Pirates 2ed

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 14.05.2011
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Pirates 2ed von Reich der Spiele
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Lesezeit: ca. 4 Minuten

Pirates 2ed ist die Neuauflage des gleichnamigen Handels- und Abenteuerspiels, welches allerdings in Deutschland nicht verlegt worden war. Dies soll sich mit der überarbeiteten Auflage nun ändern, hat doch der polnische Verlag Kuznia Gier in den letzten Jahren schon reichlich Erfahrungen mit Titeln gesammelt, welche sowohl im Eigenverlag, als auch in Kooperation mit anderen Verlagen in Deutschland erschienen sind.

Der schreckliche Pirat Roberts hat die Tochter der Gouverneurs entführt und eigentlich müsste sich ja nun die Armee auf die Suche machen, allein anscheinend sind gerade keine Soldaten greifbar. Also setzt der Gouverneur ein dickes Kopfgeld aus und schon heften sich etliche Piraten an die Spur des Entführers. Dass die Piraten dieses aus purer Empörung tun, wie uns die Spielregel weismachen will, ist aber sicher nur ein Gerücht.

Bis zu vier Spieler können aus leider nur vier vorgefertigten Piraten/innen ihr Alter Ego für dieses Spiel wählen. Die möglichen Piraten/innen unterscheiden sich neben dem Aussehen vor allem durch eine zugehörige Spezialeigenschaft. Auf dem Spielplan selbst findet sich der Ausschnitt eines Südsee-Archipels mit insgesamt zehn Inseln, Riffen, Handelswegen und natürlich dem geheimen Inselversteck von Roberts. Auf vier dieser Inseln befinden sich Plantagen, welche die Güter produzieren mit denen auch Handel getrieben werden kann. Zu diesem Zweck hat jede Insel einen Hafen und natürlich ein Fort, welches ihn schützt.

Im Laufe des Spiels müssen die Spieler auf eine ihnen genehme Art und Weise möglichst viele Gold bzw. Ruhmespunkte scheffeln, um damit die zweiteilige Schatzkarte mit dem Weg zu Roberts Versteck erwerben und anschließend den schrecklichen Piraten auch noch mit ihrem Gold oder dem gesammelten Ruhm so stark einschüchtern können, dass er die Tochter der Gouverneurs freiwillig herausgibt. Aber Roberts wäre nicht der schreckliche Pirat für den ihn alle halten, wenn er ewig in seinem Versteck auf die Verfolger warten würde. Versuchen die Spieler nämlich, auf Nummer sicher zu gehen und sich die perfekte Ausgangsbasis zu schaffen, reißt der Geduldsfaden des schrecklichen Piraten und er tut seiner Geisel gar schlimme Dinge an, womit natürlich alle Spieler verloren hätten.

Jeder Zug eines Spielers bei Pirates 2ed. besteht aus zwei Phasen: der Archipelphase und der Segelphase. In der Archipelphase werden mittels gezogener Karten Handelswaren auf den entsprechenden Inseln erzeugt, neutrale Handels- bzw. Kriegsschiffe bewegt und evtl. auch die Geduld von Roberts weiter strapaziert. In der folgenden Phase, der Segelphase wird der Spieler dann endlich selbst aktiv. Dazu kann er neben seinen ihm grundsätzlich zur Verfügung stehenden Aktionen noch eigene Handkarten ausspielen. In dieser Phase kann er aber nicht nur segeln, sondern auch mit Waren handeln, Handkarten nachziehen, sein Schiff aufrüsten oder gar ein Fort oder andere Schiffe angreifen. In diesem Fall werden die Kanonenkapazitäten der Kontrahenten verglichen, welche natürlich durch das Ausspielen von Handkarten noch geändert werden können. Durch den Handel gewinnt man Gold, während die kriegerische Schiene ihren Verfechtern vor allem Ruhm einbringt.

Pirates 2ed. kommt mit einem stimmigen und sehr atmosphärischen Cover daher. Leider wird diese Gestaltung im Spielmaterial selbst nicht durchgehalten, da hier zwei Illustratoren am Werk waren und das Spiel anscheinend auch für Familien interessant präsentiert werden sollte. Die Ausstattung geht insgesamt in Ordnung, verwunderlich ist hingegen, dass die Spielregel nur in polnischer und englischer Sprache vorliegt. Mittlerweile können sich Interessenten aber auch eine deutsche Regel im Internet besorgen. Das Spiel selbst bedient sich ungeniert an den gängigen Klischees über den Piratenalltag. Schiff ausrüsten, Inseln und Forts überfallen, ein bisschen Handel treiben bzw. schmuggeln und natürlich andere Schiffe angreifen. Das macht auch alles ziemlichen Spaß, solange auf der See ordentlich was los ist, sprich viele Piraten die Gewässer unsicher machen. Bei zu wenigen Mitspielern ist es ohne Probleme möglich sich permanent aus dem Weg zu gehen, was aber sich nicht im Sinne der Spielautoren ist.

Leider krankt das Spiel aber am allzu eintönigen Mittelteil. Handelsschiffahrt und einfache, wenig abwechslungsreiche Missionen sind nicht wirklich nach dem Sinn echter Freibeuter. Hier gibt es für die lange Spieldauer zuwenig Aktion und Interaktion, denn lediglich die Seegefechte können wirklich spannend sein. Deshalb sehnen alle Piratenspieler auch irgendwann mal das Ende herbei, ganz gleich, ob Roberts in seine Schranken verwiesen werden kann oder nicht. So kann Pirates 2ed trotz guter Ausstattung und Grafik leider keine wirklichen Akzente gegenüber der großen Piratenspiel-Konkurrenz setzen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
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