten ausgeteilt werden. Diese stehen selbstverständlich im Verlauf der Partie ebenfalls der Einsichtnahme durch die jeweiligen schwarzen Koalas offen und verändern die Schlusswertung. Addiert werden dabei die Punkte der beiden Partner unabhängig ihres Sitz- beziehungsweise Standortes, während jene des jeweiligen Mitbewohners einer Höhle unbeachtet bleiben. Das Spiel wird dadurch eine Spur anspruchsvoller, allerdings nicht unbedingt auch besser, ist es doch ziemlich glücksabhängig, ob sich die Partner im Verlauf einer Partie finden oder ob sie sich nie begegnen. Klar ist hingegen, dass das Spiel, das möglichst in Großbesetzung gespielt werden sollte, für ein ziemliches Spektakel sorgt und viel Spaß bereitet. Einziges Problem bleibt die Sicherstellung eines ausreichenden Nachschubs an Biscuits und Getränken - die Fresserei verursacht einen markant größeren Appetit der Akteure als andere Spiele mit sonstigen Themen …!

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
3 - 10
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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