Pelican Bay

eine Spielerezension von Markus Nussbaum - 29.04.2014
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Legespiel Pelican Bay - Foto von Drei Hasen in der Abendsonne
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Der Autor Jacques Zeimet ist Spielefans bislang vor allem wegen seiner Vorliebe für Kartenspiele bekannt, die vorrangig eher unbeliebte Tiere wie Kakerlaken, Taranteln etc. thematisieren und im Verlag Drei Magier Spiele erschienen sind. Im Jahr 2013 hat er sich nun beim Verlag Drei Hasen in der Abendsonne an eine völlig andere Tiergattung und auch an eine bislang von ihm so nicht bekannte Art Spiel herangewagt.  Das Ergebnis heißt Pelican Bay und ist ein taktisches Legespiel für zwei bis vier Personen.

Worum geht es bei Pelican Bay?

Bei taktischen Legespielen denken die meisten Spieler zunächst wahrscheinlich an Carcassonne und wie dort muss man unterschiedliche Gebiete mittels 67 vom Grafiker Rolf „Arvi“ Vogt sehr ansprechend gestalteten Legekärtchen vergrößern bzw. abschließen. Es gibt drei Gebietstypen (Strände, Lagunen und Tropenwald), mit denen wir thematisch stimmig den Lebensraum der titelgebenden Pelikane ausbauen. Die Pelikane sind neben der grafischen Gestaltung auf den Karten auch in Form von sieben Holzmarkern vorhanden, die im Verlauf des Spiels abgeschlossene Gebiete anzeigen. Zusätzlich gibt es noch einige Sonderkarten für die Auslosung der Spielreihenfolge, zwei davon mit Jokerfunktion. Vom Nachziehstapel werden zur Vorbereitung 16 Plättchen entfernt und bilden den Reservestapel.

So wird das Legespiel Pelican Bay gespielt

Zum Spielstart werden zunächst drei Landschaftsplättchen passend aneinander gelegt und bilden somit das Anfangsszenario. Passend bedeutet, dass die Plättchen mindestens an zwei Seiten andere Plättchen berühren und die abgebildeten Landschaften natürlich übereinstimmen müssen. Beginnend mit dem Startspieler nimmt nun jeder zwei Kärtchen auf die Hand und versucht in seinem Zug, ein oder beide Plättchen gemäß der in der Regel erläuterten Vorgaben anzulegen.

Wertungsblock für die Punkteübersicht

Eine Besonderheit des Legespiels ist der beigelegte Wertungsblock, dessen Sinn sich direkt nach dem ersten Zug erschließt, denn es wird nach jeder Aktion direkt gewertet. Hier ist seitens des Schriftführers ein wachsames Auge gefordert. Die wirklich schönen Grafiken beinhalten nämlich den ein oder anderen optischen Fallstrick in Form von kleinen Hängebrücken und Holzstegen, die manche Landschaftsverbindung erst auf den zweiten Blick erkennen lassen. In meinen Spielrunden ist es öfter vorgekommen, dass vermeintlich abgeschlossene Gebiete zähneknirschend wieder „entwertet“ werden mussten, weil man in der Hoffnung, einen der Pelikane zu ergattern, zu früh triumphiert hatte.

Nicht so trivial: Gebiete müssen geschlossen werden

Die Pelikane werden zu Spielbeginn gleichmäßig auf die Spieler verteilt, der Überschuss kommt in den allgemeinen Vorrat. Sie kommen immer dann ins Spiel, wenn ein Gebiet geschlossen wird. Die Pelikanmarker werden zunächst vom allgemeinen Vorrat genommen und gehen nach der Wertung in den Besitz des aktiven Spielers über. Ist der Vorrat leer, darf man Pelikane von den Mitspielern stehlen. Beim Schließen eines Gebiets bietet die Regel zwei Möglichkeiten. Entweder man wertet das geschlossene Gebiet und zusätzlich das größte verlängerte offene Gebiet und beendet den Zug. Oder aber man wertet das geschlossene Gebiet und entscheidet sich weiterzuspielen. Das heißt, auf zwei Handkarten nachzuziehen und wieder anzulegen und damit ggf. wieder ein Gebiet zu schließen. Auf diese Weise könnten theoretisch Kettenzüge ausgelöst werden, die allerdings in meinen Spielrunden bislang nie vorgekommen sind. Es ist nämlich überhaupt nicht so einfach, ein Gebiet zu schließen, wie es sich anhört. Im Bestreben möglichst viele Punkte zu machen, werden die meisten Spieler nämlich immer versuchen, ein großes Gebiet noch größer zu machen. Und nur durch viel Kartenglück gelingt es dann, ein ausuferndes Gebiet noch zu schließen.

