Porto Carthago

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 15.08.2011
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Porto Carthago von Reich der Spiele

Wieder einmal geht es darum, Figuren siegbringend auf dem Spielbrett zu platzieren. Am Ende triumphiert, wer die zahlenmässig grösste Vertretung im Palast beim Porto Carthago hat. Dazu braucht es Einflusspunkte und Geld (honit soit qui mal y pense!). Beides gibt es für das Beladen von Schiffen im Hafen. Allerdings nur für den Eigentümer eines Quais, an dem ein passendes Schiff anlegt hat. Im Inblick darauf können Lotsen beim Leuchtturm am Hafeneingang Schiffe ihrer Wahl zum jeweils gewünschten Anlegeplatz dirigieren, allerdings nur, wenn ihre Anzahl genügend groß ist, um effektiv eine solche Aktion vorzunehmen. Sonst droht das Schiff möglicherweise bei einem neutralen Quai oder gar dem eines Konkurrenten zu landen. Zusätzlich muss der Transport eines passenden, dem Bedarf des Schiffes entsprechenden Warensteins vom persönlichen Lager ans Quai veranlasst werden, wozu es eines Trägers bedarf. Der Kauf von Waren erfolgt auf dem Markt, der allerdings nur über eine begrenzte Auswahl verfügt, so dass die benötigte Sorte eventuell gerade nicht angeboten wird.

Wie ein grober Überblick über die Abläufe bei diesem Brettspiel zeigt, gibt es bei Porto Carthago einiges zu planen und im Auge zu behalten, was nicht immer einfach und manchmal sogar unmöglich ist. Dafür verantwortlich sind einerseits die aufeinander aufbauenden und voneinander abhängigen Elemente des Spiels und andererseits diverse kleine, aber relativ entscheidende Zufallselemente. Beispielsweise werden die neuen Warensteine der Marktauslage aus einem Beutel gezogen. Weiter werden die Schiffsaktivitäten oder das Bestimmen der Anzahl Gefolgsleute, die für die einzelnen Aktionen der Spieler jede Runde benötigt werden, durch das Aufdecken von Karten festgelegt. Wenn da etwas nicht passt, droht das auch ganz unverschuldet die beste Planung zunichte zu machen. Schwierig, da die Freude am Spiel uneingeschränkt zu behalten …

Porto Carthago läuft in mehreren Dekaden ab, in denen die Spieler zu Beginn Geldprämien für ihre nicht eingesetzten Figuren erhalten. Anschließend dürfen die Spieler reihum fünfmal je eine Aktion wählen und ausführen. So können Anlegeplätze am Quai belegt oder freigegeben, Waren gekauft und eingelagert, bereits im Lager befindliche zu einem Quai tranpsortiert oder aber bis zu fünf Gefolgsleute umplatziert werden. So werden die Voraussetzungen geschaffen, um erfolgreich Schiffe am Hafen zu beladen. Das Einlaufen der Schiffe erfolgt selbständig, sofern nicht allfällige Lotsen beim Leuchtturm den Ablauf beeinflussen können. Liegt am angelaufenen Quai bereits ein zum Schiff passender Warenstein, wird wird dieser sofort auf das Schiff geladen und eine Belohnung in Form von Geld und Einflusspunkten ausgerichtet. Ansonsten muss der Stein später noch in einer entsprechenden Aktion dorthin transportiert werden.

Entscheidend für den Sieg bei Porto Carthago sind allerdings primär die Gefolgsleute im Palast. Um diese dorthin schicken zu können, braucht es ausreichende Guthaben an Geld und Handelspunkten. Geld ist abzugeben, die Handelspunkte dagegen bleiben erhalten. Klar, dass die Anforderungen im Verlauf der Partie steigen, so dass es immer teurer und anspruchsvoller wird, in den Palast zu gelangen. Wer Mangel leidet an Geld oder Handelspunkten, kann bei Porto Carthago auf den Intrigenpfad setzen. Dieser verschafft einen separaten Zugang zum Palast, allerdings auf Kosten von Handelspunkten, die eigentlich auch andernorts genutzt werden sollten. Zudem werden nur Spieler, die die meisten bzw. früher eigene Figuren dort abgestellt haben, mit einem Palastplatz belohnt. Ob die dafür massgebenden Schwellenwerte erreicht werden, weiss zu Beginn niemand, was ein gewisses Zockerelement beinhaltet. Nach spätestens fünf Dekaden ist das Spiel zu Ende; allenfalls bereits nach vier, wenn ein Spieler da bereits auf acht Handelspunkte gekommen ist. Sieger wird der Spieler mit der grössten Anzahl eigener Gefolgsleute im Palast. Bei Gleichstand gewinnt jener mit mehr Handelspunkten, sonst entscheidet das Geld.

Porto Carthago ist anspruchsvoll, sein Regelwerk jedoch überblickbar und gut verständlich. Die grafische Gestaltung des Spiels gefällt sogar sehr, selbst wenn man sich etwas besser unterscheidbare (und dickere bzw. griffigere) Geldscheine gewünscht hätte. Zudem haben die Warensteine teilweise die selbe Farbe wie die Gefolgsleute der Spieler, was zu Irritationen und blösen Verwechslungen führen kann. Das alles wäre aber kein Problem, wenn nicht (mit oder ohne eigenes Verschulden) Blockaden wie unpassende Warensteine oder Schiffe das Vorankommen empfindlich behindern würden. Nur wer regelmäßig Schiffe abfertigen und die dort eingesetzten Gefolgsleute wieder für neue Aktionen einsetzen kann, hat bei Porto Carthago eine realistische Chance auf den Sieg und entsprechend Spaß am Spiel. Andererseits eröffnet gerade die große Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten und die Unvorhersehbarkeit gewisser Abläufe Chancen, die es entschlossen zu nutzen gilt. Umso größer dann natürlich die Genugtuung, wenn solches auch tatsächlich gelungen ist. Oder aber der Dank an die glücklichen Umstände, die genau dies ermöglicht haben.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12 - 12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Fotos
Porto Carthago von Irongames
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