Die Jagd nach dem Gral

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 09.10.2008
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Die Jagd nach dem Gral von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Einer mittelalterlichen, in gewissen Kreisen allerdings bis heute populär gebliebenen Legende gemäß wurde das Blut des gekreuzigten Jesus im Heiligen Gral aufgefangen. Dieser soll daher ewige Jugend, Glück und Speise in unendlicher Fülle verschaffen, was ihn entsprechend wertvoll macht in den Augen jener, die danach suchen. Der Kelch wird deshalb der Überlieferung zufolge an einem geheimen Ort aufbewahrt und durch Gralsritter bewacht, um ihn vor dem Missbrauch durch Unbefugte zu schützen.

Wie turbulent die Jagd nach dem wundertätigen Gefäss verlaufen kann, wissen wir spätestens seit dem Film über und mit "Indiana Jones", einem (fiktiven) Archäologen aus dem vergangenen Jahrhundert. Leider hat das Spiel zu diesem Thema nur wenig vom Phantasiereichtum und Abenteuerlust des streitbaren Professors abbekommen. Stattdessen handelt es sich um ein bloßes Remake von Casablanca aus dem Jahre 1991. Bei diesem Spiel kämpften mehrere Agenten um einen wertvollen Aktenkoffer, wobei untereinander nach Belieben bestochen und gemeuchelt werden durfte. Die Besonderheit war dabei, dass keinem der Beteiligten irgendwelche Spielfiguren gehörten, sondern diese durch das Aufdecken geheim vergebener Einflusspunkte übernommen werden mussten, um den Koffer ins Hauptquartier des jeweiligen Agenten zu transportieren. Sieger wurde dabei nicht automatisch jener Spieler, der die erfolgreiche Spielfigur tatsächlich geführt, sondern jener, der am meisten Einflusspunkte darauf gesetzt hatte.

Der Mechanismus des verdeckten Einsetzens von Einflusspunkten wirkt an sich interessant und lag insbesondere auch Kreml zugrunde, einem unverwüstlichen, 1986 erstmals herausgegebenen Spieleklassiker, der bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Allerdings können dort Parteiämter eingenommen und die damit verbundenen Kompetenzen und Privilegien ausgeübt werden, was eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten eröffnet. Diese beschränken sich bei Die Jagd nach dem Gral darauf, Einflusspunkte zum Enttarnen gegnerischer Geheimbündler zu verwenden, die auf demselben Feld wie die eigene Figur stehen und anschließend aus dem Spiel genommen werden müssen. Zudem kann der jeweilige Halter des Grals diesen auch unterwegs deponieren, bis er durch einen anderen Geheimbündler aufgenommen und mitgeführt wird.

Das Ganze offenbart auch gewisse spielerische Mängel, indem selbst im Verlauf des Spiels noch Einflusspunkte vergeben werden dürfen, um durch deren Offenlegen dem Gegner eine durch ihn geführte Spielfigur abnehmen zu können. Dies führt quasi automatisch dazu, dass mit dem Einsetzen möglichst vieler Einflusspunkte zugewartet wird, bis sich ein Geheimbündler unmittelbar anschickt, mit dem Gral unter dem Arm ins Hauptquartier zurückzukehren. Entscheidend ist dann nur noch, wer zuletzt über das größte Guthaben noch nicht vergebener Einflusspunkte verfügt, was niemandem richtig Spaß macht und schon gar keine Lust weckt auf auch nur eine einzige Revanchepartie.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 8
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
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