Die Quacksalber von Quedlinburg

eine Spielerezension von Johannes Halbig - 22.07.2018
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Die Quacksalber von Quedlinburg - Foto von Schmidt Spiele
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Die Welterbestadt Quedlinburg ist seit 994 mit dem Stadtrecht versehen und war vom 10. bis zum 12. Jahrhundert Sitz der zu Ostern besuchten Königspfalz. Quedlinburgs architektonisches Erbe steht seit 1994 auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes und macht die Stadt zu einem der größten Flächendenkmale in Deutschland. Die Entfernung zum Brocken beträgt 23,87 km Luftlinie. Diese Nähe zum Brocken ist sicherlich die Ursache dafür, dass der jährlich stattfindende Basar für die besten Quacksalber des Landes ausgerechnet in Quedlinburg stattfindet. Das ist Hintergrund für das Brettspiel Die Qucksalber von Quedlinburg

Brettspiel Die Quacksalber von Quedlinburg: Wie läuft eine Partie ab?

Nun, was braucht es, damit die Quacksalber ihre Tränke brauen können? Da die Quacksalberei ja bekanntlich nicht so ganz wissenschaftlich fundiert ist, sind ein paar Wahrsagekarten auf jeden Fall nicht zu verachten. Im Mittelpunkt stehen natürlich die verschiedenen Zutaten und damit die dann auch in der rechten Weise zusammengemischt werden, dürfen die entsprechenden Anleitungen natürlich auch nicht fehlen. Für jeden Spieler gibt es noch einen Kessel zum Brauen und einen Beutel, um die Zutaten zu sammeln. Um möglichst schnell loslegen zu können, beinhaltet der Beutel schon einen Grundstock und zwar sieben weiße Chips in unterschiedlicher Wertigkeit, einen orangenen Einer- und einen grünen Einer-Chip.

Der Basar ist für neun Tage (Runden) geöffnet. Zu Beginn jedes Tages wird erst einmal eine Wahrsagekarte aufgedeckt. Das Ereignis gilt immer für alle Spieler. Dabei gibt es zwei verschiedene Sorten von Wahrsagekarten. Die lilafarbenen werden vor Rundenbeginn ausgeführt, während die blauen Wahrsagekarten während eines ganzen Tages gelten.

Nach den Wahrsagekarten sind, allerdings frühestens nach der zweiten Runde, die Ratten an der Reihe. Die Ratten helfen bei der Trankzubereitung. Alle Spieler, mit Ausnahme des führenden Spielers, dürfen ihren Rattenstein im Kessel vorwärtsbewegen. Die Anzahl an Feldern ermittelt jeder Spieler, in dem er die Anzahl an Rattenschwänzen zählt, die sich zwischen ihm und dem führenden Spieler auf der Siegpunktleiste befinden. Der Kessel ist dadurch schon etwas voller. Was das zur Folge hat erklärt sich im Herzstück der Runde, der Zubereitung des Trankes.

Der Kessel, in dem der Trank gebraut wird, besteht aus einem spiralförmigen Rundlauf, der aus 53 Feldern zusammengesetzt ist. Zu Beginn legt jeder einen Tropfen in seiner Farbe auf das Feld Null. Dieser Tropfen wandert dann im Laufe des Brauvorganges nach außen. Für die Trankzubereitung werden die Zutaten eine nach der anderen aus dem Spielerbeutel gezogen. Entsprechend seiner Wertigkeit wird die erste Zutat auf ein Feld nach dem Tropfen, bzw. in späteren Runden auch nach der Ratte, in den Topf gelegt. Alle weiteren gezogenen Zutaten werden ihrer Wertigkeit nach entsprechend viele Felder nach dem zuletzt belegten Feld abgelegt. Nach jedem Ablegen einer Zutat können sich die Spieler entscheiden, ob sie den Brauvorgang stoppen oder lieber noch eine weitere Zutat aus dem Beutel ziehen. Diese Entscheidung steht dem Spieler allerdings nur so lange zur Verfügung, als die Summe seiner gezogenen weißen Chips den Wert sieben nicht übersteigt. Ist dies der Fall, so explodiert der Topf wegen zu vieler Knallerbsen im Trank.

Die Qucksalber von Quedlinburg: In den Zutaten liegt die Würze

Für den Trank spielt es selbstverständlich eine große Rolle, welche Zutaten gezogen werden. Weiße und orange Zutaten machen den Trank schmackhafter, haben aber sonst keine Auswirkungen. Blaue, rote und gelbe Zutaten ziehen zusätzliche Aktionen nach sich, die sofort nach dem Ziehen aktiviert werden. Grüne, lila und schwarze Zutaten haben Aktionen im Schlepptau, die erst am Rundenende aktiviert werden. Die Aktionen hängen davon ab, nach welchem Set von Zutatenbüchern gebraut wird. Von jeder Farbe, ausgenommen Orange und Schwarz, von denen nur ein Zutatenbuch im Spiel ist, gibt es zwei unterschiedliche Zutatenbücher mit jeweils unterschiedlicher Vorder- und Rückseite.

