Chiffre

eine Spielerezension von Dirk Janßen - 02.10.2018
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Deduktionsspiel Chiffre - Foto von Gmeiner Verlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Chiffre. Geheime Botschaften. Peer Sylvester als Autor. Klingt doch erst einmal spannend, hat der gute Peer unter anderem mit The Lost Expedition doch bereits eine Duftmarke im Spielemarkt hinterlassen. Aber während uns The Lost Expedition in den tiefen Dschungel des Amazonas führt, bewegt sich Chiffre (Gmeiner Verlag) im Mafia-Genre und ist für zwei Spieler gedacht.

Chiffre im Fahrwasser von Codenames

Während bei Codenames zwei Geheimdienste die Codenamen der anderen Spione zu entschlüsseln versuchen, haben wir bei Chiffre auf der einen Seite Inspektor Wolf und auf der anderen Seite den Mafiaboss Volpone. Beide Seiten versuchen das gegnerische Geheimwort zu erraten, um zukünftig den gesamten Nachrichtenverkehr zwischen Volpone und seinen Gangstern bzw. Wolf und seinen Informanten zu entschlüsseln.

Wie funktioniert Chiffre?

Beide Spieler haben jeweils 21 Buchstabenkarten. Zusätzlich bekommen sie in einer Spielrunde drei Themenkarten. Jeder Spieler legt nun verdeckt aus seinen Buchstabenkarten ein Wort aus genau vier Buchstaben, das zu einem der drei Themengebiete passt. Beim Themengebiet GARTEN wären also Wörter wie GRAS, WURM oder OBST, bei KRIMI Wörter wie MORD, BLUT oder BEIL und beim Themengebiet SPIEL Wörter wie SKAT, DART oder AZUL möglich. Jeder Buchstabe kann dabei nur einmal im Wort vorkommen.

Haben beide Spieler ihr Wort gelegt und ihre Themengebiet gut sichtbar für den Gegenspieler ausgelegt, versuchen die Spieler abwechselnd das gegnerische Wort zu lösen. Dabei haben sie folgende Möglichkeit:

  1. Aus seinen verbliebenen Buchstabenkarten kann der Spieler eine Buchstabenkarte an eine verdeckte Buchstabenkarte des Gegners anlegen. Ist es der richtige Buchstabe, dreht der Gegner seine Buchstabenkarte um und der Spieler erhält den Buchstaben zurück. Ist es der falsche Buchstabe, so erhält der Spieler den Hinweis, ob der gesuchte Buchstabe im Alphabet vor oder hinter dem angelegten Buchstaben steht.
  2. Der aktive Spieler errät einen Buchstaben im Wort des Gegenübers. Liegt er richtig, wird die entsprechende Buchstabenkarte herumgedreht und anliegende Buchstabenkarten gehen zurück auf die Hand des aktiven Spielers.
  3. Der aktive Spieler errät das Themengebiet.
  4. Der aktive Spieler errät das zu suchende Wort.

Gewonnen hat der Spieler, der zuerst das gegnerische Wort errät.

Ist Chiffre nur ein weiteres Wortspiel?

Nach dem wirklich toll illustrierten und schön thematischen The Lost Expedition war ich anfangs von Chiffre schwer enttäuscht. Mit Peer Sylvester verbinde zumindest ich mehr als ein weiteres, beliebiges Wortratespiel. Wenn man Chiffre dann aber eine Chance gibt und unvoreingenommen an die Nummer ran geht und ausblendet, überrascht Chiffre doch.

Warum überrascht es? Zum einen weil es schon eine Herausforderung ist, immer wieder neue Wörter aus genau vier Buchstaben zu bauen, die auch in eins der drei Themengebiete passen. Zumal weniger offensichtliche Wörter die Gewinnchancen erhöhen. Dann sollte man bei der Wortwahl auch noch bedenken, dass die hierfür genutzten Buchstaben bei der Wortsuche nicht zur Verfügung stehen, d. h., nicht zum Anlegen an die verdeckten gegnerischen Buchstaben.

Für Strategen kann also die Wortwahl schon Synapsenmassage sein.

Bei der Wortsuche gilt es dann auch zu überlegen, welche Buchstaben man anlegt. Denn jeder Buchstabe, den man offen beim Gegner anlegt, kann im eigenen Wort nicht enthalten sein. Sonst hätte man ihn nicht auf der Hand. Somit kann der Gegner diesen Buchstaben ausschließen.

Weiterhin ist es wichtig, welche Möglichkeit man wann nutzt. Geht man zuerst auf zu erratende Vokale, weil die Auswahl gering ist? Oder versucht man, möglichst am Anfang das Themengebiet zu ermitteln? Oder vielleicht doch direkt auf den Anfangsbuchstaben? Oder zäumt man das Pferd von hinten auf?

Chiffre wirkt auf den ersten Blick schlicht, unscheinbar und beinahe etwas lieblos auf den Markt geworfen. Nach einigen Spielrunden merkt man aber, dass die Kiste das Potential hat, auch langfristig bei Leuten, die solche Spiele mögen, auf dem Tisch zu landen. Dabei könnte man auch mit zwei Teams gegeneinander antreten und Chiffre somit mit mehr als zwei Spielern spielen. Mehr als vier Spieler sollten es aber nicht sein.

Ein wenig dürftig sind die 15 Themenkarten. Da hätten es gerne deutlich mehr sein dürfen, da sich die Themen zu schnell wiederholen. Und die Story mit Mafia & Co hätte es auch nicht gebraucht. Chiffre funktioniert auch so gut.

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2
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