Zwischen zwei Schlössern

eine Spielerezension von Johannes Halbig - 11.04.2019
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Zwischen zwei Schlössern - Cover-Ausschnitt - Foto von Feuerland Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Beim diesem Brettspiel von Ben Rosset und Matthew O´Malley (Feuerland Spiele) sitzt der Spieler angenehmerweise einmal nicht zwischen zwei Stühlen, sondern zwischen zwei Schlössern. Das stellt allerdings nicht unbedingt geringere Ansprüche an das Diplomatievermögen der Beteiligten. Doch bevor man sich zwischen den Schlössern zur Ruhe setzen kann, gilt es erst einmal, selbige zu errichten und da man zwischen zwei Schlössern sitzt, arbeitet man folgerichtig auch gleich am Bau von zwei Schlössern mit. Ein solches Machtsymbol baut man gemeinsam mit seinem rechten Nachbarn und das andere mit dem Spieler zur Linken. Da das Ansehen eines Baumeisters beim König sich nach dem Schloss mit der niedrigeren Punktzahl richtet, sollte man tunlichst auch beiden Schlössern genügend Aufmerksamkeit widmen.

Wie wird Zwischen zwei Schlössern gespielt?

Der wichtigste Raum in einem Schloss ist der Thronsaal. Von hier aus könnt ihr euer Bauwerk nach rechts und links bzw. nach oben und unten erweitern. Dabei sind Höhe und Breite eures Schlosses unbegrenzt, solange ihr euch an die hochherrschaftlichen Bauregeln haltet. So müssen z. B. neu gebaute Räume mindestens eine komplette Wandseite mit einem schon gebauten Raum gemeinsam haben. Dabei müssen die Räume gleich ausgerichtet sein (die Raumnamen müssen in die gleiche Richtung zeigen). Kellerräume gehören natürlich in den Keller, Wohn-, Speise- und Schlafräume dagegen sind dort auf keinen Fall zu finden. Da der König die Abwechslung liebt, ist es auch gut, von jedem Raumtyp gleich mehrere im Schloss einzubauen.

Nun, wie funktioniert das Ganze?

Zu Beginn zieht jeder neun Raumplättchen, die er vor den anderen Spielern geheim hält. Jeder wählt zwei Plättchen aus und deckt sie dann gemeinsam mit den anderen Spielern auf. Nun kann man sich mit seinen Baupartnern zur Rechten und zur Linken beraten, welches der beiden Plättchen am besten an welches Schloss angebaut werden soll. In jedem Zug werden auf diese Weise zwei neue Räume, einer von Dir und einer von Deinem Partner, an jedes Schloss angebaut. Anschließend werden die übrigen Plättchen nach links weitergedraftet und jeder Spieler wählt wieder zwei Plättchen für den Bau aus. Dies geht so lange, bis nur noch ein Plättchen übrig ist. Dieses wird aus dem Spiel entfernt. Direkt im Anschluss erfolgt eine zweite Runde mit dem einzigen Unterschied, dass die Plättchen nach rechts gedraftet werden.

Schon während des Schlossbaus, sozusagen als Motivationsschub, können verschiedene Boni erlangt werden. Grundsätzlich gibt es einen Bonus, wenn ihr einen normalen Raumtyp dreimal in eurem Schloss verbaut habt. Beim Einbau des fünften Plättchens eines normalen Raumtyps gibt es sogar noch einen weiteren Bonus. Den gleichen Raum sechsmal oder gar noch öfter einzubauen lohnt sich dagegen nicht. Das wäre ja auch zu viel des Guten.

Die Boni sind natürlich für die verschiedenen Räume unterschiedlich. Mal dürft ihr einen Sonderraum in euer Schloss einbauen, mal dürft ihr ein Zusatzplättchen verbauen, mal gibt es Bonuskarten oder ihr bekommt einen königlichen Bediensteten, der im Thronsaal Platz nimmt.

Nach der zweiten Runde endet das Spiel und jedes Schloss wird einzeln gewertet. Mit Hilfe des Wertungsblockes notiert ihr die Punktwerte der einzelnen Räume. Jetzt zeigt es sich, ob ihr beim Schlossbau an eine geschickte Anordnung eurer Räume gedacht habt. Beim Spiel zu zweit kommt Dummy Ludwig als dritter Spieler zum Einsatz.

Ist Zwischen zwei Schlössern ein gutes Brettspiel?

Gesellschaftsspiel Zwischen zwei Schlössern - Foto von Feuerland SpieleDas Brettspiel selbst sitzt sozusagen auch zwischen zwei Spielen, nämlich Between Two Cties und Die Schlösser des König Ludwig.  Herausgekommen ist keine Zwischenlösung, sondern ein wirklich gelungenes Spiel.

Die Spielregel kommt sehr edel daher und ist gut und übersichtlich aufgebaut. Es macht richtig Spaß, darin zu blättern. Einzig die Beispielwertung am Ende ist so klein geraten, dass sie ohne Lupe nicht nachvollziehbar ist. Das gleiche gilt leider auch für die Raumplättchen. In unserer „Ü-50-Spielerunde" hätte man sich sehr über etwas größere Plättchen gefreut. Es wäre dann einfacher die gelungenen und witzigen Illustrationen zu würdigen und das Erkennen der Symbole würde auch erleichtert.

Gefallen haben uns die Boxen, in denen die Legeplättchen aufbewahrt werden. Räumt man sie am Ende des Spieles geschickt ein, hat man schon den größten Teil der Vorarbeiten für das nächste Spiel erledigt. Die Mischung zwischen gemeinsamem Bauen und kompetitiven Vorgehen ist sehr spannend und führt in der Regel zu viel Kommunikation während des Bauens. Die vielen verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der Räume bieten genügend Gesprächsstoff.

Da jedes Schloss einzeln gewertet wird, nimmt die Auswertung einige Zeit in Anspruch. Bei voller Besetzung müssen immerhin sieben Schlösser ausgewertet werden. Ein einfacheres Wertungssystem wäre einigen Spielern in unserer Runde auf jeden Fall entgegengekommen. Ansonsten macht das Spiel Spaß und hat genügend Spieltiefe, um bei uns immer wieder einmal den Weg auf den Spieletisch zu finden. Lobend zu erwähnen ist noch, dass neben den Autoren auch die Illustratoren auf der Schachtelvorderseite zu finden sind.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2, 3-7
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45-60
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Fotos
Gesellschaftsspiel Zwischen zwei Schlössern - Foto von Feuerland Spiele
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