Verlies

Das Spiel um Gräber, Grüfte, Ungeheuer

ein Spiele-Artikel von Markus Nussbaum - 13.10.2018
Verlies Spielplan - Foto von Markus Nußbaum
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Als ich 1978 ein Spiel namens Verlies geschenkt bekam, konnte ich mangels Internet noch nicht wissen, dass es eigentlich drei Jahre zuvor unter dem Namen Dungeon im amerikanischen Verlag TSR (Tactical Studies Rules) entstanden war und vor allem konnte ich noch nicht ahnen, dass es seine fünfte Reinkarnation 2014 unter dem gleichen Namen bei Wizards oft he Coast erleben sollte.

Spielekenner horchen bei TSR auf, denn dieser von Gary Gygax gegründete Verlag brachte in den 70er-Jahren des letzten Jahrtausends die als Dungeons & Dragons (D&D) bekannte Rollenspielreihe auf den Markt, die aber üblicherweise mit einem Spielleiter, zahlreichen Regelbüchern und Würfeln gespielt wurden. Um das Ganze etwas massenkompatibler zu gestalten, übernahm man einige Elemente aus dem D&D-Repertoire und transformierte diese 1975 auf ein familientaugliches Brettspiel.

1978 brachte dann Parker Verlies auf den deutschen Markt und es überzeugte mich damals schon allein durch das Cover-Artwork, das einen Zauberer zeigt, aus dessen Hand ein Blitzstrahl in den Himmel schießt. Dieser Himmel besteht aus dem schemenhaft erkennbaren Kopf eines Säbelzahntigers, über dessen Silhouette ein Teil des Verlieses aufgedruckt ist, das dem Spiel seinen Titel gibt. Der Kopf des Tigers wurde übrigens 1:1 aus dem Filmplakat des 1977 erschienenen Fantasy-Films "Sindbad und das Auges des Tigers" übernommen. Die zweite deutsche Auflage von 1985 kam unter dem Namen Im Drachen-Labyrinth bei ASS heraus.

Inhalt von Verlies

Öffnet man die Schachtel und faltet den Spielplan auseinander, sieht man auf beeindruckenden 57 x 70 Zentimetern ein Verlies, dessen Gänge und Treppen auf sechs farblich unterschiedlich gekennzeichneten Ebenen in die Tiefe führen. Der Eingang befindet sich in der Mitte und man arbeitet sich von der obersten, gelben Ebene über Hellorange, Dunkelorange, Rot und Grün in die tiefste, dunkelblaue Ebene hinunter. Auf jeder Ebene befinden sich zahlreiche Kerkerräume, die zu Beginn einer Partie erst mit den entsprechenden farbigen Plättchen bedeckt werden müssen. Diese sind aus ausgesprochen dünner Pappe hergestellt und mit unterschiedlichen Motiven bedruckt. Das sind zum einen die Schatztruhen, die es zu finden gilt, aber vor allem Monster, die diese Schätze bewachen. Zwölf Abenteurer können sich insgesamt mit vier unterschiedlichen Charakteren (Elfe/Fee/Held/Zauberer) auf die Suche nach 80 Schätzen machen. Die Charaktere haben unterschiedliche Eigenschaften, so können die Elfen besonders leicht Geheimtüren öffnen und müssen nur Schätze im Gesamtwert von 10.000 Goldstücken sammeln um zu gewinnen. Leider sind sie aber ziemlich zweikampfschwach und sollten sich daher nicht in tiefere Verliese begeben. Bei den Feen ist es ähnlich, die dürfen aber schon bis zur Ebene vier hinabsteigen. Helden und Zauberer dürfen aufgrund ihrer Stärke bis ganz nach unten, müssen aber auch deutlich mehr Schätze sammeln. Zauberer können zusätzlich auch im Kampf Zaubersprüche einsetzen.

Spielablauf von Verlies

Der Spielablauf verläuft wie in den meisten Rollenspielen klassisch nach dem Schema Bewegen (bis zu fünf Schritte), Zweikampf mit dem Monster per Würfelwurf von zwei Würfeln und – falls man den Kampf verliert – Rückzugsorakel per Würfelwurf. Mit besonders viel Pech und einer Würfelzahl von zwei Augen ist das Spiel dann auch schon beendet, denn dann wurde der Abenteurer vernichtet. Daneben gibt es wie schon erwähnt Zauberformeln, mit denen die Magier Blitze und Feuerbälle schleudern und magische Ortswechsel durchführen können. Es gibt Kerkerfallen und Falltüren, aber auch Sesam-öffne-dich-Karten und magische Waffen zur Unterstützung.

In der Basisvariante spielt jeder Abenteurer mit dem Ziel, seine Schätze zu sammeln und wieder zum Eingang des Verlieses zurückzukehren. In der Profivariante spielt man aber auch gegeneinander, d. h., die Kämpfe werden nicht nur gegen Monster, sondern auch gegen Mitspieler ausgefochten.

Das Spielmaterial würde heute keinen Rollenspieler mehr hinter dem Ofen hervor locken, weswegen die letzte, noch im Handel erhältliche Version des Spiels von Wizards oft he Coast materialtechnisch mehr hermacht. Die Ausgabe von Parker ist auf Auktionsplattformen und im Gebrauchtwarenhandel mittlerweile für deutlich mehr als den ursprünglichen Verkausfpreis zu haben.

Spieleinfo