Bericht: HeroFest 2021 in Bern

Die Gaming-Messe als Zukunft des Spielens?

ein Spiele-Artikel von Bernhard Zaugg - 10.10.2021
HeroFest 2021 in Bern - Action - Foto: BernExpo AG
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Es gab Zeiten, da war die Suisse Toy in Bern eine grosse, tolle und enorm beliebte Veranstaltung für Jung und Alt. Sie galt als das grösste Spielzimmer der Schweiz und begeisterte mit einem breiten Mitmachkonzept, bei dem wirklich alles angefasst und ausprobiert werden durfte. Entsprechend eindrücklich und vielfältig waren all die Spielerlebnisse, die da gesammelt werden konnten und der Weg zu weiteren Erfolgen schien vorprogrammiert.

Es kam bekanntlich ganz anders. Ein gescheiterter Aufbruch zu neuen Ufern und die immer schlechter werdende Stimmung in den Hallen führten zu einem Rückgang der Aussteller- und der Besucherzahlen, bis die Suisse Toy zuletzt zu einem reinen Anhängsel einer grossen, traditionellen Publikumsmesse und zu einem reinen Nischenangebot für Kleinkinder verkam.

HeroFest löst Suisse Toy ab

Parallel dazu entstand vor wenigen Jahren ein Angebot für elektronische Spiele aller Art, das zuerst Suisse Toy Digital und kurze Zeit später HeroFest genannt wurde. Es entwickelte sich rasch zur eigenständigen Attraktion als grösste Gaming- und Geek-Veranstaltung der Schweiz. Mit seinem vollgepackten Programm rund um die Themen Esports, Cosplay und Fantasy hat es denn auch die Suisse Toy völlig abgelöst und verdrängt.

HeroFest 2021 in Bern - Cosplay mit Siegern - Foto: BernExpo AG

Und das Erreichte darf sich durchaus sehen lassen und strahlt weit über das BEA-Messegelände hinaus. In die diesjährige Ausgabe des HeroFests integriert waren zahlreiche internationale Game-Premieren, Live-Veranstaltungen und -Wettkämpfe aller Art. Zudem gab es erneut eine spezielle Grossraumzone, die SwitzerLAN, in der 1'200 vorangemeldete Gamerinnen und Gamer mit ihren selber mitgebrachten Geräten praktisch end- und grenzenlos zocken konnten.

Die ganzen Angebote wurden rege genutzt und Vieles wurde gar live gestreamt und in die weite (Internet-) Welt hinaus übertragen. Englisch mutierte gewissermassen zur neuen Landes- bzw. Messesprache, es gab spezielle Zuschauerbereiche, um dem Geschehen auf den diversen Tribünen beizuwohnen und den fachkundigen Kommentaren und Analysen der Experten zuzuhören.

Spektakel statt Spiel

Das HeroFest wurde so zum Sammelort für eine eigenständige Spielewelt, die das mehrheitlich sehr jugendliche Publikum unmittelbar ansprach und begeisterte. Und irgendwie stand auf einmal die ketzerische Frage im Raum, ob so die Zukunft des Spielens aussehen könnte, die das Brett- und Kartenspiel bald einmal ablösen würde, wie ja zuvor schon das HeroFest die Suisse Toy verdrängt hatte. Denn eines ist klar: Ein solches Spektakel mit viel Show, Engagement und moderner Technik hatte die Suisse Toy selbst in ihren besten Zeiten nie geboten.

HeroFest 2021 in Bern - Brettspiele - Foto: BernExpo AG

Allerdings darf trotzdem nicht übersehen werden, dass all die elektronischen Spiele und das ganze HeroFest nicht dieselbe Breitenwirkung besitzen wie man dies vielleicht denken könnte. Bei aller Begeisterung der Anwesenden beschränkte sich die ungeheure Anziehungskraft primär auf einen Zeitraum von rund 20 Jahren ab dem ersten persönlichen Zugang zu einem elektronischen Spiel- und Kommunikationsgerät. Vorher ist man dafür noch zu jung und unselbständig und später geht der Reiz dieser Beschäftigung oft etwas verloren und wendet man sich vermehrt direkteren zwischenmenschlichen Kontakten und Spielmöglichkeiten zu.

Ich würde daher behaupten, dass das elektronische Gamen und Zocken durchaus eine wichtige und schöne Phase der persönlichen Entwicklung sein können, diese jedoch dem klassischen Spielen auf Dauer nicht komplett den Rang ablaufen wird. So haben selbst im ganzen Messetrubel des HeroFests ausgewählte traditionelle Spiele wie Klask, Kampf gegen das Bünzlitum sowie Mini-Tischfussballspiele, Puzzles aller Art und eine ganze Card Game Area Platz gefunden und regen Zulauf erhalten. Zudem gibt es darüber hinaus bekanntlich haufenweise Ü30 oder Ü40, die ebenfalls gerne spielen und auf dem HeroFest praktisch nicht vertreten waren.

HeroFest 2021 in Bern - Pen & Paper - Foto: BernExpo AG

Andererseits gäbe es wohl durchaus das eine oder andere, das von einer Veranstaltung wie dem HeroFest abgeschaut und auf die physischen Brett- und Kartenspiele übertragen werden könnte. Anfänge gibt es ja bereits verschiedene wie Spielemeisterschaften sowie Übertragungen von ganzen Partien und Veranstaltungen wie beispielsweise die letztjährige Spielmesse in Essen, die bekanntlich aus Coronagründen in rein elektronischer Form ausgetragen werden musste und eine Vielzahl neuer Präsentations- und Teilnahmeformen mit sich brachte.

Lehren für die Gesellschaftsspielbranche?

Warum nicht auch darüber hinaus vermehrt Fachkommentare und taktische Analysen von Experten anbieten, die das Ganze auch für Aussenstehende interessant machen? Oder gibt es tatsächlich niemanden, der nicht gerne anderen über die Schulter schauen möchte, um von ihnen profitieren und vielleicht Tipps und Tricks fürs eigene Spiel abgucken zu können?

HeroFest 2021 in Bern - Gaming - Foto: BernExpo AG

Denn eines ist klar: Selbst die Jugendlichen, die heute begeistert zocken und gamen, werden morgen oder übermorgen möglicherweise andere, ihnen besser entsprechende Spielformen zu suchen beginnen. Sie sollten dabei nicht im Stich gelassen werden. Schliesslich gilt es eines nicht zu vergessen: Das diesjährige HeroFest lockte insgesamt rund 12.000 Besucherinnen und Besucher an. Bei der Suisse Toy dagegen waren es viele Jahren rund 50. - 60.000 Personen gewesen, die das Messegelände in Bern gestürmt hatten …!

Das nächste HeroFest ist übrigens für die Zeit vom 14. – 16. Oktober 2022 geplant. Es wird sicher spannend sein zu sehen, wie sich die Veranstaltung und die Art des Spielens bis dahin entwickeln werden.

Fotos: BERNEXPO AG

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