Dynasties

Heirate & Herrsche

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 25.06.2017
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Brettspiel Dynasties - Spielaufbau - Foto von Hans im Glück
Lesezeit: 5 Minuten

"Teile und herrsche", diese geflügelte Redewendung kennen wahrscheinlich recht viele Leser. Bestimmt wissen aber nur wenige, dass die lateinische Entsprechung "divide et impera" (und damit die Entstehung dieser Redewendung) dem florentinischen Universalgenie Niccolò Machiavelli bzw. dem französischen König Ludwig XI zugeschrieben werden.

Sicherlich auch in bewusster Anlehnung an diesen Spruch wählte der Verlag Hans im Glück den Titel zu seinem Spiel Dynasties und gibt damit vorab auch schon mal eine recht gute Zusammenfassung worum es in dem Spiel hauptsächlich geht.

Wie furnktioniert das Brettspiel Dynasties?

Die Spieler finden sich in der Rolle als Angehörige verschiedener europäischer Fürstenhäuser wieder, welche miteinander um Macht und Ansehen in Europa konkurrieren. Erstaunlicherweise wird dabei aber nur mit den friedlichen Mitteln des Handels, der Diplomatie und der Hilfe von Beratern gearbeitet. Rohe Gewalt, Verrat oder gar Intrigen sucht man in Dynasties vergebens. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer geschickten Heiratspolitik, denn durch diese erhält man nicht nur kurzfristig Waren oder sonstige Vergünstigungen sondern langfristig auch Macht und Einfluss in den einzelnen Königreichen Europas. Gewonnen hat am Ende der Spieler, der die meisten Siegpunkte sammeln konnte.

Auf den ersten Blick wirkt das Spielbrett zwar recht abstrakt und uneinheitlich, aber während des Spiels bemerkt man doch recht schnell, dass es klar gegliedert und logisch aufgebaut ist. Dadurch wird den Spielern geholfen, den Blick möglichst schnell auf das Wesentliche zu lenken. So finden sich separate Bereiche für den Handel, die Berater, Passen bzw. Startspielervergabe und natürlich in einem größeren Bereich eine Karte Europas mit den vier wichtigen Königshäusern: Spanien, Frankreich, England und dem Heiligen römischen Reich deutscher Nation.

Vor dem Spiel gibt es einiges an Spielmaterial aufzubauen und zu verteilen. So erhalten die vier Königreiche auf der Landkarte jeweils zufällig eine Länderwertungstafel zugeteilt, die drei im Hafen liegenden Schiffe werden mit verdeckt gezogenen Waren beladen, die acht Berater zufällig ausgelegt und die Aktions- und Wertungskarten gemischt. Jeder Spieler erhält zwei Startwertungskarten und entsprechend der Anzahl der teilnehmenden Spieler eine gewisse Anzahl von Aktionskarten. Diese Aktionskarten sind der eigentliche Motor des Spiels. Auf ihnen sind immer zwei der vier möglichen Spieleraktionen (also Handel, Fürsten einsetzen, Fürstin einsetzen, Persönlichkeit nutzen) plus eine Sonderaktion verzeichnet. Die Jokerkarte bildet dabei eine Ausnahme, denn auf ihr sind zwar alle vier mögliche Aktionen aber keine Bonusaktion aufgeführt. Ausgeführt werden kann allerdings nur eine der Aktionen. Doch was bewirken diese Aktionen? Während die Nutzung eines Beraters durch die Zahlung der notwendigen Waren recht einfach abläuft, gestaltet sich der Handel als auch das Einsetzen von Fürsten bzw. Fürstinnen ein wenig anspruchsvoller. Hier verwendet der Autor das interessante Spielelement des Teilens. Im Hafen bei den Schiffen finden sich jeweils ein großes und ein kleines Feld. Erst wenn beide Felder besetzt sind, wird die Aktion getriggert und die auf dem Schiff liegenden Waren verteilt. Dabei teilt der Spieler, der das kleinere Feld besetzt hat, die vorhandenen Waren in zwei Haufen. Der Spieler auf dem größeren Feld darf sich dann zuerst einen der beiden Haufen aussuchen. In etwas abgewandelter Form funktioniert dieses auch beim Einsetzen von Fürsten bzw. Fürstinnen. Hier finden sich die kleineren und größeren Felder bei den Städten auf der Landkarte. Sind beide Felder besetzt, findet eine Heirat statt. In diesem Fall würfelt der Spieler, der auf dem kleineren Feld ist, mit den drei Mitgiftwürfeln und teilt diese anschließend auf. Der Spieler auf dem größeren Feld darf sich nun zuerst aussuchen, welche Würfel er nimmt. Auf den Würfeln finden sich die unterschiedlichsten, aber meist sehr lukrative Bonusaktionen, die sofort und ohne irgendwelche Zusatzkosten ausgeführt werden können.

