Mercado

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 16.10.2018
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Gesellschaftsspiel Mercado - Foto von Kosmos
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Der mittlerweile in vielen Spielen verwendete Deckbuilding-Mechanismus kommt sowohl im Zusammenspiel mit anderen Mechanismen wie z. B. im Spiel: Wettlauf nach El Dorado zum Einsatz oder aber trägt selbst ein ganzes Spiel wie z. B. Dominion oder Thunderstone. Recht neu hingegen ist eine entsprechend abgewandelte Form davon wie sie z. B. in Orleans oder Altiplano eingesetzt wird: Das Bagbuilding. Hierbei werden Plättchen oder andere Spielelemente mit unterschiedlichen Eigenschaften in einem Beutel gesammelt und dann verdeckt aus diesem gezogen. Analog zum Deckbuilding wird die Menge an Material im Spielverlauf größer und gleichzeitig ändert sich natürlich auch die qualitative Zusammensetzung des Materials im Beutel. 2018 wurden zwei, vom Spielablauf her recht ähnliche Spiele vorgestellt, die beide das Spielelement des Bagbuilding verwenden: Die Quacksalber von Quedlinburg und das hier vorliegende Mercado von Rüdiger Dorn (Kosmos).

Worum geht es bei Mercado?

In Mercado stellen die Spieler begüterte Bürger dar, deren Lebensunterhalt gesichert ist und deren (Vorsicht, deutliche Parallelen zur heutigen Zeit!) einziges Sinnen und Trachten nun darauf ausgerichtet ist, Luxusgüter zu erwerben um damit das eigene Ego, pardon Ansehen, zu steigern und die Bewunderung (und möglichst auch den Neid) der Mitmenschen auf sich zu ziehen. Zu diesem Zweck durchstreifen sie immer wieder den Markt, ständig auf der Suche nach den tollsten Luxuswaren oder Duftwässerchen. Von diesen liegen immer vier, respektive zwei im Marktbereich aus. Zusätzlich gibt es hier noch dem Marktaufseher und die Münzwechslerin zu finden, deren Hilfe die Spieler in Anspruch nehmen können.

Wie wird Mercado gespielt?

Jeder Spieler hat einen eigenen Geldbeutel mit 25 Münzen Startguthaben die identisch gestückelt sind. Allerdings befinden sich darunter auch schwarze Falschgeldmünzen. Im Lauf des Spiels können nur noch Jokermünzen oder aber auch Falschgeld die prozentuale Zusammensetzung der Münzen im Beutel verändern.

Gespielt wird reihum und rundenweise. Ist ein Spieler am Zug, so kann er sich entscheiden drei Münzen aus dem Beutel zu ziehen und an ausliegende Waren anzulegen oder aber alle bisher verbrauchten eigenen Münzen wieder zurück in seinen Geldbeutel wandern lassen.

Zieht der Spieler die Münzen, so kann er im Idealfall mit der richtigen gezogenen Stückelung sofort eine Luxusware oder einen Duft sichern. Alternativ legt er die Münzen in beliebiger Aufteilung an die einzelnen Warenplättchen an. Aber Achtung: Die schwarzen Münzen repräsentieren Falschgeld und dürfen nicht angelegt werden. Derjenige Spieler, der zuerst den kompletten Preis einer Ware in der geforderten Stückelung anlegt, erhält diese. Neben dem Warenplättchen erhält der Spieler gleichzeitig auch das darauf vermerkte Ansehen, welches auf einer separaten Leiste abgetragen wird und letztendlich die Siegpunkte darstellt. Zusätzlich gewähren einige Waren ihrem Besitzer auch noch spezielle Effekte. Am Ende des Zuges des jeweiligen Spielers wird die Marktauslage wieder aufgefüllt. Alternativ zu den Warenplättchen kann man auch die Dienste der beiden Personen in Anspruch nehmen. Beim Marktaufseher erhält man für drei verschiedene Münzen ein Privileg, bei der Geldwechslerin für drei identische Münzen eine Jokermünze

Auf der Ansehens-Leiste gibt es Sonderfelder, deren Erreichen ein sofortiges Ereignis für den entsprechenden Spieler auslöst. So kann er z. B. Jokermünzen, Falschgeld aber auch Privilegien- oder Siegelmarker erhalten. Hat der erste Spieler eine ganze Runde auf dem Track absolviert, so endet das Spiel mit Beendigung der Runde. Jetzt werden noch zusätzliche Punkte, die man durch Siegel oder erworbene Privilegien erhalte kann, abgerechnet. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten, das muss aber nicht zwangsläufig derjenige sein der das Ende des Spiels eingeläutet hat, gewinnt das Spiel.

Lohnt sich Mercado?

Mercado ist schön ausgestattetes und illustriertes Familienspiel. Die Regeln sind recht einfach und schnell verinnerlicht. Zudem ist die Spieldauer mit gerade mal 30 Minuten angenehm kurz. Allerdings muss man sich vergegenwärtigen, dass das Spiel schon allein durch das ziehen von Münzen aus dem Beutel einen sehr hohen Glücksanteil beinhaltet. Deshalb sollte man eine gewisse Frusttoleranz mitbringen. Neben dem Glückselement gibt es aber auch einige Bluff- und Taktikelemente. Mit Mercado werden sicher viele Eltern glücklich die ältere Kinder haben und ein einfaches, einsteigerfreundliches Familienspiel suchen. Vielspieler, auch im Familienspielbereich, werden hingegen wahrscheinlich unterfordert.

Leider gibt es bei Mercado auch einige Dinge die nicht so toll sind. So verspricht die Größe der Spieleschachtel leider ein deutlich umfangreicheres Spiel. Zudem gelingt es dem Spiel nicht, die Spieler thematisch oder atmosphärisch mitzunehmen. Alles bleibt recht abstrakt und distanziert. Der direkte Konkurrent von Mercado hingegen: Die Quacksalber von Quedlinburg kann in diesen Bereichen punkten, richtet sich aber wegen seiner vielen Zusatzregeln doch eher an ein spieleerfahreneres Publikum.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30-45
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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