Dakota

eine Spielerezension von Silke Groth - 09.10.2011
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Dakota von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Diametral entgegengesetzt sind die Interessen der beiden agierenden Parteien im Brettspiel Dakota. Die amerikanischen Ureinwohner leben im Einklang mit der Natur, während es für die Siedler vor allem um Fortschritt und Landnahme geht, wofür möglichst schnell benötigte Ressourcen gewonnen werden müssen. Ein viel diskutiertes und oftmals blutiges Kapitel in der amerikanischen Geschichte, das hier spielerisch umgesetzt wird.

In Dakota übernehmen die Spieler eine der beiden gegensätzlichen Rollen und versuchen nach einer festgelegten Anzahl von Runden die meisten Siegpunkte, vornehmlich durch den Bau von Gebäuden oder Totempfählen, zu gewinnen. Dabei müssen die Gruppen nicht gleich groß sein, es kann auch zu Extrem-Konstellationen kommen: zum Beispiel vier Siedler und ein einsamer Ureinwohner. Als Ausgleich kommen dann neutrale Figuren zum Zuge, welche die zahlenmäßig unterlegene Gruppe aufstocken.

Der Spielplan zeigt fünf verschiedene Landschaftstypen mit bis zu fünf dazugehörigen Gebieten. Jedes Gebiet enthält bestimmte Ressourcen in zwei Reihen. Die obere Reihe enthält vornehmlich Ressourcen, die für die Ureinwohner von Interesse sind. Erst wenn diese Reihe komplett abgegrast ist, wird die untere Reihe aktiviert und gibt Ressourcen frei, die die Siedler zum Bau ihrer Einrichtungen benötigen. Um anständig nach Metall  graben zu können, muss also vorher das Gebirge von störenden Umwelteinflüssen (Flora und Fauna) befreit werden. Ist das Gebiet komplett ausgebeutet, wird ein weiteres Feld dieses Landschaftstyps (sofern noch verfügbar) aktiviert.

Ist das Setting noch recht ungewöhnlich, bietet Dakota vornehmlich recht traditionelle Spielekost. Die Spieler senden in zwei Einsetzrunden Siedler, Ureinwohner und neutrale Spielfiguren aus, um Rohstoffe zu sammeln oder auf dem Markt einzukaufen. Jede Spielfigur der zahlenmäßig stärkere Gruppe in einem Gebiet sammelt eine Ressource (nur solange der Vorrat reicht, auch hier sammelt zuerst der „Stärkste” innerhalb dieser Gruppe), die Unterlegenen ziehen mit leeren Taschen von dannen.

Mit den Ressourcen können die Spieler nun Einrichtungen und Verstärkungen bauen, die Siegpunkte bringen (nur Einrichtungen) und einen besonderen Nutzen bieten, wie zusätzliches Einkommen, die Möglichkeit einem Gebiet einen Ressourcenmarker hinzuzufügen, oder eine Spielfigur aufrüsten, sodass sie bei der Mehrheitsbestimmung wie zwei Figuren zählt. Ureinwohner bauen natürlich Totempfähle, Siedler Banken, Schmieden und die Eisenbahn mit jeweils ganz unterschiedlichen Möglichkeiten. Alternativ können Rohstoffe auch schlicht verkauft werden. Das dadurch gewonnene Einkommen kann nicht nur auf dem Marktplatz verprasst, sondern auch in zusätzliche Spielfiguren oder Siegpunkte umgetauscht werden.

Die Interessen der entgegengesetzten Parteien sind bei Dakota gut umgesetzt. Die Siedler haben den Antrieb, möglichst schnell an die benötigten Ressourcen zu kommen, die Ureinwohner, quasi die Grünen der amerikanischen Vergangenheit, setzen auf Nachhaltigkeit und nachwachsende Rohstoffe. Beide Parts spielen sich deutlich unterschiedlich, haben nicht nur andere „Bauvorhaben und -kosten”, sondern auch noch verschiedene Rohstoffpreise. Während für die Ureinwohner Büffel die wertvollsten aller Güter sind, stehen diese aus der Sicht der Siedler nur blöd in der Gegend rum und besetzen wertvolles Ackerland und haben dementsprechend niedrigere Marktpreise.

Einen designtechnischen Schnitzer gibt es bei der Handhabe mit den unterschiedlichen Gruppengrößen. Theoretisch schaffen die neutralen Figuren einen Ausgleich, leider haben diese Figuren einen entscheidenden Nachteil: Neutral heißt, auch die Gegenseite kann sie setzen. Und wohin werden neutrale Figuren der Gegenseite gesetzt? Da, wo sie nicht weiter stören. So kann in Extrem-Konstellationen mit einem einzelnen Spieler auf einer Seite, dieser über mehrere Runden komplett blockiert werden, ohne dass er wirklich von „seinen” zusätzlichen neutralen Figuren profitieren könnte. Daher sollte darauf geachtet werden, die Spieler gleichmäßig zu verteilen.

Der Mechanismus reicht für eine Handvoll interessanter Partien, bis Dakota komplett entdeckt ist und leider ziemlich schnell eintönig wird. Zu gleichförmig sind die einzelnen Runden, zu wenig Einrichtungen und Verstärkungen gibt es um das Spiel abwechslungsreich zu machen und dauerhaft gefesselt zu bleiben. Auch die Möglichkeit, temporäre Bündnisse zu schließen, trägt das Spiel nicht von Dauer, da im Grunde jeder auf eigene Rechnung spielt. Alles in allem ist Dakota trotz origineller Idee nur spielerisches Mittelmaß.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
13
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
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