Agricola - Familienspiel

eine Spielerezension von Markus Nussbaum - 10.06.2017
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Agricola Familienspiel - Foto von Lookout Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Im Verlag Lookout Spiele ist Agricola eines der Spiele-Schwergewichte im Sortiment (im wahrsten Sinne des Wortes). Der Spieleklassiker von Uwe Rosenberg hat seit seinem Erscheinen im Jahr 2007 zahlreiche Preise gewonnen und gilt unter Vielspielern als Meilenstein unter den Entwicklungsspielen. Mittlerweile sind zahlreiche Erweiterungen hinzugekommen, die die ohnehin gewaltige Materialausstattung des Urspiels nochmal steigern.

Im Jahr 2016 hat man nun bei Lookout Games dem Originalspiel eine Neuauflage gegönnt und dazu mit Agricola - Kennerspiel und Agricola - Familienspiel zwei neue Produktlinien ins Leben gerufen. Agricola – Das Familienspiel ist eine rundum abgespeckte Variante des Originalspiels, die das Spiel trotz gleichen Spielprinzips leichter zugänglich machen soll und daher auch eine Altersempfehlung ab acht Jahren erhalten hat.

Agricola - Familienspiel: Unterschiede zum Original

Verzichtet hat man hier auf die Fülle an Handkarten, die im Original der Ausbildung und kleineren Anschaffungen dienten. Zudem existiert nun ein fester Spielplan, der durch Anbaupläne je nach Spieleranzahl erweitert wird. Die vom Originalspiel bekannte Solitärversion ist ebenfalls vorhanden.

Der Spielablauf von Agricola - Familienspiel

Ziel ist es, seinen Bauernhof durch Ackerbau und Viehzucht (und eigene Familienplanung) möglichst ertragreich wachsen zu lassen. Dies geschieht durch Einsatz von zunächst zwei Familienmitgliedern auf unterschiedliche Aktionsfelder. Bei diesem Worker-Placement-System steht man vor dem Dilemma, immer mehr zu wollen, als man mit den verfügbaren Mitteln kann und die hohe Kunst ist es nun, strategisch die Figuren so einzusetzen, dass man über genügend Ressourcen (Tiere, Rohstoffe, Familienmitglieder) verfügt, um die Erweiterung des Hofs voranzutreiben. Das geschieht standardmäßig in drei Phasen (Vorbereitungs-, Arbeits- und Heimkehrzeit), die innerhalb der 14 Runden sechsmal beim Erreichen bestimmter Symbole durch den Rundenanzeiger noch um die Phase Erntezeit ergänzt werden. Die Erntezeit ist eine kritische Zeit, denn dann muss man seine Familie ernähren können. Schafft man das nicht, gibt es Minuspunkte in Form von Bettelmarken. Am Ende gewinnt der Spieler mit dem am besten ausgebauten Hof. Hier darf man nicht auf Monokulturen setzen, sondern sollte immer einen Blick auf die ausgewogene Entwicklung des Hofs haben, also immer sowohl in Ackerbau als auch Viehzucht investieren.

Lohnt sich Agricola - Familienspiel?

Das Spielprinzip ist sehr eingängig und der grafisch sehr gut gestaltete Spielplan lässt keine Fragen aufkommen. Alles ist klar mit Symbolen bezeichnet und daher ist der Blick in die Regel nach den ersten Spielen kaum noch erforderlich. Die Spielregel ist sehr gut strukturiert und wird immer wieder durch Tipps von Uwe Rosenberg aufgelockert. Ein in meinen Augen sehr sinnvoller Tipp betrifft die Phase Vorbereitungszeit, in der das Material auf dem Spielplan aufgefüllt wird. Hier wird empfohlen, dass das immer nur ein Spieler macht, da ansonsten ganz schnell übersehen wird, wo noch etwas platziert werden muss.

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist der Bezeichnung Familienspiel durchaus angemessen. Jüngere Kinder sind möglicherweise von der Vielzahl an Möglichkeiten und der eingeschränkten Verfügbarkeit der Aktionen frustriert. Selbst bei mir stellt sich im Spielverlauf manchmal eine gewisse Verzweiflung ein, wenn immer gerade die Rohstoffe nicht verfügbar sind, die man doch zur Erweiterung des Hofs dringend benötigt oder man bei der nächsten Ernte feststellt, dass man schon wieder nicht alle Familienmitglieder ernähren kann. Aber der Spielmechanismus ist einfach exzellent durchdacht und es macht Spaß, immer neue Strategien auszuprobieren und daher wird dieses Spiel sicherlich noch oft auf den Tisch kommen.

Zwei Kleinigkeiten muss ich zum Ende noch bemängeln. Die Regel zählt beim Spielmaterial 20 Plättchen für die Räume auf, tatsächlich vorhanden sind aber nur 12. Hier irrt die Regel, was auf der Homepage des Verlages leider noch nicht korrigiert wurde. Wie in einigen Foren diskutiert wurde, gibt es bei der Konfektionierung der Spiele immer mal wieder Probleme mit der Anzahl der Holzfiguren. In einigen Fällen waren zu wenige vorhanden, ich hatte Glück und lediglich drei Getreide zu viel in der Packung. Bei der Anzahl an Material ist das aber kein Wunder und zu verschmerzen, da der Verlag fehlendes Material unproblematisch zusendet.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
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