Switch & Signal

eine Spielerezension von Axel Bungart - 13.02.2021
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Switch & Signal - Ausschnitt - Foto von Kosmos
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Kooperative Spiele liegen immer noch im Trend. Das wurde auch auf der virtuellen SPIELdigital ’20 deutlich. In vielen Fällen bedeutet dies einen gemeinsamen Kampf gegen fiktive Gegner, häufig in Form des Spiels, ein Exit- oder Escape-Erlebnis oder zumindest ein Abenteuerspiel. Von Kartenspielen abgesehen, die fast eine eigene Gruppe von kooperativen Spielen bilden. Sehr erfrischend ist es daher, wenn das Mittel Kooperation mal ein anderes Thema aufnimmt. Wie in Switch & Signal von David Thompson (Kosmos). Hier versuchen 2-4 Spieler bis zu neun Loks so über das Gleisnetz zu steuern, dass sie innerhalb einer vorgegebenen Anzahl an Zügen zwölf Warensteine von vier Startpunkten zu einem (bzw. zwei) Zielort(en) transportieren.

Bei diesem Eisenbahnspiel sollten die Spieler es vermeiden, Züge aufeinander auflaufen, sich von Haltesignalen oder falsch gestellten Weichen aufhalten zu lassen oder Züge wieder an ihren Ausgangsort zurückzuleiten, denn das beschleunigt das Ende des Spiels, welches aber sowieso schon schnell genug kommt.

Switch & Signal - digital gespielt - Foto von Axel Bungart

So funktioniert das Eisenbahnspiel Switch & Signal

Der Ablauf ist dabei völlig simpel: Es gibt einen Kartenstapel mit Fahranweisungen, von dem zu Beginn jedes Spielzugs eine Karte aufgedeckt wird. Dieser obligatorische Teil bedeutet, dass entweder neue Loks ins Spiel kommen und/oder alle Loks einer Farbe gezogen werden müssen. Danach kann der aktive Spieler noch Handkarten ausspielen. Die Optionen sind sehr übersichtlich, da es nur drei Arten von Karten gibt: Signalkarten (Umstellung eines Signals von Rot auf Grün oder umgekehrt), Weichenkarten (Änderung der Weichenstellung) und Karten, mit denen man eine Lok fahren lassen kann.

Die wenigen Regeln dafür sind in der Spielregel gut erklärt und führen schnell zum Spielstart. Immer wenn neue Loks ins Spiel kommen, werden deren Startpunkte ausgewürfelt. Von da an regiert der Zufall nur noch über die Zugweite der Loks, wenn sie per Würfel gezogen werden. Alles andere dürfen bzw. sollten die Spieler untereinander absprechen. Je nachdem, welche Karten die Spieler auf der Hand haben, sollten sie darüber entscheiden, welches Signal oder welche Weiche umgestellt werden muss, wo eine Lok beladen werden und welchen Weg sie einschlagen soll. Schaffen es die Spieler, alle Warensteine an den Zielort zu bringen, bevor die Fahranweisungen zu Ende gehen, haben sie die Partie gewonnen.

Switch & Signal - Warensteine in Bahnhöfen - Foto von Axel Bungart

Easy to learn …

Die nur acht Seiten umfassenden Spielregeln lassen zunächst kaum eine Schwierigkeit vermuten, und auch der Start ist unkritisch. Einziger Kritikpunkt ist hier, dass es schon beim Einsetzen der Loks (durch Würfeln) zu Zeitstrafen kommen kann. Da das die Spieler gar nicht beeinflussen können, sollte man hier großzügiger bei der Auslegung der Spielregel sein.

Nach und nach offenbart sich, worin bei Switch & Signal die Herausforderung steckt. In Wirklichkeit ist es ein anspruchsvolles Logistikspiel, bei dem man alle Aktionen möglichst effektiv durchführen muss, um nicht im wahrsten Sinn des Wortes auf der Strecke zu bleiben. Solange nur wenige Loks auf dem Spielplan sind, ist alles eindeutig und unkritisch. Doch mit wenigen Loks kommen die Spieler nicht weit. Jede Lok kann immer nur einen Warenstein transportieren, sodass früher oder später weitere Loks ins Spiel kommen müssen, damit es schnell genug geht.