Um die normalen Aktionen allerdings ausführen zu können, müssen die Spieler meist eine bestimmte Anzahl an Waren abgeben. Die fünf verschiedenen Waren haben jedoch keine tiefere Bedeutung sondern sind zur besseren Übersicht farblich lediglich den jeweils möglichen Aktionen zugeordnet. So kann mit goldgelben Waren die Bonusaktion bezahlt werden, mit blauen werden Berater angeheuert, mit schwarzen Fürsten und mit weißen Fürstinnen auf der Landkarte eingesetzt. Pink hingegen wird benötigt, um sich auf der Passen-Leiste weiter vorn postieren zu können. Durch diese Regelung müssen die Spieler ihre Aktionen recht gut timen, denn zum einen muss das notwendige Aktionskartensymbol, zum anderen aber auch die benötigte Warenart in der entsprechenden Menge vorhanden sein.

Das Brettspiel läuft insgesamt über drei Durchgänge. In jedem von diesen spielen die Spieler reihum solange ihre Aktionskarten aus und entscheiden sich dabei jeweils für eine der Aktionen auf ihren Karten, bis alle Spieler gepasst haben. Dann endet der jeweilige Durchgang und es kommt zu einer abschließenden Wertung und gegebenenfalls zur Vorbereitung des neuen Durchgangs oder dem Ende des Spiels. Wer dann die meisten Siegpunkte sein eigen nennen kann, hat gewonnen.

Lohnt sich das Brettspiel Dynasties?

Mit Dynasties ist Matthias Cramer und Hans im Glück ein überaus spannendes und anspruchsvolles Worker-Placement-Spiel gelungen. Durch die variablen Ausgangssituationen ergibt sich ein großer Wiederspielreiz. Zwar findet sich ein gewisser Glücksfaktor im Spiel, dieser betrifft jedoch alle Spieler gleichermaßen und ist hier quasi das Salz in der Suppe. Eminent wichtig im Spiel sind die Platzierung der Adligen auf der Landkarte und deren Verheiratung. Aber auch die Zusatzaufträge sind, richtig genutzt, sehr mächtig. In Dynasties gibt es jedoch viele Möglichkeiten, um Siegpunkte zu generieren und viele Strategien, um zu gewinnen. Allerdings sollte man es vermeiden, sich zu verzetteln. Wichtig ist es auch die Mitspieler immer im Blick zu haben, um in entscheidenden Situationen vielleicht die Mehrheiten in einzelnen Königreichen doch noch kippen zu können.

Dynasties kann man allen Vielspielern und ambitionierten Familienspielern nur wärmstens ans Herz legen. Die grundlegenden Regeln sind schnell verinnerlicht, die Spielzeit ist moderat und der Spannungsbogen reicht wirklich vom Anfang bis zum Ende. Zugreifen! Es lohnt sich!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
3-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60-90
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Fotos
Brettspiel Dynasties - Spieleschachtel - Foto von Hans im Glück
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