Gelegenheit macht Diebe

Krimi-Kartenspiel für raffinierte Langfinger

eine Spielerezension von Anita Borchers - 24.02.2016
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Gelegenheit macht Diebe - Foto von Gmeiner Verlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

In dem Kartenspiel Gelegenheit macht Diebe von Daniel Badraun aus der Krimispielserie des Gmeiner-Verlags treiben die Verbrecher auf der alljährlichen Uhren- und Schmuckmesse ihr Unwesen. Schmuck, Uhren und Edelsteine sollen unrechtmäßig ihren Besitzer wechseln. Im gewohnt schicken Design reiht sich auch das achte Spiel der Serie perfekt in die Reihe seiner Vorgänger sein. Neugierig öffne ich den Karton. Dieses Mal ist es ein Stichspiel. Ich liebe Stichspiele!

Gelegenheit macht Diebe scheitert bereits an der Spielanleitung

Gerne würde ich schreiben, dass wir nach dem Lesen der recht kurzen Anleitung erfolgreich starten konnten. Aber dieses Mal kam alles anders. Okay, es wird gegen den Uhrzeiger gespielt. Kein Problem, das ist bei einem schweizer Autor nichts Ungewöhnliches. Die Spielanleitung ist jedoch etwas eigenwillig aufgebaut. Erst werden die unterschiedlichen Karten und Rollen beschrieben. Dann folgt die Spielvorbereitung, anschließend der Spielablauf. Es stellt sich als recht lästig heraus, immer hin- und herblättern zu müssen, da sowohl im Ablauf als auch in den Karteninformationen wichtige Details stecken. Und wir konnten uns einfach nicht merken, was dazu denn nun bereits weiter vorne stand. Gut, auch das stecken wir mit einem Lächeln weg. Schließlich sind wir keine 20 mehr. Vielleicht liegt es daran. Also, was ist eine 7+-Choice-Karte? Zurückblättern, nachlesen. Ach ja! Weiterlesen. Und wie war das mit der 3+-Deal-Karte? Zurückblättern, nachlesen. Ach ja! Weiterlesen. Und die ist höher als die Karte mit dem Wert 3. Gut, leuchtet ein. Aber wieso ist der 5+-Joker höher als alle anderen Spielkarten, die doch von 1 bis 9 gehen? Na gut, ist halt so.

Knackpunkt: Wichtige Spielregeln sind verschieden interpretierbar

Aber richtig heftig wurde es dann bei zwei Regeln, die so geschrieben waren, dass sie von den Mitspielern unterschiedlich interpretiert wurden. Eine hitzige Diskussion entbrannte. Jeder der Standpunkte war durchaus schlüssig. Es gab also kein richtig und kein falsch. Wir einigten uns schließlich darauf, mal die eine und mal die andere Variante zu spielen. Gut, dass wir keine 20 mehr sind und sooo vernünftig :-)

So wird Gelegenheit macht Diebe gespielt

Mit durchaus getrübter Stimmung und bereits ersten Erschöpfungszuständen ging es dann endlich los. Die erste Partie Gelegenheit macht Diebe wurde gestartet. Die Karten wurden verteilt und gesichtet. Jeder bietet anschließend auf eine der Rollenkarten, die er verkörpern möchte. Denn Punkte gibt es nur, wenn am Ende des Spiels die eigene Rolle gut erfüllt wird. Der Dieb klaut z. B. möglichst viele Diebesgutkarten, ein unbeteiligter Besucher hingegen sollte die Messe, also die Spielepartie, lieber ohne Diebesgutkarten im eigenen Stichstapel verlassen. Aber welche ist denn nun die Diebesgutfarbe und welche Rolle verkörpere ich eigentlich? Fragen über Fragen, die erst nach einer Kombination an 7+-Choice-Karten und einer 3+-Deal-Karte geklärt werden.

Gerade in der ersten Partie gestalten sich die unterschiedlichen Ablaufbedingungen sehr anstrengend: Karten sichten. Auf eine oder mehrere Rolle(n) bieten. Spiel startet. Warten bis eine 7+-Choice-Karte gespielt wird. Wieder auf Rollen bieten. Warten, bis eine 3+-Deal-Karte gespielt wird. Diebesgutfarbe erfahren. Warten, bis eine zweite 7+-Choice-Karte gespielt wird. Wieder auf Rollen bieten. Eine Rollenkarte erhalten. Nun weiß ich endlich, welche Farbe die Diebesgutfarbe verkörpert und welche Rolle - sprich, welche Siegbedingungen - ich habe. Seuzf. Jetzt kann das Stichspiel endlich starten … Und ist schon irgendwie beendet. Hm. Nicht sehr befriedigend.

Wie gut ist das Krimikartenspiel Gelegenheit macht Diebe?

Gelegenheit macht Diebe ist ein Stichspiel mit einigen Sonderregeln. Neben einer taktischen Komponente sind aber Kartenglück und Mitspieleraktionen maßgeblich für den Spielverlauf. Allerdings stehen sowohl Siegbedingungen als auch Diebesgutfarbe unter Umständen erst spät fest. Auf den ersten Blick lässt sich Gelegenheit macht Diebe bei Wizard und Die Sieben Siegel (Wizard extreme) einsortieren. Bei näherem Kontakt stellt man aber schnell fest, dass es weder an die taktische Komponente noch an den flüssigen Stichspielablauf heranreicht. Lediglich der Ärgernfaktor ist ihnen gemeinsam.

Ein Wort noch zum Spielmaterial sei ergänzt. Es wäre hilfreich, die Werte 6 und 9 besser unterscheidbar zu machen. Auch erleichtert der Andruck der Zahl in allen vier Ecken die Übersichtlichkeit.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
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