Bericht von der 19. und vielleicht letzten Suisse Toy in Bern 2019

Nur Nieder- oder gleich der komplette Untergang?

ein Spiele-Artikel von Bernhard Zaugg - 06.07.2019
Suisse Toy 2019
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Es musste Unschönes befürchtet werden und ist fast noch schlimmer rausgekommen - die Suisse Toy scheint am Ende und es ist nicht absehbar, wie sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen wieder zu neuem Leben erweckt werden sollte oder könnte.

Dabei hatten die Veranstalter im Voraus Grosses vor und sich wirklich Mühe gegeben. Von Spiel und Spass und Abenteuern war da die Rede und von Kinderwünschen, die erfüllt werden sollten. Ein breites Spielesortiment zum Anfassung und Ausprobieren wurde versprochen und alles erinnerte an frühere Jahre, als alles noch gut war. Und dies, nachdem die letzten Austragungen der Messe von einem ziemlichen Auf und Ab begleitet waren und man sich im vergangenen Jahr zu einer etwas überraschenden Pause für die Analyse und Neuausrichtung der ganzen Veranstaltung entschlossen hatte.

Das neue Konzept bestand dann darin, dass man Teil einer (noch) grösseren, aber auch viel allgemeineren, auf ein komplett anderes Publikum ausgerichteten Messe werden wollte. Und das ging komplett schief.

Wie lief die Suisse Toy auf der BEA?

Tatsächlich hat die BEA, die traditionelle und sehr beliebte Grossveranstaltung, die sowohl Publikums- als auch Fachmesse ist, nur wenig mit der Suisse Toy und ihrer zunehmenden Profillosigkeit gemein. Die BEA zieht an zehn Tagen rund 300'000 Besucherinnen und Besucher an. Diese lassen sich von den vielfältigen Angeboten zu Haushalt, Landwirtschaft und Freizeit begeistern und machen die Veranstaltung zum vielfältigsten Schweizer Gesellschaftsevent des Jahres.

Die BEA hat also nicht auf die Suisse Toy gewartet und das merkte man. Schon deren Standort ganz am Rand des Messeplatzes war höchstens suboptimal und nur schwer zu finden. Der Zugang zur Suisse Toy führte dann zu allem Unglück auch noch entweder quer durch ein Messerestaurant oder aber über eine Art Dschungelvorplatz, hinter dem die Tür von aussen gar nicht erkennbar war.

Im Inneren gab es dann einen grossen Kinderhort und eine Freifläche für Kappla-Bauten aller Art sowie ein paar wenige versprengte Verkaufsstände, an denen sich die wenigen Unentwegten, die den Weg dahin gefunden hatten, über die spärlichen Angebote informieren lassen konnten. Dagegen gab es kaum wirkliche Brett- und Kartenspiele und noch weniger Platz zum Ausprobieren, von der Jury Spiel des Jahres und den grossen Anbietern aus früheren Jahren war überhaupt nichts zu sehen und die Stimmung im einstmals tollsten Spielzimmer der Schweiz daher höchstens trostlos, um es nicht noch unfreundlicher auszudrücken.

Wird es wieder eine Suisse Toy geben können?

Guter Rat, um die Abwärtsspirale aufzuhalten, ist da wirklich teuer. Vielleicht könnte eine Rückkehr zum ursprünglichen Konzept mit einer Beschränkung auf reine Spielangebote und -möglichkeiten Abhilfe schaffen. Duisburg mit seiner neu lancierten und erfolgreichen Publikumsmesse könnte da als Vorbild dienen. Aber genau von diesem Weg sind die Veranstalter in Bern in den vergangenen Jahren zunehmend abgerückt, so dass eine Kehrtwende eher überraschend käme. Aber man darf ja immer hoffen, selbst wenn es scheinbar kaum noch Grund dafür gibt. Umso gespannter wird jedoch zu verfolgen sein, ob überhaupt und unter welchen Rahmenbedingungen es im kommenden Jahr erneut eine Austragung der Suisse Toy (es wäre die zwanzigste!) geben wird.