Haben alle Spieler - freiwillig oder durch Explosion verursacht - ihren Brauvorgang beendet, kommt es zur Wertung, die in sechs Schritten durchgeführt wird. Diese Schritte sind auf der Siegpunktleiste angezeigt, sodass man sie gut der Reihe nach abarbeiten kann, ohne ständig in die Spielregel schauen zu müssen.

Zuerst wird in allen Kochtöpfen, die nicht explodiert sind, geprüft, wer den Brauvorgang am weitesten vorangetrieben hat. Dieser Spieler würfelt mit dem Bonuswürfel und nimmt sich den erwürfelten Bonus (Siegpunkte, einen Rubin, Tropfen ein Feld weitersetzen oder einen orangen Chip für den Beutel nehmen). Als nächstes wird geprüft, ob in den Töpfen schwarze, grüne oder lila Chips liegen. Der Reihe nach werden dann je nach verwendetem Zutatenbuch die entsprechenden Aktionen dieser Chips ausgeführt. Dann bekommen alle Spieler, auf deren Wertungsfeld im Topf ein Rubin abgebildet ist, einen solchen. Als nächstes werden die Siegpunkte genommen, die auf dem erreichten Wertungsfeld abgebildet sind. Als letztes können sich die Spieler noch ein oder zwei Chips in unterschiedlichen Farben kaufen. Für den Kauf haben sie so viel Geld zur Verfügung, wie die Zahl ihres erreichten Wertungsfeldes anzeigt. Spieler, bei denen der Kessel explodiert ist, dürfen nur eine der beiden letzten Aktionen durchführen.

Am Ende der Runde können die Spieler noch gegen Abgabe von zwei Rubinen ihren Tropfen um jeweils ein Feld weitervorrücken oder ihre Flasche wieder auffüllen, die man einsetzen kann, um den zuletzt gezogenen weißen Chip wieder in den Beutel zurückzulegen (allerdings nur, solange der Kessel noch nicht explodiert ist). Dann wird der Rundenanzeiger ein Feld weitergesetzt, nachgeschaut, ob in der nächsten Runde eine Aktion ausgeführt werden muss (z. B. es kommt ein weiteres Zutatenbuch ins Spiel oder jeder Spieler muss einen weiteren weißen Einerchip in seinen Beutel legen), und schon kann die nächste Runde beginnen. Der Spieler, dessen Siegpunktmarker nach der neunten Runde am weitesten vorn ist, darf sich klarerweise selbst als den besten Quacksalber bezeichnen.

Lohnt sich das Brettspiel Die Qucksalber von Quedlinburg?

Neben den unterschiedlichen Zutatensets, die das Spiel variabel gestalten, bietet die Rückseite des Kessels eine weitere Variation, die noch Reagenzgläser mit ins Spiel bringt, um an zusätzliche Boni zu gelangen. Durch die Rattenschwanzregelung werden zurückliegende Spieler immer wieder mit Anschluss zu den führenden Spielern versehen. Diese Regel funktioniert erstaunlich gut.

Die Quacksalber von Quedlinburg von Wolfgang Warsch (Schmidt Spiele) ist ein leicht verständliches Spiel und kann so durchaus dem Sektor Familienspiel zugeordnet werden, wobei auch der „Kenner“, der einem leicht glückslastigen Spiel zugeneigt ist, auf seine Kosten kommt. „Bagbuilding“ kombiniert mit dem „Can't-Stop-Prinzip“ lässt immer wieder Spannung und Emotionen aufkommen. Das Glückselement ist allerdings noch etwas stärker als bei anderen „Bag- oder Deckbuildingspielen“, da zu Beginn einer Runde immer alle Plättchen wieder ins Säckchen wandern, d. h., ausgesuchten Pechvögeln kann es durchaus passieren, dass sie ihre teuer eingekauften Superzutaten nie ziehen und zum Brauen verwenden können.

Ein kleiner Kritikpunkt muss noch erwähnt werden: Die 0/50 Siegpunktmarker entsprechen farblich in keiner Weise den Spielerfarben und erfüllen somit ihren Zweck nicht, da bei ihrem Einsatz schnell der Überblick verloren geht, welcher Marker welchem Spieler zugeordnet ist. Das ist jedoch nur eine Kleinigkeit am Rande.

Auf der letzten Seite der Spielanleitung gibt es auch noch einen Hinweis auf ein Gameplayvideo auf der Internetseite von Schmidt-Spiele. Dort kann man sich das Spiel ohne Regelstudium erklären lassen.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
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