Spannend ist dabei auch, dass die drei Farben der Loks für ihre unterschiedliche Geschwindigkeit stehen. Die Würfel für die schwarzen Loks tragen höhere Ziffern als die der braunen und grauen. Schon dieses Delta muss man bei der Planung berücksichtigen, da keine Lok eine andere überholen kann. Führt der Weg zwei Loks zusammen (egal ob hinter- oder gegeneinander), verliert man zunächst Zeit (Plättchen von einem besonderen Stapel). Verliert man sieben Zeitplättchen, kostet die Spieler dies eine Karte der Fahranweisungen und damit einen kompletten Spielzug. Das kann man sich bestenfalls einmal in einem Spiel leisten.

Switch & Signal - kommt der Zug an?  - Foto von Axel Bungart

Dummerweise verliert man aber auch Zeit, wenn man vor einem roten Signal oder einer falsch gestellten Weiche warten muss. Und das kann mächtig teuer werden, denn man verliert immer so viele Zeitplättchen, wie man noch Schritte hätte ziehen können. Die Spielregel hält darüber hinaus noch weitere Strafen parat, die man unbedingt vermeiden sollte.

… hard to handle

Somit wird es zur echten Aufgabe, wenn sechs Züge gleichzeitig unterwegs sind. Eigentlich spielt das Spiel vom Grundsatz noch nicht mal gegen die Spieler, denn die Fahranweisungen bedeuten für sich gesehen nichts Schlechtes. Ob neue Loks ins Spiel kommen oder alle Loks einer Farbe gezogen werden: Beides brauchen die Spieler, um überhaupt an die Zielerfüllung denken zu können. Nur eben nicht zu jedem Zeitpunkt. Ob Segen oder Fluch ist situationsabhängig: Wenn gerade eine Lok vor einem roten Signal oder in einer Stadt steht, wo sie erst noch beladen werden soll, will man gar nicht, dass sie gezogen wird. So ist es eben auch Aufgabe der Spieler, solche Situationen zu verhindern - was kaum immer gelingen kann.

Wir haben es in mehreren Partien bisher nicht geschafft, einmal zu gewinnen. Mal sind wir krachend gescheitert, mal hatten wir das Ziel knapp vor Augen. Das Spiel funktioniert bereits zu zweit hervorragend. Zu viert gibt es öfter auch mal vier Meinungen, was der sinnvollere Zug wäre. Wie das halt so ist bei kooperativen Spielen. Hat es hier einen Alpha-Spieler am Tisch, kann es passieren, dass dieser sich selbst zum Oberfahrdienstleiter avanciert, was nicht in allen Runden gern gesehen wird. Solchen Spielern empfiehlt sich vielleicht eine Solopartie.

Obwohl das Spiel ab zwei Personen angegeben ist, kann man es auch prima allein Spielen. Dazu legt man einfach die Handkarten eines fiktiven Mitspielers offen aus. Das simuliert, dass man sich untereinander absprechen kann, was die Handkarten und möglichen Spielzüge angeht. Alle anderen Regeln bleiben wie gehabt.

Switch & Signal - Schachtel - Foto von Kosmos

Switch & Signal hat mich auf der SPIELdigital ’20 sofort angesprochen, auch weil es grafisch sehr einfach und übersichtlich gehalten ist. Das Spielmaterial ist sehr schön und auch das Stellen der Weichen und Signale ist praktisch gelöst. Da die Startorte veränderbar sind, ist der Spielverlauf in Sachen Schwierigkeitsgrad und Abwechslung variabel genug. Auf der Rückseite des Spielplans ist ein weiterer mit einer andere Streckenführung und zwei Zielorten. Das sollte zusätzlich für Abewchslung sorgen. Für mich eine gelungene Umsetzung für ein kooperatives Thema, das herausfordernd und spannend ist.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2020
Spielkategorisierung
Fotos
Switch & Signal - digital gespielt - Foto von Axel Bungart
Switch & Signal - Warensteine in Bahnhöfen - Foto von Axel Bungart
Switch & Signal - kommt der Zug an?  - Foto von Axel Bungart
Switch & Signal - Schachtel - Foto von Kosmos

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