Das Spielende bei Pelican Bay

Das Spiel endet, wenn der Zugstapel aufgebraucht ist. Dann wird die laufende Runde noch mit den Karten des Reservestapels zu Ende gespielt und die Endrunde beginnt. In dieser ändert sich nochmal die Spielerreihenfolge und jeder darf noch einen Zug machen. Wer dann am Schluss die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel. Hierbei fließen die gesammelten Pelikanmarker mit jeweils drei Punkten in die Wertung mit ein.

Wie gut ist Pelican Bay?

Der Spielverlauf klingt eigentlich einfach, die in vier Sprachen beiliegende vierseitige Spielregel macht es aber Einsteigern eher schwer. Obwohl dort zahlreiche Beispielsituationen dargestellt sind, mussten wir in unseren Runden zu Beginn doch recht häufig nachschlagen, weil insbesondere die beiden Wertungsmechanismen bei Abschluss von Gebieten zu Verwirrung führten. Mir ist bis heute auch nicht wirklich plausibel, warum ich mich nach dem Abschluss eines Gebiets dazu entschließen sollte, meinen Zug zu beenden, statt weiter zu ziehen und somit die Chance zu haben, das Gebiet zu vergrößern und noch weitere Punkte zu machen. Man könnte natürlich extremes Kartenpech haben und nicht anlegen können, aber bislang hat sich noch keiner meiner Mitspieler für diese Variante entschieden. Auch die Regelung zur Schlussphase und der Endrunde führten immer wieder zum Regelstudium. Auf der Homepage des Spiels wurden mittlerweile einige Tipps zur Taktik veröffentlicht, die wahrscheinlich häufig gestellte Fragen beantworten.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Nachteil, den man als Startspieler hat, weil man mit einem kleinen Gebiet startet und dementsprechend wenig Punkte machen kann, während die nachfolgenden Spieler aus den anwachsenden Gebiete deutlich mehr Profit schlagen können. Um dies auszugleichen, gibt es bis zu zwei Jokerplättchen, die einen blinden Pelikan zeigen und die nur der erste und der zweite Spieler erhalten. Diese können dann während des Spiels eingesetzt werden und werten ein eigentlich noch offenes Gebiet als geschlossen - mit all den daraus folgenden Konsequenzen.

Für wen eignet sich Pelican Bay?

Mit der Spezies der Grübler und Zugoptimierer sollte man Pelican Bay nicht unbedingt spielen.  Es kann dann leicht sein, dass man selbst ewig warten muss, bis man an die Reihe kommt, weil die Mitspieler erst sämtliche möglichen Punktwerte im Geiste durchrechnen müssen. Auch ist es für manche Spieler schwerer als gedacht, die Plättchen korrekt anzulegen. Diese müssen dann erst gefühlte Ewigkeiten gedreht und die Position dann an verschiedenen Stellen getestet werden, bis man sich auf einen finalen Zug festlegt. Und trotzdem kam es bei uns in den Spielrunden vor, dass man irgendwann entdeckt, dass ein Plättchen nicht regelkonform gelegt wurde. Macht aber nichts, laut Regel bleiben die Punkte dann erhalten und das Plättchen bleibt liegen.

Aufgrund der relativ kurzen Spieldauer von 30-40 Minuten ist Pelican Bay ein schönes Familienspiel, dass immer wieder gerne auf den Tisch kommt. Die Altersangabe ab 10 Jahren halte ich für durchaus angemessen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
ab 10
Spieldauer (Minuten): 
30-40
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
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