Expedition (2016)

Abenteuer - Entdecker - Mythen

eine Spielerezension von Mathias Rekasch - 14.10.2016
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Expedition - Foto von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben … Und wenn man auf eine Expedition geht, dann umso mehr. Das haben sich auch die Verantwortlichen bei Amigo Spiele vermutlich gedacht und das bereits im Jahre 1996 bei Queen Games erschienene Spiel Expedition, welches bereits eine Weiterentwicklung des schon 1985 erschienenen Abenteuer Tierwelt gewesen ist, neu aufgelegt und aufgefrischt. Entwickelt hat das Spiel mit Wolfgang Kramer sicherlich einer DER deutschen Spieleautoren. Nun stellt sich natürlich die Frage, was die Neuauflage für Änderungen mit sich bringt und ob die grundsätzliche Spielidee auch heute noch zu begeistern weiß. Also stechen wir in See und sind gespannt, was uns auf unserer Expedition neben Abenteuer, Entdecker und Mythen so alles vor das Fernrohr kommt.

Wie spielt sich die Neuauflage von Expedition?

Auf dem großen Spielplan finden sich 80 Orte, zu denen es auch jeweils eine Expeditionskarte gibt. Zur besseren Orientierung sind sowohl Karten als auch Punkte farblich nach Kontinenten getrennt. Dazu gibt es auf dem Plan noch zahlreiche gelbe und blaue Sonderfelder, die mir entweder einen weiteren Zug an derselben Expedition ermöglichen (blau) oder mir ein Reiseticket schenken (gelb). Zu Beginn des Spiels erhalte ich neben meinen fünf Ortsmarkern und drei Reisetickets noch, je nach Anzahl der mitspielenden Personen, acht bis zwölf Expeditions-Karten mit Orten, die entdeckt werden müssen, um das Spiel zu gewinnen.

Zu den ersten fünf Orten lege ich noch meine Ortsmarker auf den Plan. Wird einer dieser Orte besucht, was nicht durch mich passieren muss, lege ich die Karte direkt vor mir ab und sammle gegebenenfalls meinen Ortsmarker ein.

Bin ich an der Reihe, kann ich nach bestimmten Anlegeregeln eine der drei Expeditionen (blau, gelb oder rot) beginnen beziehungsweise fortführen und in beliebiger Reihenfolge bis zu zwei Reisetickets für Sonderaktionen nutzen. Mit einem Reiseticket kann ich wahlweise einen weiteren Pfeil legen, einen liegenden Pfeil am Ende einer Expedition entfernen, eine meiner Karten tauschen oder eine Karte ablegen, falls im Verlauf der Partie einer meiner Orte besucht wurde und ich nicht direkt die Karte vor mir abgelegt habe. Kann oder will ich dies nicht, kann ich auch aussetzen und erhalte dafür ein Reiseticket.

Legt irgendein Spieler die letzte eigene Expeditionskarte ab, wird die Runde noch zu Ende gespielt. Anschließend erhalte ich für jede abgelegte Expeditionskarte und jeden eingesammelten Ortsmarker jeweils einen Punkt. Für jede nicht abgelegte Karte und jeden noch auf dem Plan befindlichen Ortsmarker gibt es einen Minuspunkt. Habe ich die meisten Punkte, so habe ich das Spiel gewonnen.

Eine Expertenvariante fügt dem Spiel noch acht öffentliche Expeditionskarten hinzu, die von allen entdeckt und dann eingesammelt werden dürfen und die Möglichkeit, Ortsmarker auch auf Orte zu legen, zu denen ich nicht die passende Expeditionskarte auf der Hand habe.

Expedition: Welche Unterschiede gibt es bei der Neuauflage?

Die alte Auflage unterschied sich ein wenig in der Anzahl der zu verteilenden Expeditionskarten (neun bis zwölf) oder der Ortsmarker (vier statt fünf). Zudem war die Regel mit den öffentlichen Expeditionskarten schon in der Grundvariante enthalten und diese wurden, anders als in der Neuauflage, auch aufgefüllt, wobei hier anstatt acht auch nur sechs auslagen. Einige Begriffe wurden unterschiedlich bezeichnet. Auch die Farben auf dem Spielplan unterschieden sich. Beim Erreichen des Sonderfeldes für einen weiteren Zug durfte man in der Ursprungsversion diesen Zug auch für eine andere Expedition nutzen. Zudem konnte man mit den Reisegutscheinen (Reisetickets) nachträglich keine Expeditionskarte mehr ablegen und nur die anderen drei Aktionen nutzen.

In den zwei  Sondervarianten durfte  man zum einen so viele Ortsmarker legen, wie man möchte und Schleifen nur noch im Bereich der Schleife auflösen. Bei einer zweiten Variante konnte man auch nur mit acht Spielchips pro Person spielen, die jeweils der linke Mitspieler verteilt hat. Sieger dort war, wer als erstes alle seine Chips einsammeln konnte.

Wie gut ist  Expedition?

Beim Auspacken des Spiels hatte ich schon gewisse Assoziationen zu anderen Laufspielen wie Europareise oder Deutschlandreise und deren Ableger. Und in der Tat ist das Grundprinzip auch ähnlich. Die Tatsache, dass wir alle gemeinsam an den drei Expeditionen bauen und der Fortschritt an diesen ohne einen Würfel funktioniert gefällt mir allerdings außerordentlich gut. Vor allem bei meinem Sohn ist dieses Spiel auch richtig gut angekommen und es wird regelmäßig nach neuen Partien gefragt. Ein besseres Lob kann ein Spiel  für Familien kaum bekommen.

Dabei kann ich auch in allen Besetzungen und allen Varianten diesem Spiel etwas abgewinnen, auch wenn sich bei mehr Mitspielern die einzelnen Expeditionen schon stark verändert haben können und ich mehr Mühe habe, wieder darauf Einfluss zu nehmen. Die richtige Balance zu finden zwischen dem Verfolgen der eigenen Route mit dem Einsetzen der Mangelware Reisetickets und dem gelegentlichen Legen von Finten, ist schon eine spannende Herausforderung. Noch undurchsichtiger wird das ganze, wenn die Ortsmarker auch auf Felder verteilt werden, die nicht den eigenen Karten entsprechen. Wobei es gerade zum Ende einer Partie auch eine kleine Rechnerei werden kann, da es sich unter Umständen lohnen könnte, Ortsmarker nicht einzusammeln und stattdessen das Spiel zu beenden, da man mit den abgelegten Karten, vielleicht angereichert durch öffentliche Karten, trotz der Minuspunkte für die Marker den Sieg einstreichen könnte. In den meisten Runden hat dies allerdings keine Rolle gespielt.

So kann ich das Spiel vor allem lockeren Spielerunden und Familien mit Kindern ab der dritten Klasse in etwa empfehlen, da diese oft schon einen gewissen Entdeckerdrang verspüren, der sehr hilfreich für dieses Spiel sein kann. Vielspieler dürften eher selten zu diesem Spiel greifen, da die Spieldauer dann doch etwas zu viel für einen schnellen Einstieg oder einen kurzen Absacker sein dürfte und 30 Minuten nicht selten überschreitet. Auch können Grübler und Tüftler dies einfach in die Länge ziehen, wodurch der kurzweilige Spielspaß doch auch ein wenig leidet.

Am Ende kann ich sagen, dass die Neuauflage eine kleine Frischzellenkur bekommen hat und sich auch die Anleitung moderner und einprägsamer liest als beim Original. Eigentlich also alles richtig gemacht. Ob es sich für den Verlag am Ende auch auszahlen wird, bleibt leider abzuwarten.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielegattung: 
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