Land in Sicht

Wer findet den Weg zu den verborgenen Inseln?

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 28.06.2009
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Land in Sicht von Ravensburger

Autoren für Kinder-Brettspiele haben es wirklich nicht leicht. Lehr- und abwechslungsreich sollten diese Spiele sein, gut gestaltet sowie mit schönem und kindgerechtem Material ausgestattet. Zudem wäre es wünschenswert, wenn diese Spiele dann möglichst auch noch ein neues und innovatives Spielkonzept aufweisen. Dass diese Anforderungen nicht von jedem neuen Kinderspiel erfüllt werden können, liegt logischerweise auf der Hand. Allerdings gibt es das Spiel Land in Sicht, das als Kinderspiel fast allen oben genannte Anforderungen gerecht wird.

Doch der Reihe nach, worum geht es überhaupt in diesem Spiel? Der König eines Südseereiches hat zu einem Fest in seinen Palast geladen. Damit sich die Gäste aber auch richtig wohl fühlen, soll aus allen entlegenen Winkeln seines großen Inselreiches eine bestimmte Anzahl der exotischsten Tiere, der wertvollsten Schätze, der größten Perlen sowie der leckersten Früchte zum Palast gebracht werden. Dem wagemutigen Seefahrer, dem dieses als erstes gelingt, winkt Ruhm und Anerkennung.

Doch bevor die Schiffe in See stechen können, muss erst einmal das Spielfeld vorbereitet werden. Dazu werden zuerst 24 Inselkarten vorsichtig aus ihren Stanzrahmen befreit und in einen zusammengesetzten Rahmen eingelegt. Die Anordnung der Plättchen geschieht zufällig, so ist in jeder Spielrunde eine neue Inselwelt garantiert. Lediglich die Ausrichtung der Randplättchen wird farblich vorgegeben. Der Clou beziehungsweise das Neue an diesen Inselkarten ist jedoch ihre Wandlungsfähigkeit, bestehen sie doch aus einer dickeren Grundplatte und einer darauf befestigten Deckplatte. Diese Deckplatte ist wie eine Zeitungsseite klappbar und kann somit auf jeder Seite verschiedene Informationen präsentieren oder verbergen. Ist bei diesem Spiel die Deckplatte zugeklappt, sehen die Schiffsführer lediglich das türkisblaue Meer der Südsee. Erst wenn die Deckplatte aufgeklappt wird, werden mögliche befahrbare Seewege sichtbar, sowie die Südseeinseln und zugehörige Häfen sichtbar.

Zu Beginn des Spieles erhält jeder der bis zu vier Seefahrer sein Schiff und sein Laderaumplättchen. Gleichzeitig werden auf einem Tableau der Namen der Zielinsel sowie die Zusammensetzung und Anzahl der verschiedenen Waren festgelegt, die zu dieser Insel zu bringen sind. Jeder der Seefahrer klappt am Rande des Spielfeldes ein Plättchen um und wählt dort seinen Starthafen. Von nun an müssen sich alle Seefahrer ihren Weg selbst suchen. Dazu fahren sie auf den vorgezeichneten Seewegen bis zum Rand der Karte, klappen die angrenzende Karte auf, die gerade verlassene wieder zu und setzen ihre Fahrt auf dem angrenzenden Seeweg fort. Auf diese Weise bewegen sie ihr Schiff bis zum nächsten Hafen. Dort kann eventuell eine der gesuchten Waren auf das Schiff geladen werden. Doch Vorsicht, die Seewege sind meistens verschlungen und verzweigen sich. So führt oft nicht immer der kürzeste Seeweg zur benachbarten Insel. Erschwerend für die Wegfindung kommt hinzu, dass immer nur die Plättchen, auf welchen die Schiffe der Spieler aktuell gerade stehen, offen gelegt sind. Die einzelnen Inseln und ihre zugehörigen Waren sind farblich markiert. Besteht also die Aufgabe darin, gleichförmige Waren zu sammeln, müssen diese von verschiedenen Inseln stammen, ergo müssen sie unterschiedliche Farbmarkierung tragen. Sind alle geforderten Waren an Bord, wird Kurs auf die Zielinsel gesetzt, deren Position mittlerweile hoffentlich bekannt ist. Derjenige Spieler, welcher zuerst die geforderten Waren dort abliefert, wird zum besten Seefahrer der Südsee ausgerufen.

Das in diesem Spiel verwendete Element der klappbaren Karten ist neu, wirkt jedoch durch den einfachen Mechanismus des „Blätterns“ sofort vertraut. Die Kinder müssen sich anhand der geöffneten Karten schnell gut einprägen, an welchen Stellen der Inselwelt sich diejenigen Inseln befinden, deren Waren sie später noch brauchen werden. Gleichzeitig sollte man immer einen Blick auf die Seewege haben, denn diese verzweigen sich einem Labyrinth gleich und was nutzt das Wissen um die Inseln, wenn man den Weg dorthin nicht findet.

Land in Sicht ist ein wunderschön illustriertes und ausgetüfteltes Spiel mit funktionellem Spielmaterial, gepaart mit einem neuen, jedoch stimmigen und funktionierendem Spielkonzept. Das alles ergibt ein atmosphärisches Kinderspielhighlight. Die Spielregeln sind kurz und prägnant formuliert und ausreichend illustriert. Das Spiel macht Kindern sichtlich Spaß und ist durch den Memo-Effekt, sowie die Variabilität bei der Spielplangestaltung angenehm fordernd und nie langweilig. Das neue Spielelement mit den Klappkarten funktioniert ausgezeichnet, wenn es manchmal auch etwas fummelig wird, die Karten zum klappen zu bewegen. Die Spieldauer und der Schwierigkeitsgrad sind flexibel, denn beides hängt wesentlich von der Anzahl und Zusammenstellung der zu organisierenden Waren ab. Da einige Aspekte des Spieles allerdings jüngere Kinder überfordern dürften, scheint die untere Altersbegrenzung für Spieler ein wenig zu optimistisch. Allerdings kann man spielschwächeren Kindern ohne Probleme schon per Hausregel einige Vorteile gewähren und so den Schwierigkeitsgrad für die verschiedenen Mitspieler unterschiedlich gewichten. Meist bleibt das Spiel sowieso bis zum Schluss spannend, denn „Nachzügler“ können in den meisten Fällen sehr gut von den Erkenntnissen der „Vorreiter“ profitieren. Auch reine Erwachsenenrunden werden nicht unterfordert, haben Autoren und Verlag doch schon Zusatzregeln für fortgeschrittene Spieler beigelegt. Dafür ein dickes Lob! Alles in allem ist Land in Sicht ein ausgezeichnetes Spiel sowohl für Kinder als auch Erwachsene gleichermaßen, das in keinem Familienspielregal fehlen sollte.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6
Spieldauer (Minuten): 
40
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
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