Mieses Karma

eine Spielerezension von Silke Groth - 02.07.2012
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Mieses Karma von Kosmos
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Dass das Leben bisweilen unliebsame Überraschungen bereithält, ist allseits bekannt. Nach dem Ableben könnte dies aber durchaus weiter gehen. Einmal zu oft den Räuber in Siedler von Catan versetzt oder zu großzügig Fluchkarten in Dominion verteilt und schon hat man zu viel mieses Karma angesammelt und steht als Ameise da. Nun muss die Reinkarnationsleiter über tierische Umwege wie Kartoffelkäfer, Meerschweinchen oder Kuh mühsam erklommen werden, um dann irgendwann als Mensch ins Nirwana eingehen zu dürfen.

Jeder Spieler startet mit einer Karte der besagten Ameise und null Karma und versucht durch das Ausspielen von Lebenskarten gutes Karma anzuhäufen. Karma zählt zum einen als Siegpunkte, zum anderen berechtigt mehr Karma als höhere Lebensform wiedergeboren zu werden. Die Lebenskarten zeigen verschiedene Symbole, Joker oder einen Sensenmann, auf einigen ist in der Kartenmitte zusätzlich ein Buddha abgebildet. Während seines Spielzuges muss ein Spieler eine seiner Handkarten ausspielen, in dem er entweder nach dem Domino-Prinzip (Symbol an Symbol) eine Karte passend an seine Lebenslinie, die mit seiner aktuellen Inkarnation (Tierkarte) beginnt, ausspielt oder eine Karte auf den Ablagestapel abwirft.

Vor oder Nach dem Ausspielen der Karten sind die Spezialfähigkeiten der Tiere nutzbar und lassen zum Beispiel schneller und einfacher ablegen, Karten der Lebenslinien anderer Spieler stibitzen oder geben Vorteile bei der Abrechnung. Mit Ausnahme der Ameise und des Menschen (der kann nichts, gibt aber Punkte) haben alle Tiere eine dieser Fähigkeiten.

Eine weitere Möglichkeit, die auch die Mitspieler in den eigenen Zug einbindet, ist das Bitten um passende Karten. Reihum darf jeder Mitspieler eine passende Karte ablegen, aus denen sich der aktive Spieler dann eine Karte aussuchen muss. Diese selbstlose Tat wird nicht nur mit einem Karmapunkt belohnt, sondern ist letztlich auch einer der spärlich gesetzten taktischen Aspekte des Spieles, da abgewogen werden muss, ob eine Weitergabe wirklich sinnvoll ist.

Hat der aktive Spieler keine Handkarten mehr oder zeigt die Lebenslinie einen Sensenmann, verabschiedet sich sein derzeitiges Tier von dieser Welt und es wird abgerechnet. Jeder Buddha in der Lebenslinie bringt einen Karmapunkt, Sets aus vier gleichen oder verschiedenen Symbolen geben die Möglichkeit eine der genutzten Karten als spätere Siegpunkte abzulegen. Gemäß des aktuellen Karmastandes darf nun reinkarniert werden, es sei denn, es handelte sich um einen Menschen, was nämlich das Spielende bedeutet. Der Spieler mit dem meisten Punkten aus Karma, beiseite gelegten Karte und der eventuellen Menschwerdung, gewinnt nun das Spiel.

Mieses Karma mag zwar nicht an den Bekanntheitsgrad eines Die Säulen der Erde oder eines Der Pate heranreichen, aber auch hier handelt es sich um eine Literaturumsetzung. Das Setting des „Hochinkarnierens” der Buchvorlage wird gut eingefangen, das einfache Familienspiel kann aber trotz guter Ansätze nicht wirklich überzeugen. Der Bitt-Mechanismus ist reizvoll, alles andere eher hausbacken und auf Dauer etwas dröge. So ist es zum Beispiel eigentlich egal, welches Tier man aktuell besitzt, die Fähigkeiten sind nahezu gleichwertig und bieten kaum Raum für tiefgehende Überlegungen. Somit ist Mieses Karma zwar weit über irgendwelcher „Merchandise-Schnellschüsse” angesiedelt, kommt aber nicht über grauen Durchschnitt heraus.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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