Ohne Anleitung spielen?!

Heinrich Glumpler über das Spiel Eine gegen Eine

ein spielerischer Artikel von admin - 09.10.2009
Eine gegen Eine von Sphinx Spiele

Heinrich, du veröffentlichst als Teil des Autorenkollektivs Weilburger Sieben bei Sphinx Spiele und Edition Erlkönig ein Spiel ohne Anleitung. Zunächst die Frage: Wer sind die Köpfe hinter diesem Team?
„Das sind die ‚Weilburger Sieben’ – ein Team von insgesamt sieben (wer hätte das gedacht?) Autoren: Leif Busse, Marcel-André Casasola-Merkle, Peter Inzenhofer, Henning Poehl, Hans-Peter Stoll, Michael Sträubig und meine Wenigkeit.“

Wie habt ihr euch zusammengefunden und wie kam es zur Idee, dieses Spiels?
„Wir haben uns weniger zusammen gefunden, sondern wurden eher zusammen getrommelt – von Michael Sträubig, der bei den 4. Deutschen Spieleautorentagen in Weilburg einen Ad-Hoc-Workshop initiierte mit dem Thema ‚Spiel ohne Anleitung’.“

Hat der Titel Eine gegen Eine eine besondere Bedeutung?
„Ja.“

Ja?
„Na gut. Ja – der Titel hat eine Bedeutung.“

Ja, welchen?
„(Seufz) – Ooookay: Ja – der Titel ist ein fester Bestandteil der Trickkiste, in die wir gegriffen haben, um den Spielern möglichst viele Anhaltspunkte zu geben, anhand der sie herausfinden können, wie das Spiel funktioniert.“

Man mag sich das jetzt kaum vorstellen können. Ist wirklich keine Regel im Spiel? Wie funktioniert ein Spiel ohne Anleitung?
„Ob ein Spiel funktioniert, hängt oft davon ab, ob man es so spielt, wie vom Autor gedacht – ein Grund, warum Anleitungen immer wasserdichter, länger und detaillierter werden (müssen?). Wir wollen natürlich auch, dass Eine gegen Eine funktioniert. Aber wir verraten (erst mal) nicht, wie wir uns das Spiel gedacht haben.
Das ist das Alleinstellungsmerkmal von Eine gegen Eine. Es ist – sagen wir – ein ‚Filler’, so viel kann ich angesichts der kurzen Spielzeit von 20 Minuten verraten, der den zusätzlichen Reiz besitzt, dass die Spieler gemeinsam vor die Aufgabe gestellt werden, anhand des Materials die Regeln herauszufinden, um dann anhand dieser (eigentlich ihren) Regeln gegeneinander zu spielen.
Die Spieler erforschen das Spiel und erfinden es so praktisch erst mal neu. Ob und wie sie dann allerdings erfahren können, wie dicht sie dabei an ‚unsere’ Regeln rangekommen sind ... ist nur eine der Überraschungen, die das Spiel bietet.“

Kannst du uns vielleicht ein veranschaulichendes Beispiel geben, wie man mit dem Material zum Spiel kommt? Was ist enthalten?
„Kann ich. Werde ich aber nicht.
Aber ich könnte ein Beispiel bringen, das nichts mit unserem Spiel zu tun hat: Nehmen wir an, wir öffnen eine Schachtel und finden eine Laufstrecke, fünf Figuren in verschiedenen Farben und einen Würfel. Die Laufstrecke zeigt an einem Ende einen großen Kreis mit einer Pistole, die gerade abgefeuert wird. Am anderen Ende befindet sich ein Kreis über den ein Band gespannt ist.
Mit diesem Material haben wir praktisch schon die Hälfte der Anleitung gespart.
Eine gegen Eine ist weder spieltechnisch so primitiv noch so minimal bezüglich seiner Regeln, aber dieses Beispiel zeigt bereits, dass man mit einer intuitiven Gestaltung des Materials sehr weit kommen kann.“

So etwas zu entwerfen ist sicher nicht alltäglich. Gab es bei diesem Projekt eine besondere Herangehensweise, die auch für dich neu war?
„Die Verrücktheit der Idee und ihr Anspruch war eigentlich nicht so neu für mich – eher der Umstand, dass es darum ging, binnen drei Stunden ein tatsächlich spielbares Spiel mit diesem Anspruch zu entwickeln.
Zu verdanken haben wir das nicht zuletzt Marcel, der gleich zu Beginn des Workshops fragte, ob wir nur  theoretisch oder wirklich praktisch vorgehen wollen.
Ich sah ihn kurz an, ahnte Übles und sagte sicherheitshalber: ‚Wir wollen einen praktischen Prototyp bauen.’ Worauf er antwortete: ‚Na gut. Dann bleibe ich hier.’ Glück gehabt, sage ich heute.“

Wirst du diese Idee häufiger aufgreifen oder hältst du sie für einen Versuch, der nur schwer noch einmal zu wiederholen ist?
„Einige von uns ‚Sieben’ werden diese Idee mit Sicherheit wieder aufgreifen – und wir hoffen, dass auch viele andere Autoren sich damit beschäftigen werden.
Ich denke, in diesem Bereich ist noch vieles möglich. Die Anleitung wird vielfach ‚hinterhergeschoben’ und das Material gerade mal so weit entwickelt, dass es die Handhabung der Spielelemente ermöglicht. Das Ziel muss es aber sein, das Material bereits während der Entwicklung wesentlich intensiver zur Vermittlung der Regeln heranzuziehen und es entsprechend zu gestalten.
Bei Eine gegen Eine haben wir die Latte sehr hoch gelegt – aber die Erkenntnisse, die wir bei den zahlreichen Tests gewonnen haben, sind eigentlich für jeden Autor schlicht und einfach Gold wert.
Wir verkaufen Eine gegen Eine auf der Spiel in Essen (Halle 5, Stand 03 und Halle 9, Stand 31), um die Namen der Weilburger Sieben mit diesem Stückchen ‚Pionierarbeit’ zu verknüpfen, um auch andere Autoren an unseren Erkenntnissen teilhaben lassen zu können und, um zu guter Letzt den Spielern etwas zu bieten, was es bisher noch nie gab: Endlich ... mal was anderes!

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