Garten-Zwerge e. V.

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 31.10.2005
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Garten-Zwerge e. V. von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Woher kommt eigentlich so ein Gartenzwerg? Nicht etwa, wie bisher gemeinhin angenommen wurde, vom Fabrikfließband. Der Autor ist der Frage nachgegangen und fördert erstaunliches zu Tage: Gartenzwerge werden in speziellen Vereinen gezüchtet!

Einer dieser Vereine benötigt einen neuen Vorsitzenden, was natürlich die Spieler auf den Plan ruft. Den vakanten Job bekommt, wer als Erster einen Zwerg mit goldener Mütze züchtet oder kauft. Die Wichtel gibt es nämlich in sieben Variationen von unterschiedlichem Wert. Ausgestattet zunächst mit je zwei Exemplaren minderer Qualität und einigen Geldscheinen (passender Weise „Blüten“ genannt), weisen die Spieler ihren Zwergen jede Runde verschiedenste Aufgaben zu. Zwei gleichartige Zwerge dürfen zum Beispiel gegen einen höherwertigen eingetauscht, zur Geldbeschaffung auf Wettbewerbe geschickt oder auch verkauft werden. Das wichtigste aber ist die Zucht: Der Spieler verkündet, einen Partner für einen bestimmten seiner Zwerge zu suchen, woraufhin die Mitspieler gleichzeitig Gebote abgeben. Sofern sich mindestens eines davon mit dem deckt, was der Suchende maximal zu zahlen bereit ist, drückt dieser die entsprechenden Blüten ab und erhält im Gegenzug für den Rest der Runde den Zwerg des anderen Spielers. Was dann im Dunkel der Gartenlaube vor sich geht, sei mal dahingestellt ... Jedenfalls kommt ein Zwerg mehr wieder hinaus, als die Hütte ursprünglich betreten haben.

Umgekehrt kann man einen Zwerg auch den Mitspielern für deren Zuchtversuche anbieten und kassiert dafür selbst Geld. Falls alle Versuche, einen Partner zu finden, fehlschlagen, bleibt noch Gartenarbeit, die immerhin 50 Blüten einbringt. Was allerdings nur die Hälfte des Unterhalts ausmacht, den die Spieler am Ende einer Runde für jeden ihrer Zwerge aufbringen müssen – wer da nicht mehr flüssig ist, muss halt Zwangsverkäufe durchführen. Sobald ein Spieler nach diesen Zahlungen noch genügend Blüten besitzt, um einen gold-bemützten Zwerg zu erwerben, oder einen entsprechenden Zuchterfolg feiern konnte, ist er der Sieger und stolzer neuer Vorsitzender des Gartenzwergezüchtervereins „Goldene Mütze e. V.“.

Klagte da nicht neulich jemand, die Deutschen hätten im Spiele-Bereich keinen Sinn für Humor? Garten-Zwerge e. V. beweist das Gegenteil. Die Idee, das Paarungsverhalten von Gartenzwergen zum Thema zu machen, ist nicht von schlechten Eltern und allein schon für einige Bonus-Punkte gut. Hinzu kommt die liebevolle Graphik, welche das Geschehen treffend illustriert, und einige gelungene spielerische Kniffe, wie die verschiedenen Bietmechanismen, die sauber ausgearbeitet wurden.

Die guten Ideen nutzen sich jedoch mit der Zeit ab. Haben sich die Spieler in den ersten Runden genügend über die Vorstellung amüsiert, was die Zwerge da so in der Gartenlaube treiben, tun sich arge Längen im Ablauf ab. Immer wieder werden verschiedene Kartenstapel gemischt, um Zuchtergebnisse und Gewinner eines Wettbewerbs zu ermitteln. Zwar sind die Chancen auf Erfolg umso höher, je hochwertiger die ins Rennen geworfenen Zwerge sind, aber letztlich entscheidet, obwohl jeder Spieler objektiv einige Entscheidungen zu treffen hat, immer der Zufall. Dafür dauert der Spaß dann doch ein wenig zu lang.

Garten-Zwerge e. V. lebt ganz klar von seinem Thema – ginge es beispielsweise um Pferdezucht, würde es sicherlich schnell hinten im Regal verstauben. So aber ist ihm als spielerische Kuriosität, die dann und wann gerne auf den Tisch kommt, ein gewisser warmer Platz im Herzen sicher. Aus vier Züchtern sollte die Runde jedoch mindestens bestehen, ansonsten wird es etwas fad.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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