Ein Fest für Odin

eine Spielerezension von Johannes Halbig - 22.04.2017
  Spiel kaufen kommentieren
Ein Fest für Odin - Foto von Feuerland Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Ob die Wikinger außer dem Met auch dem Puzzlespiel gefrönt haben, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Auf jeden Fall bringen euch, wenn ihr zu einem „Viking“ (Raubzug) aufbrecht, Puzzlefähigkeiten Vorteile. Ein Fest für Odin (Feuerland Spiele) ist mal wieder ein opulenter (Uwe) Rosenberg und bringt schon alleine vom Material her einiges auf die Waage.

Für Freunde des kurzen Überblicks könnte man sagen, Ein Fest für Odin besteht im wesentlichen aus Plättchen sammeln, Plättchen aufwerten und puzzeln. Was sich so einfach anhört, kann nach unseren Erfahrungen schnell Suchtcharakter entwickeln.

Wie wird Ein Fest für Odin gespielt?

Ein fest für Odin ist ein Arbeitereinsetzspiel, bei dem man mit sechs Arbeitern beginnt und in jeder Runde einen Arbeiter dazu bekommt, bis man in der letzten Runde über zwölf Arbeiter verfügt.

Jeder Spieler bekommt zu Beginn einen persönlichen Spielplan. Der Aktionsplan, auf dem die Arbeiter eingesetzt werden, kommt in die Tischmitte. Jede Runde geht über zwölf Phasen, wobei die Phase 5 das Herzstück ist. In dieser Phase setzen die Spieler ihre Arbeiter reihum jeweils auf ein leeres Feld auf dem Aktionsplan. Auf diesem Plan befinden sich 61 Felder, die in vier senkrechten Reihen angeordnet sind. Felder der ersten Reihe benötigen einen Arbeiter, Felder der zweiten Reihe zwei, der dritten Reihe drei und der vierten Reihe vier Arbeiter. Gleichzeitig sind die Felder waagrecht nach verschiedenen Themen und Farben geordnet.  Die grünen Felder sind Ertragsfelder, bei denen man einfach das bekommt, was darauf abgebildet ist. Die grauen Felder sind Tauschfelder. Hier kann man z. B. Baustoffe gegen Schuppen, Häuser oder Schiffe tauschen. Man kann aber auch Stoffe gegen höherwertige Stoffe tauschen. Auf den goldbraunen Aktionsfeldern kann man Bergaktionen durchführen (man kann hier an Waren von den Bergstreifen gelangen, die unter dem Aktionsplan ausgelegt und mit verschiedenen Baustoffen und Geld bestückt sind). Außerdem gibt es in dieser Rubrik noch Handelsfelder, auf denen die Spieler Waren aus ihrem eigenen Vorrat gegen höhenwertige Waren aus dem allgemeinen Vorrat tauschen können. Auf den blauen Aktionsfeldern kann Fernhandel betrieben werden. Voraussetzung dafür ist, dass man im Besitz eines Schiffes ist. Auf den gelben Aktionsfeldern kann man sich für Auswanderung entscheiden. Auswanderung geschieht mit Schiffen und verringert die Abgaben beim Festmahl (s. u.). Bei den roten Aktionsfeldern geht es um Überfall, Plünderung und Jagd. Auf diesen Feldern kommt auch ein acht- oder zwölfseitiger Würfel zum Einsatz. Auch bei diesen Aktionen geht es natürlich darum, Plättchen zu erhalten.

Dann gibt es noch die orangefarbenen Aktionsplättchen, bei denen es um Entdeckungen geht. Die Spieler können dabei verschiedene Inseln entdecken, die sie dann zusätzlich zu ihrem Heimatplan „bepuzzeln“ können. Auf den unteren Aktionsfeldern kann man neue Ausbildungen erlangen oder vorhandene Ausbildungen zum Einsatz bringen. Wie von Uwe Rosenberg nicht anders gewohnt, sind 190 Ausbildungskarten im Spiel, die dafür sorgen, dass Abwechslung garantiert ist.

