Burg Kletterfrosch

eine Spielerezension von Florian Kirchhof - 22.06.2018
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Kinderspiel Burg Kletterfrosch Spielaufbau - Foto von Haba
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Willkommen auf Burg Kletterfrosch! In dem lustigen Kinderspiel von Markus Nikisch, Gunter Baars aus dem Hause Haba geht es hoch hinaus. Unsere Aufgabe ist es, den schusseligen Burgbewohnern ihre Gegenstände aus dem Dorfteich zu fischen und sie mit Hilfe von Francesco dem Kletterfrosch wieder zurückzubringen. Besonders toll ist, dass der Spielkarton dabei zum „Spielbrett“ mutiert. Wobei Spielbrett nicht wörtlich zu nehmen ist, denn bei Burg Kletterfrosch geht es eher nach oben.

Bevor es losgehen kann, muss erst einmal ein wenig Vorbereitung stattfinden. Der Karton wird mit vier Stegen zur „Grundfläche“ für das Spiel. Praktisch dabei ist, dass in den entstandenen Lücken später das Spielmaterial Platz findet, wenn das Spiel wieder verstaut werden soll und die Stege fortan so bleiben können. Nun müssen aus den Spielplänen Pappteile ausgestanzt werden.

Achtung: Es gibt insgesamt zehn Teile, die nicht im Müll landen sollten, sie sind optional auszustanzen.

Die Anleitung ist hier allerdings mehr als verständlich geschrieben und die Teile gut bebildert.

Wie wird Burg Kletterfrosch gespielt?

Wir beginnen unsere erste Runde und sind schon sehr gespannt. Zu Beginn suchen wir uns einen Burgbewohner aus, der zurück in den Karton wandern muss. (Warum das passieren muss, wird gleich klar). Die restlichen neun Fensterplättchen landen verdeckt im Burgturm, sodass ein Fenster frei bleibt. Von den 20 Gemäldekarten sortieren wir die beiden mit dem ausgezogenen Burgbewohner aus, auch sie landen im Karton. Die verbliebenden 18 Gemäldekarten (je zwei pro Bewohner) legen wir verdeckt und gemischt ins Beet vor die Burg. Der erste Spieler ist an der Reihe, deckt die oberste Karte auf und legt sie offen vor die Burg. Die Karte zeigt, welcher Burgbewohner gefunden werden soll.

Der Spieler an der Reihe deckt nach Belieben ein Fenster auf, indem er das Plättchen umdreht. Entdeckt er den gesuchten Burgbewohner, folgt Phase zwei, ist es der falsche Bewohner, wird das Plättchen umgedreht und wandert zum freien Fenster. Somit sind die Bewohner nicht lange an den selben Stellen zu finden. Der nächste Spieler ist an der Reihe. Es sei denn, wir haben den richtigen Bewohner gefunden, dann müssen wir gucken, welche Kugel aus dem Burgteich er haben möchte. Dies zeigt uns die Karte gut an. Wir nehmen die Kugel und legen sie auf Francescos Kopf. Nun müssen wir mit Hilfe von zwei Schnüren (links und rechts) unseren Kletterfrosch nach oben balancieren. Dabei müssen wir aufpassen, dass die Kugel nicht runterfällt oder in einem falschen Loch landet. Schaffen wir das, wandert die Gemäldekarte zu uns, schaffen wir es nicht, geht sie in den Karton zurück. In jedem Fall wird das Fensterplättchen umgedreht und der nächste Spieler ist dran, indem er eine neue Karte zieht und die entsprechende Figur suchen muss.

So spielen wir, bis es keine Karten mehr gibt. Am Ende gewinnt, wer von uns am meisten Burgbewohnern helfen konnte, sprich wer am meisten Karten gesammelt hat.

Die kooperative Variante bei Burg Kletterfrosch

Burg Kletterfrosch kommt mit einer zweiten Variante gespielt zu werden. Diese stellt ein kooperatives Spiel dar. Im Gegensatz zum Grundspiel entfällt die erste Phase und es muss auch kein Bewohner vorher ausziehen. Im Gegenteil, alle Bewohner landen offen in der Burg und auch alle Karten werden genutzt. Gespielt wird in wechselnden Zweierteams. Eine Karte wird umgedreht, ein Spieler nimmt die linke und einer die rechte Schnur und gemeinsam muss nun die Kugel zum richtigen Bewohner gebracht werden. Das erfordert nun neben Geschicklichkeit auch eine gute Portion Absprache und Teamwork. Gelingt es, bleibt die Karte offen neben der Burg, gelingt es nicht, wandert sie in den Karton. Nun wechselt die Spielerkonstellation und eine neue Karte wird gezogen. Je mehr Karten gesammelt wurden, desto näher kommen alle Spieler dem Titel „beste Kletterfrösche im Königreich“.

Die Solovariante bei Burg Kletterfrosch

Beim Solospiel sind ebenfalls alle Fenster geöffnet. Das Ziel des Spiels ist es, bevor die Sanduhr abgelaufen ist, so viele Karten wie möglich gesammelt zu haben.

