Der Pate

eine Spielerezension von Silke Groth - 04.08.2011
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Der Pate von Reich der Spiele

Wenn sich ein Verlag in Deutschland in der Vergangenheit durch "Verspielungen" literarischer oder filmischer Vorlagen besonders hervor getan hat, ist dies mit Sicherheit der Stuttgarter Kosmos Verlag, gleiches gilt für den Autoren Michael Rieneck. Gute Voraussetzungen also für eine gelungene Brettspiele-Umsetzung des Mafia-Klassikers Der Pate. Beim Paten ringen vier ehrenwerte Familien im New York der 40er Jahre darum den größten Reichtum anzuhäufen. Aber Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich, Macht und Einfluss sind auch nicht zu verachten. Je nach Spielverlauf müssen sich die Spieler auf einen dieser beiden Faktoren besonders konzentrieren, um bei Der Pate nicht am Spielende auszuscheiden.

Der Spielplan von Der Pate zeigt das südliche Manhattan mit vier Stadtteilen, in denen sich jeweils drei illegale Geschäfte befinden. Alle Geschäfte sind über einen Rundkurs, den eine schwarze Limousine (ein gewisser Schutzschild gegen unfreundlich Aktionen) abfährt miteinander verbunden. Der Hudson River im Westen bietet Platz für betonbeschwerte Badegäste, das Gefängnis "The Tombs" im Südosten beherbergt die glücklosen Gesellen, die bei der Razzia nicht schnell genug den Ausgang gefunden haben. Jeder Spieler nimmt mit dreien seiner insgesamt sieben Familienmitglieder einen Stadtteil in Besitz. Sollten weniger als vier Familien vertreten sein, übernehmen neutrale Figuren die restlichen Geschäfte.

Das Brettspiel Der Pate geht über sieben Runden. Nach einem eventuellen Einkommen aus dem Familienbetrieb und einem Ereignis, das alle Spieler gleichermaßen betrifft und jeweils die K.O.-Kriterien Macht oder Einfluss voranschreiten lässt, kommt man zum Kern des Spieles, einem innovativen Würfelmechanismus. Der Reihe nach würfelt bei Der Pate jeder Spieler mit vier Würfeln und legt einen davon auf ein Feld der obersten Reihe seines Spielertableaus. Danach wird mit den verbliebenen Würfeln erneut gewürfelt und ein Würfel in die zweite Reihe gelegt. Die restlichen beiden kommen nach dem Würfeln folglich in Reihe drei und vier. Jedes Würfelfeld steht hierbei für eine bestimmte Aktion. In der ersten Reihe ist die Farbe des Würfels unerheblich, nur die Zahl gibt an, welches der klassischen Betätigungsfelder, wie Schutzgelderpressung oder Glücksspiel Einnahmen erwirtschaften (und zwar nicht nur für den Spieler am Zug). In den beiden mittleren Reihen ist sowohl die Farbe entscheidend (die Wahl der Aktion), als auch die Augenzahl (wie effizient ist die Aktion oder in welchen Geschäften findet sie statt). Auf der untersten Reihe spielt nur die Farbe des Würfels eine Rolle. Der Farbmechanismus sorgt bei Der Pate für ein interessantes Dilemma. Platziert man beispielsweise den grauen Würfel bereits in der ersten Reihe, stehen dessen drei weiteren Aktionsoptionen in dieser Runde nicht mehr zur Verfügung. Die Aktionsmöglichkeiten sind mafiatypisch und zielen vornehmlich darauf ab, entweder den eigenen Geschäftsbereich auszudehnen oder Geld einzusacken. Also werden bei Der Pate Geschäfte übernommen und deren Vorbesitzer im Hudson versenkt, andere Familien beim FBI angeschwärzt, Wetten manipuliert oder einfach für zusätzliches Ansehen oder Einfluss gesorgt, um nicht am Ende dieses Brettspiels in die Röhre zu schauen.

Das Brettspiel Der Pate ist atmosphärisch umgesetzt mit einem schönen, düsteren Spielplan und netten Holzmafiosos und fängt die Stimmung, vor allem der Filmtrilogie, sehr gut ein (nicht zuletzt dank einiger bekannter Zitate auf den Ereigniskarten). Die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten passen sich thematisch gut ein. Der Würfelmechanimus muss, und das ist heutzutage doch recht selten, als innovativ bezeichnet werden.Trotzdem kann das Spiel nicht wirklich überzeugen. Per se ist Der Pate ein eher einfaches Familienspiel, dessen Abläufe leicht verständlich sind, der Einstieg fällt aber aufgrund der vielen verschiedenen Würfelaktionen trotzdem relativ schwer und machen das Spiel zu Beginn recht zäh.

Zusätzlich täuscht der Mechanismus eine Spieltiefe vor, die letztlich leider dann doch nicht gegeben ist. Zu sehr ist man den Würfeln ausgeliefert und weniger taktisches Geschick als ein guter Draht zu Fortuna sind von spielentscheidender Bedeutung. Denn häufig hebeln die Würfelergebnisse den eigenen, schönen Plan wieder aus und man ist doch gezwungen, wieder komplett umzudisponieren. Das wäre im Grunde nicht weiter schlimm, wenn sich dieses Brettspiel dabei flott spielen lassen würde. Leider zieht sich Der Pate aber ziemlich, da nach jedem neuen Wurf erst einmal eine Findungsphase einsetzt, was denn nun am besten mit diesen Würfeln anzustellen ist. Gerade im Spiel zu viert sorgt dies für zu lange Wartezeiten und außer dem Ärgerfaktor mit den feindlichen Übernahmen, Razzien oder Spitzeln ist das Spiel nicht sehr interaktiv. Zielgruppentechnisch sitzen Don Vito und seine Kollegen somit irgendwie zwischen den Stühlen. Für ein reines Familienspiel ist es vom Thema her schon fast zu düster und der Einstieg fällt zu schwer. Für Vielspieler ist Der Pate für den fehlenden Tiefgang zu langatmatmig. Schade!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
70
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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