Kuhhandel - Das Brettspiel

eine Spielerezension von Stephan Blüml - 20.07.2016
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Kuhhandel - Das Brettspiel - Foto von Ravensburger

Das Kartenspiel Kuhhandel ist schon seit Ewigkeiten eines meiner Lieblingskartenspiele. Über die Jahrzehnte ist es immer wieder mal von einem zum anderen Verlag gewandert und mit leichten Modifizierungen und anderem Design und Schachtelgröße veröffentlicht worden. Bei guten Spielen ist das so! Mittlerweile ist es allerdings auch schon normal, dass zum erfolgreichen Spiel entweder das Kartenspiel, Würfelspiel oder Brettspiel erscheint. So hat mein geliebtes Kartenspiel Kuhhandel einen großen Bruder bekommen und will mit imposantem Material und einer Vielzahl an Versteigerungstypen dem geneigtem Kuhhandel-Spieler ein Maximum an Abwechslung bieten.

Wodurch unterscheiden sich nun die Versionen?

Gleich vorweg gesagt, Kuhandel - Das Brettspiel von Rüdiger Koltze und Max Kirps (Ravensburger) erfindet sich nicht komplett neu, könnte eher als gepimpte, erweiterte Variante verstanden werden. Es gibt zwar ein paar entscheidende Regeländerungen, die es erfordern, seine gewohnten strategischen Überlegungen zu ändern, aber im Kern wird noch immer versucht, möglichst viele gleiche und bestenfalls wertvolle Tiere zu ersteigern und sich gegenseitig über den Tisch zu ziehen.

In der Brettspielvariante nehmen die Spieler über den Spielplan nun Einfluss, was und wie versteigert wird, was in der letzten Kartenspielversion dem Zufall überlassen war. Zudem wird die Kohle auf der Hand bei der Schlusswertung mitgezählt, was einem bisher am Spielende nichts mehr brachte. Das heißt, noch ein zusätzlicher Berechnungsfaktor beim Versteigern und Handeln mehr. Das wurde mir in der ersten Partie auch zum Verhängnis.

Kennt Ihr das? Da gibt es einen Spieler in eurer Runde der ständig gewinnt und ihr denkt: "In diesem Spiel nicht! - denn in diesem Spiel bin ich unschlagbar. In diesem Spiel hol' ich mir meine Ehre und meinen Respekt zurück".  Tja, da machten mir die Regeländerungen ordentlich einen Strich durch die Rechnung. War ich es doch gewohnt, dass solange gekuhandelt wird, bis alle Quartette verteilt sind. Im Brettspiel endet nun das Spiel, sobald das letzte Tier versteigert wurde, gewertet werden dann nur die kompletten Tiergattungen und das Geld auf der Hand. Somit kann es passieren, dass das Spiel zu Ende ist, bevor man sich die fehlenden Tiere beim Mitspieler erkuhhandeln konnte. Zudem muss sich der Spieler noch besser überlegen, wie viel Geld er beim Kuhhandeln setzt, da dies nun auch Punkte am Spielende sind, die man mit preisgibt.

Der große Bruder hat also dann doch etwas mehr auf dem Kasten, was die Spieltiefe und die Entscheidungstragweite betrifft. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass die schnelle, einfache und lockere Spielbarkeit verloren geht. Das Kartenspiel Kuhhandel ist das Spiel, das ich in der pädagogischen Arbeit einsetze, wenn ich Hortkinder motivieren will im 1000er-Raum rechnen zu üben. Das funktioniert bemerkenswert gut und schnell, denn sich über den Tisch zu ziehen hat einen ungemeinen Reiz. Beim Brettspiel klappt das nicht mehr so leicht. Der Aufbau ist wesentlich umfangreicher, benötigt viel Platz, die verschiedenen Versteigerungsformen wollen erlernt und verstanden werden und die Spieldauer wird durch die erweiterten Entscheidungsdimensionen verzögert.

Ist Kuhandel - Das Brettspiel besser als das Kartenspie?

Je nach Spielergruppe und deren Alter würde ich dementsprechend meine Empfehlung ausprechen. Liebhaber von Versteigerungsspielen und erfahrene Kuhhandelspieler mit Wunsch nach Varianz werden sich früher oder später sicherlich den großen Bruder in ihre Sammlung holen. Anfängern und Gelegeheitsspielern dürfte das Kartenspiel vom Anspruch her völlig ausreichen. Nebenbei noch erwähnt: Die 2-Spieler-Variante ist weder im Kartenspiel noch im Brettspiel der große Spaßbringer. Kuhandel macht, egal in welcher Variante, in Maximalbesetzung am meisten Spaß. Die Grafiken der Tiere wurden zum Glück nicht aus der Kuhandel Master-Edition übernommen. Die fand - nicht nur - ich gewöhnungsbedürftig.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10-
Spieldauer (Minuten): 
60-90
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
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Spielethema: 
Spielegattung: 
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