Quebec

eine Spielerezension von Silke Groth - 30.09.2012
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Quebec von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minute

Ganze vier Jahrhunderte umfasst das Spielgeschehen in Quebec (Ystari Games). Als Teil einer einflussreichen Bürgerfamilie sind die Spieler maßgeblich am Aufbau der kanadischen Stadt beteiligt. Dabei versuchen sie sowohl durch den Bau von Gebäuden, als auch durch Einfluss in fünf Bereichen der Stadt die meisten Siegpunkte zu erlangen.
 
Zu Beginn des Brettspieles liegt die Stadt brach und zeigt verschiedene Bauvorhaben. Jedes potentielle Gebäude ist der Politik, Kultur, Kirche oder dem Handel zugeordnet. Um ein Bauvorhaben zu starten, stellt der Spieler seinen Architektenpöppel auf ein aktuelles Bauvorhaben und erhält dafür drei Arbeiter aus seiner Reserve. Die kleinen Holzwürfel unterteilen sich in aktive und passive Arbeiter und sind quasi die Währung im Spiel. Mit aktiven Arbeitern kann an einem Gebäude mitgebaut werden. Ist dies das Gebäude eines außerfamiliären Architekten, ist eine Bonusaktion des jeweiligen Stadtviertels nutzbar. Diese Boni bringen bei Quebec beispielsweise passive Arbeiter ins Spiel oder geben Siegpunkte. Um ein Gebäude fertigzustellen, muss sich ein Architekt einfach auf ein neues Bauvorhaben stellen. Nun folgt zweierlei: Zum einen bewegen sich alle beteiligten Arbeiter in farblich passende Einflusszone am Spielfeldrand, zum anderen erhält der Architekt für das Gebäude, abhängig von der Anzahl der vollendeten Baustufen, Siegpunkte. Im Hinblick auf die Schlusswertung ist darauf zu achten, dass möglichst zusammenhängend gebaut wird, da so die eigenen Gebäude noch an Wert gewinnen.
 
Weitere Elemente von Quebec sind die Leader, von denen jeder Spieler eine Karte pro Jahrhundert besitzen darf, die weitere Handlungsoptionen eröffnen und Ereignisse, die neben dem variablen Spielaufbau der Gebäude, durch unterschiedliche Gegebenheiten der Jahrhunderte, für Abwechslung sorgen.
 
Die Wertung beginnt bei Quebec immer mit der Zitadelle, dem fünften Einflussbereich, und danach folgen die anderen Bereiche im Uhrzeigersinn. Jeder Arbeiterstein steht dafür für einen Siegpunkt. Der Spieler mit den meisten Steinen darf als besonderen Bonus die Hälfte davon zur nächsten Wertung mitziehen (die sogenannte Kaskade) - Kettenreaktionen nicht ausgeschlossen. Das Brettspiel endet nach der vierten Wertung, bei dem auch noch die Gebäude auf dem Plan und eventuell verbliebene Arbeiter Punkte bringen.
 
Das Leben in Quebec scheint sehr farbenfroh zu sein, zumindest wenn man den Spielplan als Maßstab nimmt. Viele bunte Kreise und die zwölf Piktogramme der Bonusaktionen lenken etwas von den schönen Grafiken der Gebäude ab, Quebec wirkt so etwas überfrachtet und sehr unübersichtlich. Daran gewöhnt man sich zwar im Laufe des Spieles, der Ersteindruck ist aber meist nicht sehr positiv. Im Grunde ist Quebec eine Mischung aus Altbekanntem. Ein bisschen Arbeitereinsetzen à la Caylus, Mehrheitenbildung wie bei El Grande und weiteren Dingen, die keinesfalls neuartig sind. Was das Spiel aber weit über Durchschnittsware hebt, ist neben der gelungenen Mischung dieser Elemente der innovative Kaskadenmechanismus. Alles ist gut austariert und bietet Raum für viele Strategien und Taktiken. Ständig steht man vor interessanten Entscheidungen. Das Dilemma, durch „Arbeiterüberlassung“ einerseits den Mitspielern zähneknirschend Siegpunkte zu „schenken“, andererseits aber auch nur sehr ungern auf die Bonusaktionen verzichten zu mögen, ist bei Quebec von besonderer Bedeutung. Wohin stellt man also seinen Architekten? Einige Gebäude ziehen höchstwahrscheinlich Arbeiter an, wie das Licht Insekten in einer dunklen Nacht, aber leider bleibt einem die Aktion dann verschlossen. Die Farbe der Gebäude ist hinsichtlich der Bereichswertungen und möglicher Kaskaden natürlich genauso von Interesse, wie deren Lage im Bezug auf die Schlussabrechnung. Dabei darf auch das „Klötzchenmanagement“ nicht außer acht gelassen werden. Nichts ist ärgerlicher als in einem entscheidenden Moment blank dazustehen und zu einer Bewegung des Architekten gezwungen zu sein. Dass es, trotz aller Entscheidungsnöte kaum Leerlauf gibt, ist dem Spiel hoch anzurechnen.
 
Quebec verfügt über eine „Familienvariante“, die aber mit den Ereignissen, Leadern und Kaskadeneffekten reizvolle Elemente auslässt, ohne dabei für Gelegenheitsspieler zugänglicher zu werden, und darum auch gut und gerne verzichtbar ist. Entgegen der vorherrschenden Meinung finde ich, dass Quebec auch zu zweit hervorragend funktioniert, wenn sich auch das Spielgefühl sehr ändert. Am bestens spielt es sich aber zu viert oder fünft, da hier die größte Anzahl Architekten unterwegs ist, was gleichbedeutend mit einem größeren Handlungsspielraum ist. Quebec ist spannend und interaktiv und eine der positivsten Überraschungen der Spiel 2011. Daumen hoch nach Kanada! 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
13
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung
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