Die Hörbies

eine Spielerezension von Alex Sch. - 25.05.2018
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Kinderspiel Die Hörbies - Foto von Haba
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Blinde Kuh und Topfschlagen sind bei uns Klassiker auf allen Kindergeburtstagen. Vermutlich solange das Jubiläumsjahr noch einstellig bleibt. Aber genau diese Zielgruppe ist es auch, die von dem Kinderspiel Die Hörbies von Haba angesprochen wird. Und ähnlich wie bei den beiden genannten Kindergeburtstagslegenden, isoliert dieses Spiel von Wolfgang Lehmann ein einzelnes Sinnesorgan, auf das es hauptsächlich in den ca. 10-20 Minuten Spielzeit ankommt: das Ohr.

Worum geht es bei Die Hörbies?

Die Spielregeln geben eine Geschichte vor, die in Kürze wiedergegeben werden kann mit: Hörbies sind fabelhafte Wesen und von Beruf Bauarbeiter. Sie müssen sich mittels zweier Hilfsmittel über die Distanz der Fantasiestadt Informationen zukommen lassen. Da es in dieser Welt keinen Funk gibt und auch Rauchzeichen zu ungenau wären, wurde das Kratzophon erfunden. Dazu gehört natürlich ein Kratzer. Bei genauerer Betrachtung sind das ein Holzstift und ein viereckiges Brett, das komplett bespannt ist mit dem Material, woran man so gut etwas Kletten kann. Seine hervorragendste Eigenschaft, neben der Adhäsionfähigkeit von Klettschuhen, ist es, deutlich vernehmbare Geräusche zu generieren, wenn man mit dem Holz darüber streicht.

Zudem verfügt jeder über eine Tippkarte, auf welcher 25 Symbole aufgezeichnet sind. Das kann ein Bett sein oder ein Besen, bis hin zum Schmetterling. Kratzen kann immer nur einer, die anderen müssen Lauschen. Und zwar versuchen sie zu erraten, welches der 25 Symbole der Vor-Kratzer auf das Kratzophon gepaust hat. Wichtig ist es da, genau darauf zu achten, wie viele Striche es waren, wie lange sie anhielten und natürlich wie viele Punkte vorkamen. Denn Punkte werden vom Vor-Kratzer deutlich aufgestoßen. Mit dem Kratzer versteht sich. Jeder Mitspieler tippt also, welches Symbol gemeint gewesen sein könnte und legt seinen Tippmarker darauf.

Ab dieser Phase kommt nun noch ein Spiel im Spiel hinzu. Es ist eine Art Memospiel. In der Mitte liegen nämlich noch andere Karten mit Häusern in fünf verschiedenen Farben aus und zwar verdeckt. Jeder der richtig lag und auf jeden Fall der Vor-Kratzer darf sich nacheinander eines der Häuser nehmen. Wenn man die neu aufgedeckte Häuserfarbe bereits besitzt, muss man sie wieder zudecken und liegen lassen. Andere können sie vielleicht gut gebrauchen, müssen es sich aber merken. Wer als erster 4 Häuser unterschiedlicher Farben besitzt, hat Die Hörbies gewonnen.

Fazit: Lohnen sich Die Hörbies?

In der Spielschachtel wartet einiges an Inhalt. Der Kratzer und das "Kratzophon" sind robust, selbst in kleinen Kinderhänden. Aufgrund der verschiedensten Spielteile und der Notwendigkeit, die Memotafeln auszulegen, dauert der Aufbau etwas, hält sich jedoch insgesamt im Vergleich zur Spieldauer in Grenzen. 

Ein Spiel, das den Hörsinn derart in den Vordergrund rückt, ist mir bislang noch nie untergekommen. Per se ist es deswegen etwas Besonderes an unserem Familientisch. Das Erraten, was der andere mit dem Stift "kratzt", fesselt aber nicht nur mich, sondern auch meine Kinder. Ich konnte förmlich meiner Tochter am Gesicht ablesen, wie es in ihrem Hirn rattert. Hören - verarbeiten - umsetzen. Der nächste Schritt ist das Lernen. Aus diesem Blickwinkel ist jede Partie mit den Hörbies schon ein Erfolg. Es erfordert jedoch auch einiges an Konzentration und auch absoluter Ruhe im Raum. Jedes Nebengeräusch kann das Spielgefühl trüben. Die Spielschachtel empfiehlt ein Altersspektrum von 5-99 Jahren. Die Fünf kann ich absolut bestätigen, die 99 nicht so ganz, denn unsere Oma hatte als Mitspielerin so einige Probleme das Kratzen auch wirklich wahrzunehmen. Ein individuelles Problem, das aber nicht unerwähnt bleiben sollte: Wer Die Hörbies spielen will, braucht ein gutes Gehör.

Das Kinder- und Familienspiel hat also ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal und dieses "Kratzophon" ist schon besonders. Das fasziniert und interessiert die Kinder, mit denen wir es in verschiedensten Konstellationen gespielt haben. Allerdings lässt die Euphorie recht schnell nach. Der Kern des Spiels ist das Lauschen und das "Kratzen". Das ist spannend. Der Rest außen herum und die Siegbedingung wirkt aufgesetzt und macht langfristig weniger Spaß. Das hat mich an Ubongo und die Edelsteine erinnert, welche man sammeln musste, um zu gewinnen. Das war mir sowohl bei Ubongo, als auch hier ein Dorn im Auge und verwässert das Spielgefühl. Deshalb haben wir das Spiel nach den ersten Partien nur noch in einer abgespeckten Variante gespielt: Komplett ohne die Memokarten. Hat auch funktioniert und beschränkte die Besonderheit dieses Spiels auf das Wesentliche, ohne Langweilig zu werden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
3-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
5
Spieldauer (Minuten): 
15-20
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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