In den anderen Phasen des Spiels wird die Ernte eingebracht, eine neue Waffe gezogen, Einnahmen generiert, der Startspieler bestimmt, Tiere vermehren sich, Prämien werden eingefahren und ein Festmahl muss ausgerichtet werden. Auch für das Festmahl werden Plättchen benötigt, die in einer bestimmten Reihenfolge abgelegt werden müssen. Wehe dem, der für diese Phase nicht genügend Essen im Vorrat hat, für den gibt es für jedes nicht belegte Feld an der Festtafel eine Thingstrafe, die am Ende des Spiels mit jeweils drei Minuspunkten zu Buche schlägt. Gepuzzelt werden darf jederzeit im Spiel, allerdings einmal gelegt Teile dürfen nicht mehr verrückt werden. 

Die Wertung bei Ein Fest für Odin

Die letzte Runde wird eingeläutet, sobald jeder Spieler seinen letzten Wikinger aus seinem Vorrat an sich nimmt. Nach dieser Runde kommt es dann zur Wertung. Falls ein Spieler jetzt noch Waren im Vorrat hat, kann er sie noch verpuzzeln. Nun zählt jeder Minuspunkt, der auf euren Plänen und Gebäuden nicht abgedeckt ist. Diese Minuspunkte werden mit den Pluspunkten verrechnet, die die Spieler für ihre Schiffe, Entdeckungen, Auswanderungen, Gebäude, Tiere, Ausbildungen und ihren Barbestand erhalten. Wer jetzt nicht genügend Punkte generiert hat, kann das Spiel in aller Ruhe in der angebotenen Soloversion versuchen. Auch das macht Spaß und verbessert sicherlich die „Puzzlefähigkeit“.

Wie gut ist das Brettspiel Ein Fest für Odin?

Das Puzzeln auf den verschiedenen Plänen ist etwas fummelig und nichts für Grobmotoriker, ansonsten lässt das Spiel was die Ausstattung und die Mechanik betrifft, nichts zu wünschen übrig. Euer Spieltisch sollte genügend Fläche aufweisen. Das velfältige Material erschlägt einen anfangs etwas, aber die gut strukturierte Anleitung und die selbsterklärenden Aktionsfelder lassen einen schnell ins Spiel kommen. Besonders erwähnenswert sind noch die Materialkästen, die mit dazu beitragen, den Überblick über das Material zu erhalten und bei richtiger Einsortierung den Tauschhandel zu erleichtern.

Das Brettspiel ist zwar nicht gerade interaktiv, aber man ist ständig beschäftigt und überlegt, wie man seine Teile am besten „verpuzzelt“. Die Einarbeitung benötigt auch deshalb etwas Zeit, aber nach der ersten Partie steht dem Fest für Odin nichts mehr im Wege. Anfangs denkt man, wie soll man den Heimatplan oder auch eine der entdeckten Inseln jemals vollpuzzeln, da man aber in jeder Runde mehr Wikinger zur Verfügung hat, gelingt das am Ende doch erstaunlich gut.

Das Thema spiegelt sich vor allem im Aktionsplan wieder, ansonsten könnte man der Puzzelei ohne weiteres auch ein anderes Thema unterlegen. Einzige Materialkritik betrifft den Wertungsblock. Er ist mit gerade mal zehn Blättern doch etwas dünn geraden. Für unsere Spielrunden müssen wir hier auf jeden Fall zum Kopierer greifen. Neben dem Regelheft und dem Anhang kommt das Spiel auch noch mit einem Almanach daher, in dem Gernot Köpke in vorbildlicher Weise den Bezug der verschiedenen Spielmaterialien zum Thema herstellt. Sehr spannend zu lesen, wie ich finde.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
30-120
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel