Das rhetorische Quartett

eine Spielerezension von Armando Schmidt - 26.04.2014
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Rhetorisches Quartett - Foto von Wollmilchmedien

Eine Spielerezension über ein Quartett-Kartenspiel? Wer braucht das heutzutage noch? Ist es überhaupt sinnvoll, darüber auch nur eine Zeile zu schreiben?

Zuerst mal: Das rhetorische Quartett ist etwas anders, als man es aus den Quartettspielen seiner Kindheit kennt. Bei diesem Kommunikationsspiel geht es um abstruse Diskussionen. Man erlebt diese Art der Debatten doch auch immer wieder am eigenen Leib. Gleich, ob im beruflichen Umfeld oder bei privaten Disputen. Auch die Politiker machen es dem Wahlvolk jeden Tag ganz öffentlich und unverfroren vor. Wie sich die Amtsträger und unsere Volksvertreter bei unangenehmen Fragen winden. Es werden Halbwahrheiten als Fakten verkauft oder es wird ein Vergleich angeführt, der eigentlich so gar nicht passt. Es wird wild verbal um sich geschossen und manchmal fühlt man sich doch direkt ein wenig ver…!

Wie wird Das rhetorische Quartett gespielt?

Und genau darum geht es auch bei diesem Kartenspiel. Es ist das perfekte Training für alle, die ihre politische Laufbahn noch vor sich sehen. Für alle, die ihre sprachliche Raffinesse schärfen möchten, oder einfach für alle, die Spaß am Diskutieren haben. Verschiede Spielmodi sorgen bei jeweils passenden Mitspielern auch für abwechslungsreichen Spielspaß.

Diskussionsrunde

Interessant ist die Diskussionsrunde. Es wird ein Thema bestimmt und jeder Spieler vertritt dazu eine These, für die er im Folgenden argumentiert. Dazu erhält jeder Handkarten, welche Argumente aus verschiedenen Themengruppen und zusätzlich noch einen Wert aus einer Buchstaben- und Zahlenkombination besitzen. Um nun die eigene Thesen zu untermauern, spielt jeder mit den Karten reihum die jeweils passenden Argumente aus. Dabei muss auch zwingend darauf geachtet werden, dass jede ausgespielte Karte einen höheren Wert als die vorherige hat. Verschieden Bonus- und Trumpfkarten sind das Salz in der Suppe und machen dadurch die vermeintliche Diskussion äußerst interessant. Derjenige, der die letzte Karte ausspielen konnte und somit das letzte Wort bzw. das beste Argument hatte, erhält alle zuvor ausgespielten Karten. Wer so am Ende die meisten Karten einsacken konnte, ist der neue Bundeskanzler … äääh gewinnt die Spielrunde.

Debattenbingo

Ein weiter Spielmodi nennt sich Debattenbingo. Es lässt sich prima zu zweit Spielen und macht aus jeder langweiligen Diskussionsrunde ein Highlight. Jeder Spieler bildet aus 25 Spielkarten vor sich ein Raster von 5x5 Karten. Nun wird zum Beispiel im TV eine Debatte, Talkshow oder ein Parteitag verfolgt, auf die die Spieler keinerlei Einfluss haben. Entdeckt ein Spieler dort ein Argument, das einer seiner Karten entspricht, kann er diese umdrehen. Gewonnen hat, wer zuerst eine durchgehende Reihe von fünf Karten umdrehen konnte.

Quartett

Natürlich ist das Kartenspiel auch als klassisches Quartett zu spielen. Es gilt hier, die vier doch recht treffenden Kategorien wie “Boshaftigkeit, Sachlichkeit, Themenbezug und Überzeugung“ zu sammeln. Wie man es von den Quartettspielen kennt, fragt man die Mitspieler nach den fehlenden Karten, um die eigenen Sets zu vervollständigen.

Wie gut ist Das Rhetorische Quartett?

Es ist schwierig das rhetorische Quartett in eine Spiele-Gattung einzustufen. Ist es überhaupt ein Spiel im klassischem Sinne? Das Spielmaterial ist auf jedenfall qualitativ in Ordnung. Die sehr kurze Anleitung muss man jedoch mindestens zweimal lesen, um sich darüber klar zu sein, worum es hier überhaupt geht. Im Vorfeld kann man die Anleitung auch online auf dem Internetauftritt des Herstellers durchlesen und sich dank vieler Hintergrundinfos auf dieser Internetseite auch sehr gut ein Bild über das Kartenspiel machen. Alle, die Freude an Spielen haben, welche sprachliches Improvisationsgeschick bzw. rhetorische Winkelzüge erfordern, und alle, die den Spielen abseits des Mainstreams nicht abgeneigt sind, sollten mal einen Blick auf das rhetorische Quartett wagen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2-
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14-
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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