Burg Kletterfrosch: Lohnt sich eine Burgbesichtigung?

Den Kindern meiner Kindergartengruppe hat das Spiel sehr viel Spaß gemacht. Besonders schön dabei ist, dass es sehr schnell erklärt ist. Die Abläufe sind sehr einfach zu verstehen und es kann schnell losgespielt werden. Der Aufbau des Spiels geht nach dem ersten richtigen Aufbau auch wie von selbst von der Hand. In Punkto Design konnte das Spiel für uns voll punkten. „Die Prinzessin ist so süß, ich will die sein“, „Der Clown sieht aber lustig aus“ und Sätze wie diese fielen von den Kindern. Ich kann dem zustimmen, die Karten, sowie die Fensterplättchen sind liebevoll gestaltet. Obwohl es zwei, drei mehr Frauen hätten sein dürfen. Der Rand des Spielkartons stellt eine Burgmauer mit Menschen, hier finden sich dafür einige Frauen zum Ausgleich, Markplatz und ähnlichem dar, auf ihm landet das Spielbrett mit Teich, Thron für den Frosch, Beet und ähnlichem und von dort wächst der Burgturm in die Höhe. Auch dieser ist wirklich schön dargestellt. Man spürt die Liebe zum Detail. Für Kinderaugen geht dieser Plan völlig auf.

Ein weitere großer Spaß- und somit Pluspunkt ist der 3D-Aufbau. Dass das Spiel nach oben gespielt wird kam super an. Ich persönlich finde die Balance zwischen Konzentration und Geschicklichkeit sehr gut ausgewogen. Das Spiel verknüpft die Inhalte eines klassischen Memo-Spiels mit Geschicklichkeitselementen. Durch das ständige „Umziehen“ der Burgbewohner ist es selbst bei „nur“ neun Fenstern gar nicht so leicht, sich zu merken wo die Personen am Ende zu finden sind. Dies gibt dem Spiel einen hohen Wiederspielwert. Ebenso wie die Möglichkeit in der kooperativen Variante zu Spielen und ein ganz anderes Spielgefühl zu erleben. Insgesamt funktioniert das „Hochziehen“ des Froschs wirklich sehr gut. Ich war zu Anfang skeptisch, ob das so funktionieren kann wie geplant, wurde aber positiv überrascht.

An dieser Stelle kommt auch die größte Kritik ins Spiel. Nach einigen Runden stellten wir fest, dass es in der Grundspielvariante einfach zu einfach ist. Am schwierigsten wurde zum Ende, den richtigen Bewohner zu finden. Besonders für Kinder ab oder über fünf Jahren stellt das Spiel schnell keine richtig große Herausforderung mehr dar. Zwar hat unser kleiner Kletterfrosch noch ein Ass im Ärmel. Denn neben den zehn regulären Löchern unterhalb der Fenster, lassen sich zehn weitere „Puzzleelemente“ aus dem Burgturm entfernen um optional weitere Löcher freizugeben, doch nach einigen Runden ist auch dies keine riesige Herausforderung mehr. Zwar kommt das Spiel mit einer Sanduhr daher, welche während ein Spieler in der Kletterphase ist genutzt werden kann. Doch selbst damit wird es auch nicht wirklich „knapp“. Manchmal gelingt es nicht, manchmal versinkt die Kugel im falschen Loch. Aber meistens ist der Frosch „schwupps“ nach oben geklettert und die Kugel dort, wo sie landen muss. Erstaunlich ist, dass die Kinder trotzdem nicht den Spaß verloren haben. Wahrscheinlich, weil das Finden der Bewohner wirklich nicht ohne war und das Klettern eher als entspannte Belohnung angesehen wurde.   

Und trotzdem, mit Burg Kletterfrosch werden viele Elemente in einem tollen Kinderspiel fusioniert. Die klassischen Memo-Lerneffekte werden mit Geschicklichkeit und gewissem räumlichen Denken verknüpft. Kinder lernen hier, sich zu konzentrieren und sich Dinge zu merken, aber gleichzeitig auch auf Veränderungen zu achten. Außerdem Erfahren sie ein wenig, wie das mit der Physik so funktioniert, wenn ich hier ziehe geht der Frosch nach da, die Kugel aber eher nach hier und andersherum. Da jeder Burgbewohner seine eigene Farbe sucht, kommen auch diese mit ins Spiel und bilden einen weiteren kleinen Lernbereich. Bis auf die kaum erkennbaren Unterschiede zwischen Dunkelgrün und Grau sind die bunten Kugeln gut gelungen. Die Möglichkeit, im Team gemeinsam zu spielen, fördert das Miteinander und gibt ein gänzlich anderes Spielgefühl preis. Besonders zu zweit und in der schwierigsten Variante ist es nicht mehr so leicht, den Frosch samt Kugel durch den Turm zu manövrieren. Hier wird es dann doch auch etwas fordernder für die Kinder.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
5
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Fotos
Kinderspiel Burg Kletterfrosch  Foto von Haba
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