Renature

eine Spielerezension von Axel Bungart - 16.06.2021
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Renature - Ausschnitt der Grafik - Foto von Deep Print/Pegasus
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Interessante Themen für ein neues Spiel zu finden, wird eine immer anspruchsvollere Aufgabe für Autoren und Verlage. Auf der einen Seite sind Themen wie Mittelalter, Handelsrouten und Warentransport schon arg strapaziert. Auf der anderen Seite sind Spiele mit nicht so populären Themen auch weniger populär. Ausnahme Flügelschlag, das nicht nur ein Naturthema hat, sondern auch vom Design her eher zurückhaltend wirkt.

In Renature von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling (Deep Print Games/Pegasus Spiele) ist es das Ziel von zwei bis vier Spielern, ein umweltverschmutztes Tal durch Bepflanzung wieder in seinen natürlichen Ursprung zu versetzen. Muss man ökologisch angehaucht sein, um das Thema spannend zu finden? Sagen wir, es hilft dabei.

Wie spielt man Renature?

Renature - Tierplättchen - Foto von Axel Bungart

In dem Spiel legen die Spieler in bester Domino-Manier Steine mit Tiersymbolen auf dem Bachlauf des Spielfelds aneinander, umlegen damit Gebiete, in die sie gleichzeitig Gräser, Sträucher oder Bäume pflanzen und machen damit Punkte. Von jeweils drei Steinen, die ein Spieler offen vor sich liegen hat, darf er einen auswählen, den er passend anlegen muss. Eine bestimmte Tierart ist immer ein Joker, was das Anlegen erleichtern soll. Immer wenn ein Gebiet vollständig von Steinen umschlossen wurde, wird es gewertet. Bis zu zwei Spieler, die in dem Gebiet die Mehrheiten haben, erhalten eine vorgegebene Punktzahl, während derjenige, der es abgeschlossen hat, ein Plättchen erhält, das ihm bei Spielende ebenfalls Punkte bringt.

Renature - Detailansicht einer Spielszene - Foto von Axel Bungart

Außer seiner eigenen Spielerfarbe hat jeder Spieler noch Steine einer neutralen Farbe, die er aber genauso wie seine eigenen einsetzen kann. Eine Hand voll Wolkenplättchen erlaubt den Spielern zudem Sonderaktionen wie einen Doppelzug oder das Zurückholen von bereits eingesetzten Pflanzen. Damit hat es sich aber auch schon, was die Komplexität angeht.

Macht Renature Spaß?

Als ich das Spiel ausgepackt und mir die Spielregel durchgelesen habe, war ich zunächst wenig infiziert von dem, was mich erwartete. Alles klingt recht nüchtern, und letztlich ist es das auch. Und dennoch ist es alles andere als ein banales Spiel – was hingegen ich angesichts des Autorenduos auch nicht erwartet hatte.

Renature - weitere Spielszene - Foto von Axel Bungart

Im Spiel zu zweit entfaltet sich der volle Reiz des Spiels noch nicht, was für Mehrheitenspiele typisch ist. Zu dritt und viert greifen die Ideen besser: Mit den neutralen Steinen kann man seine Gegner ordentlich ärgern, weil man damit eine Mehrheit in einem Gebiet für sich entscheiden kann, ohne dabei seine kostbaren eigenen Steine einzusetzen. Auch ergibt sich in den größeren Gebieten ein interessantes Wettrüsten um die Vorherrschaft. Und selbst ein Spieler, der hier nicht (mehr) eingreifen will, kann am Ende das Zünglein an der Wage spielen, indem er das Gebiet abschließt und sich damit wenigstens das Gebietsplättchen sichert. Manche nennen das auch Königsmachereffekt, und so fühlt es sich zuweilen auch an. Selbst wenn man dabei mehr an sich denkt als an andere.

Der Gefahr, dem oder den Gegnern mit dem Legen eines Steines eine Vorlage zu geben, setzt man sich ohnehin in vielen Situationen aus. Das ist sozusagen Teil des Spielgedankens.

Renature - Spielszene - Foto von Axel Bungart

Wolken machen den Unterschied

Der Einsatz von Wolken will gut überlegt sein. Die Möglichkeit von Doppelzügen ist reizvoll, wenn man sich schnell mal ein Gebiet und dessen Punkte sichern will. Im Hinblick auf das Spielende ist das aber ein gefährliches Unterfangen, da alle Spieler gleich viele Züge haben und die lukrativsten Gebiete oft erst mit den letzten Spielzügen erschlossen werden. Wer da nicht mehr mitmischen kann, muss den anderen tatenlos zusehen, wie sie sich um die 13 Punkte für das größte Gebiet schlagen.

Es ist da schon wirkungsvoller, sich für die Abgabe von Wolken eines seiner Gewächse zurückzuholen. Auch wenn damit feststeht, dass man wenigstens eine Pflanze auf seinem Tableau zurückbehalten wird, was am Ende Minuspunkte gibt.

Renature - Baumfiguren - Foto von Axel Bungart

Damit erschöpfen sich tatsächlich auch die taktischen Möglichkeiten, die aber aus dem banalen Domino ein interessanteres machen. Wo man seinen Stein anlegt, ist in den meisten Fällen die Entscheidung des aktiven Spielers, nicht die der Gegner. Das Spiel wird damit nicht zum Strategiespiel und auch das Thema nicht ansprechender. Doch zumindest was das Spielmaterial angeht, macht man hier keine Abstriche. Die Pflanzen sind hübsch gestaltet (und werden durch die Stickerbeilage in der letzten Spielbox noch aufgewertet). Die Dominosteine mit den Tiersymbolen sind angenehm zu händeln. Ihre grafische Gestaltung wirkt nicht aufdringlich.

Kramer + Kiesling = Spielqualität

Renature - Schachtel - Foto von Deep Print/Pegasus

Spiele des preisgekrönten Autorenduos haben (u. a.) zwei sehr wichtige Qualitätsmerkmale: Sie haben eingängige Spielregeln und einen funktionierenden Ablauf. Beides trifft auch hier uneingeschränkt zu. Ob eine solche Dominovariante einen hohen Spielreiz birgt, mag jeder für sich beurteilen. Es gibt Menschen, die spielen Domino auch ohne Spielbrett und Mehrheitenwertung gerne. Somit kann sich, wer sich von dem Thema inspirieren lässt, mit Renature rund eine Dreiviertelstunde gut unterhalten.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
40-60
Jahrgang: 
2020
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
Fotos
Renature - Spielszene - Foto von Axel Bungart
Renature - Detailansicht einer Spielszene - Foto von Axel Bungart
Renature - weitere Spielszene - Foto von Axel Bungart
Renature - Baumfiguren - Foto von Axel Bungart
Renature - Tierplättchen - Foto von Axel Bungart
Renature - Schachtel - Foto von Deep Print/Pegasus

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