1969

eine Spielerezension von Michael Weber - 17.03.2013
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1969 von Cranio Creations/Heidelberger Spieleverlag

Der Weltraum, unendliche Weiten. Dabei liegt der Mond so nahe. Es wird also Zeit, zumindest diesen zu erreichen. Und exakt das gelang 1969. So sind dieses Jahr und der damalige Wettlauf zum ersten bemannten Flug zum Mond auch Thema von 1969.

Das Brettspiel 1969 ist vordergründig ein taktisches Optimierungsspiel, bei dem es gilt, mit Einnahmen Wissenschaftler anzuheuern und Missionstests zu starten. Das Weltraumprogramm von UdSSR (Für die Jüngeren unter uns: Das ist das sowjetisch-kommunistische Russland. Für die Älteren: Ja, diese Erklärung greift zu kurz und ist ungenau.), USA, Kanada, Frankreich und Deutschland soll eben erfolgreich abgeschlossen werden. Weil eine Mission zum Mond viel Geld kostet, gibt es eben dieses auch verlässlich und nach festen Regeln. Und dann gibt es da 1969 noch Geheiminformationen in Form von Karten. Der kalte Krieg lässt grüßen.

Der Spielablauf von 1969 ist im Grunde über mehrere Runden gleich und kurz zu beschreiben: Geld kassieren, Geheiminformationen beschaffen, Wissenschaftler einstellen, Missionstests starten und bei Erfolg Prestigepunkte kassieren, die am Ende über den Sieg bei 1969 entscheiden. In der (normalerweise) letzten Runde wartet dann noch der Start der Mondmission, der den Spielern satt Punkte bringen kann.

Da es bei 1969 auch noch verschiedene Wissenschaftler gibt, werden die Details schnell kompliziert, ohne das Spiel wirklich komplex zu gestalten. Jeder Wissenschaftler kann richtig eingesetzt zudem Boni im Spiel und bei den Missionstests bringen. Wer es richtig fies mag, nutzt Spione als Wissenschaftler, blockiert damit die Mitspieler und zieht deren Wissenspotenzial für sich ab. Eine anfangs meist wenig beachtete Möglichkeit, gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil zu erhalten.

Missionstests und die große Mondmission werden von speziellen Würfeln gesteuert. Der Gesamterfolg kann jeweils mit den eigenen Geheiminformationskarten modifiziert werden und von den Mitspielern mit eben solchen ebenfalls beeinflusst werden. Letzteres ist ein lahmes Unterfangen, denn Karten sind für die eigenen Missionstests zu wertvoll, um damit die Mitspieler zu ärgern.

Hinter den einfachen Grundmechanismen versteckt sich ein aufgeblähter Detailapparat, der die Mission 1969 zu einem endlosen Flug ins leere Nichts werden lässt. Mit 30 Minuten pro Spieler zieht sich das Mondprogramm der Nationen zäh dahin. Anfänglich ist man von den scheinbaren Möglichkeiten und Regelunklarheiten überwältigt, später stellt sich heraus, dass der tatsächliche Flug zum Mond 1969 spannender war als das Spiel heute. Denn 1969 macht einfach keinen Spaß! Das Brettspiel verglüht schon bei den ersten Missionsansätzen in der Atmosphäre und lässt ordentlich staubtrockene Luft zurück. Klar, der Kampf um die Wissenschaftler ist nett, der Versuch der Missionen kann spannend sein. Aber all das ist bei 1969 eingepackt in nur scheinbar vorhandene Interaktivität, unvorteilhafte Grafiken (ja, im Weltraum ist es eben dunkel …) und einen viel zu trägen und monotonen Spielablauf, dem auf halber Strecke schlicht der Treibstoff ausgeht und deutlich zu lang ist. Was bleibt ist ein Raketenstart, der zum Misserfolg wird. Ein nur kleiner Schritt für die Spieler und kein großer für den Spielspaß. So wäre der Mond wohl nie erreicht worden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
30 - 150
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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