Aufstieg der Gilden

eine Spielerezension von Axel Bungart - 12.10.2018
  Spiel kaufen kommentieren
Aufstieg der Gilden - Foto von Asmodee
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Beim Brettspiel Aufstieg der Gilden von Christian Giove (Stratelibri/Giochi Uniti/Asmodee) wollen zwei bis vier Spieler ihre Gilden erweitern. Dazu holen sie sich menschliche und tierische Charaktere in ihre Gilde. Jeder hat halt so seinen Platz.

Wie funktioniert Aufstieg der Gilden?

Abgehandelt wird das Ganze im Stadtzentrum, einem sechseckigen, zentralen Spielplan, der in sechs Bereiche eingeteilt ist. In jedem finden sich Zelte in den Farben der verschiedenen Gilden (Spieler). Vor jedem Spieler liegt außerdem eine Eingangshalle, die man mit Raumplättchen ausbauen kann und sollte. Um Raumplättchen zu kaufen benötigt es aber Gold, das man nur bekommt, wenn man nicht zu viel von seinem Silber bietet.

An die Bereiche auf dem zentralen Spielplan werden (je nach Spielerzahl unterschiedlich viele) Charakterkarten angelegt, auf die die Spieler reihum mittels Silbermünzen Gebote abgeben können. Der Kniff beim Bieten ist, dass man nach dem Bieten in zwei der sechs Bereichen die Mehrheit haben muss, sonst darf man gar nicht bieten.

Hat man in wenigstens einem Bereich die Mehrheit, wenn man wieder am Zug ist, kann man sich einen der Charaktere nehmen und zu den anderen in seine Gilde legen. So wächst die Gilde nach und nach, bringt einem mehr Einkommen und später Siegpunkte. Dazu versucht man, die ausgelobten Ziele für das Spielende zu erreichen, wie z. B. die meisten Charaktere besitzen oder die meisten Charaktere eine Fraktion oder das meiste Geld, oder, oder, oder … Hierfür gibt es noch einmal satt Punkte. Nach sechs bis acht Runden gewinnt, wer die meisten Punkte hat.

Macht das Brettspiel Aufstieg der Gilden Spaß?

Aufstieg der Gilden ist ein recht unterhaltsames Spiel. Wesentlicher Bestandteil ist die Versteigerung der Charaktere. Diese werden desto ehrgeiziger geführt, je mehr das Einkommen der Spieler und damit die Anzahl der Bietrunden wächst. Dann entstehen mitunter aufreibende Bietwettkämpfe um einzelne Karten. Ein durchaus bestehender Monopolyeffekt (mehr Silber -> mehr Karten, die einem Geld einbringen) wird dadurch gebremst, dass häufig mehrere Karten ausliegen, die einem Silber einbringen und selbst reichere Spieler aufgrund der Zwei-Mehrheiten-Regelung nicht auf alles gleichzeitig bieten können. Und: Silber ist trotz besserer Möglichkeiten nicht das alleinherrschende Mittel. In unseren Runden konnte selbst der mit dem niedrigsten Einkommen das Spiel gewinnen.

Herausfordernd ist das Silbermanagement auch deshalb, weil man kein Silber mit in die nächste Runden nehmen darf. Trotzdem sollte man aber noch Silber übrig haben, um es im Verhältnis 5:1 in Gold zu tauschen und damit Räume für seine Eingangshalle zu kaufen. Die Räume bringen einem vor allem Siegpunkte. Optimieren ist also angesagt: Wie viel Silber investiert man beim Versteigern oder behält es zurück?

Mit wachsender Zahl der Charakterkarten in der eigenen Gilde wird es dann eine Aufgabe, diese zu überblicken. Einige Charaktere erhöhen das Einkommen aufgrund anderer Charaktere in der Gilde, also muss man aufpassen, nichts zu übersehen. Das Gleiche gilt für Siegpunkte am Spielende.

Gutes Spiel mit kleinen Lücken

Das Material ist von guter Qualität. Die Karten sind sehr schön gezeichnet und die Texte darauf eindeutig. Nicht ganz lückenlos ist dagegen die eigentlich ordentliche Spielregel. Es fehlt der Hinweis auf doppelfarbige Fraktionssymbole, und es werden manche Kartenzusammenhänge nicht erklärt (wie z. B. der Drache und der Drachenwelpe). Auch die Funktion der kleinen Symbole auf den Raumplättchen wird nicht explizit erklärt. Es ergibt sich dann ggf., wenn bestimmte Charaktere ins Spiel kommen, die sich darauf beziehen. Aber wenn diese gar nicht ins Spiel kommen, bleibt es für Spieler, die es das erste Mal spielen rätselhaft. Ausführliche Beispiele wurden in ein Glossar ausgegliedert, was in Anbetracht der Kürze der Regel nicht notwendig gewesen wäre.

Aufstieg der Gilden konnte in unseren Runden durchaus punkten. Die Wartezeit, bis man wieder an der Reihe ist, ist sehr gering, die Bietrunden sind spannend und tragen über die Spieldauer. Ein Glückfaktor ist quasi nicht vorhanden. Auch gibt es Karten, mit denen man in die Gilde eines Gegners eingreifen kann, indem man ihm Geld raubt oder sogar einen Charakter „tötet“. Daher richtet sich das Spiel eher an etwas erfahrenere, nicht mehr ganz so junge Spieler. Zu zweit fehlt ihm sicher der Reiz, da Versteigerungen immer von der Anzahl der Spieler leben. Aber schon zu dritt ist meist mehr Konkurrenz vorhanden, als einem lieb ist. Und die gilt es, bei der nächsten Partie auszustechen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel