Grand Cru

eine Spielerezension von Olaf Bormann - 16.01.2011
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Grand Cru von Reich der Spiele

Im Brettspiel Crand Cru schlüpfen alle Spieler in die Rollen von Weinbauern. Jeder hat ein Tableau mit viel Platz für diverse Rebensorten, von denen es fünf verschiedene im Spiel gibt. Zum Wirtschaften benötigt jeder Geld. Das wird bei Spielbeginn nicht einfach so bereit gestellt, nein, Kredite sind von Nöten. Ein schönes Element, dass einjeden zwingt, gut zu kalkulieren, für Neueinsteiger allerdings eine Hürde darstellt: Wer zu vorsichtig agiert, kommt auf keinen grünen Zweig, wer kräftig in die Vollen greift und nicht zügig gute Gewinne einfährt, wird rasch an den Zinsen zu Grunde gehen. Wer pleite ist und seine Kreditlinie ausschöpfte, beendet das Spiel. Wer gezielt destruktiv gegen sich selbst spielt, kann das Spiel verkürzen. Ist mir so aber noch nicht begegnet.

Zum Spielablauf: Jede Runde werden eine Handvoll Marker aufgedeckt, die schon erwähnten Rebsorten und verschiede Aktionsmarker. Solch Marker kann zum Festpreis von sieben Talern sofort erworben und auf das Tableau gelegt werden. Wer es billiger erwerben will, kann zocken: Für ein Gebot von einem bis sechs Talern kommt es in den Versteigerungsbereich des zentralen Spielplans. Wenn man wieder am Zug ist und das Gebot ist von niemandem verdrängt worden, zahlt man und nimmt den Marker. Das Hauptrisiko liegt im verlorenen Zug, wenn man überboten wird. An dieser Stelle wird es rasch spannend, Zeitverlust kann in diesem Spiel verheerend sein. Wer aber nur auf Sicherheit spielt, zahlt dafür auch einen hohen Preis. In dieser Phase des Spiels sind auch andere Aktionen möglich: das Abernten eines Weinstocks, der Verkauf, die Nutzung der Aktionsmarker oder die Erhöhung des Preises in einem Segment. Immer nur von einem Stock darf geerntet werden, wer sich verzettelt, muss schweren Herzens die Trauben hängen lassen ... Beim Verkauf ist die Reife wichtig, die Sorte Gamay kann sofort verkauft werden, der Pinot Noir erst nach vier Runden. Jeder Spieler wird am Rundenende seine gelagerten Weine ein Reifefeld weiter schieben. Warum sollte man einen Wein anbauen, welcher nach der Ernte bis zum Verkauf noch lange lagern muss? Die Verkaufserlöse sind hierbei bestimmend, beim Pinot Noir sind sie am höchsten und schwanken zwischen fünf bis neun Taler pro Weinwürfel, beim Gamay liegen sie nur zwischen einem und drei Talern, die anderen Sorten staffeln sich dazwischen. Jeder Verkauf lässt den Preis um ein Feld fallen. Gibt es viel Konkurrenz bei einer Sorte, muss man permanent mit geringen Erlösen kämpfen. Die Aktionsmarker erlauben doppelte Ernte, schnellere Reife, höhere Erlöse usw. Hierbei kommt es auf geschickte Kombination mit den Sorten an.

In der zweiten Spielphase erhalten alle für ihre verkauften Weine neben dem Geld sogenannte Prestigepunkte, mit welchen Sonderaktionen gekauft werden können, zusätzliche Ernte, zusätzlicher Verkauf usw. Danach folgen die Geldgeschäfte, Zinsen sind fällig, neue Kreditaufnahme oder die Zurückzahlung ist möglich. Wer keine Kredite mehr hat oder bekommt, beendet das Spiel.

Das Spiel ist dicht am Thema, die einzelnen Mechanismen sind fein ausgeklügelt und aufeinander abgestimmt. Jeder hat viele Entscheidungsmöglichkeiten und es sind verschiedene Strategien machbar. Neueinsteiger werden es immer schwer gegen alte Hasen haben, das ist bei komplexen Spielen aber meistens so. Es ist möglich, auf schnelle Runden hin zu spielen, dann hat jeder Spieler nur vier Züge. Wenn sich die anderen Mitspieler nicht darauf einrichten, kann der Schnellspieler damit auch gewinnen, eine völlig legale Strategie. Spielen alle so, ist es wieder offen.

Grand Cru ist sehr vielfältig, da probiere ich gern verschiedene Wege. Wenn ich allerdings eine langfristige Planung ins Auge fasse und die anderen sich nicht auch auf eine längere Anzahl an Zügen einrichten, kann ich dann von einem Schnellspieler empfindlich gestört werden und habe dann natürlich das Gefühl, jemand drängt mir seine Strategie auf. Da zieht dieses Spiel aber auch viel Reiz draus: Schaffe ich es noch alle Pläne umzusetzen ...? Reine Monokulturen lohnen nicht, auf die gewisse Mischung kommt es an, lange Diskussionen im Anschluss an so mancher Partie zeigten mir die Bandbreite. Die Vielfalt hat auch eine Kehrseite, Grübler müssen immer wieder in die Schranken gewiesen werden, sonst artet die Spieldauer zu sehr aus, da kann das Spiel in der Mitte auch mal durchhängen. Das Spielmaterial ist stimmungsvoll und ansehnlich gestaltet. Wer ein anspruchsvolles Wirtschaftsspiel sucht, ist bei Grand Cru gut aufgehoben.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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