Archipelago

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 22.11.2013
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Archipelago von Ludically
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Es gibt Gesellschaftsspiele, denen man sofort anmerkt, dass die Autoren, Illustratoren und alle sonst noch daran Beteiligten unglaublich Herzblut und Zeit in ihre Entwicklung investieren haben. So konnten sich auch beim hier vorliegenden Spiel Archipelago (Ludically) die Spieler schon weit im Vorfeld des eigentlichen Erscheinungstermins per Werkstattbericht, respektive Entwicklertagebuch u. a. über Ausstattung, Inhalt und Spielmechanik informieren. Und was man dort sehen konnte, ließ dem geübten Aufbau- oder Worker-Placement-Spieler das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Archipelago ist im Zeitalter der großen Entdeckungen angesiedelt, und es gilt, unbekannte Eilande zu erforschen, zu besiedeln und zu kultivieren, ohne dabei jedoch die Interessen der dort lebenden Eingeboren außer Acht zu lassen. Öffnet man das Spiel zum ersten Mal, wird man förmlich erschlagen von der schieren Masse an tollem Material und Zubehör. Grafisch ist das alles wunderschön aufbereitet, wirkt aber teilweise leider schon fast ein wenig überfrachtet.

Jeder der Spieler erhält bei Spielstart ein gewisses Grundguthaben an Geld, Bürgern und Schiffen sowie eine Spielzielkarte, die jedem Spieler eine andere Bedingung für ein sofortiges Spielende und eine spezielle Möglichkeit der Generierung von Siegpunkten vorgibt. Das Spielfeld wird nun ausgehend von einem Meeres-Hexfeld nach und nach aus weiteren Hexfeldern gebildet, welche jeweils nach ihrer Entdeckung per Schiff oder zu Fuß durch die einzelnen Spieler an bereits entdeckte Gebiete angelegt werden. Mit jedem neu entdeckten Gebiet steigt die Anzahl an möglichen Arbeitskräften, und zusätzliche Rohstoffe können geerntet bzw. abgebaut werden. Insgesamt gibt es im Spiel sechs Rohstoffsorten. Diese können im regionalen bzw. im Export-Markt gehandelt werden. Wer nun allerdings hinter Archipelago eines der üblichen Warenwirtschafts-Spiele vermutet, liegt falsch, denn Archipelago ist viel mehr!

So können die Spieler aus insgesamt dreizehn möglichen Aktionen auswählen. Neben, wie schon erwähnt, diversen Erntemöglichkeiten, zählen das Bauen von Häfen, Märkten, Tempeln oder Städten ebenso dazu wie die Migration (Bewegung), die Rekrutierung von Arbeitern, das Eintreiben von Steuern oder die Sorge um den Nachwuchs. Außerdem gibt es noch 48 Entwicklungskarten, durch deren Erwerb die Spieler unterschiedlichste Persönlichkeiten anheuern oder Fortschritte in der Entwicklung machen können. Eine genauere Regelbeschreibung erspare ich mir an diesem Punkt jedoch, da die eigentliche Regel überaus umfangreich und komplex, sowie mit diversen Einschränkungen und Ausnahmen versehen ist.

Sehr wichtig ist hingegen der Hinweis, dass Archipelago ein semi-kooperatives Spiel ist; entweder es gewinnt also ein Spieler oder alle verlieren gemeinsam. Dieser Komponente wird durch das Rebellionspotenzial in der Tabelle Stabilität in der Kolonie Rechnung getragen. Hungersnot, skrupellose Ausbeutung oder Arbeitslosigkeit erhöhen dieses, und übersteigt es irgendwann einmal die Anzahl der Bevölkerung, ist damit der Aufbau der Musterkolonie gnadenlos gescheitert.

Zu Spielbeginn wirkt Archipelago hochgradig ansprechend und interessant. Leider stellen sich im Laufe des Spiels die Entwickler durch eine schlecht gegliederte und optisch völlig überfrachtete Spielregel selbst ein Bein. Aber anscheinend ist diese grafische Selbstverliebtheit, auch auf Kosten der Übersichtlichkeit, ein oft zu beobachtendes Dauerdilemma unserer französischen Nachbarn. Dadurch wird das Nachschlagen von Unklarheiten in der sehr detaillierten Regel während des Spiels zum Problem und hemmt so ungewollt den Spielfluss. Nur eine gleichbleibende Spielrunde, die sich Archipelago Partie für Partie regeltechnisch erarbeitet wird letztendlich in den Genuss eines perfekt ablaufenden Spiels kommen.

Auf viele Spieler mag Archipelago zwar völlig überfrachtet wirken, gerade deshalb sollten sich Vielspieler davon nicht abschrecken lassen. Genügend interessante Spielelemente und –details warten nämlich darauf, entdeckt und ausprobiert zu werden. Zudem hat der Verlag Ludically durch die nachträgliche Veröffentlichung eines Aufgaben-Kartendecks einen Solo-Spielermodus freigeschaltet.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Spieldauer (Minuten): 
90 - 300
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
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