Tiefseeabenteuer

eine Spielerezension von Jörn Frenzel - 26.07.2016
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Tiefseeabenteuer - Foto von Oink Games
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Eine klitzekleine Schachtel, die keinen Platz im übervollen Regal wegnimmt, und eine Firma, von der ich noch nie was gehört hatte, mit einem eigenartigen Titel! Das war der Einstieg in ein ungewöhnliches Spiel, zumindest was das Material anbetraf. In ein Minimum von Verpackung ist ein Maximum an Spielmaterial eingepackt worden und es wirkt auch wie von einem Kleinverlag. Zuerst dachte ich: "Mal sehen, was das wird", denn wir begeben uns auf Tauchstation nach den punkteträchtigsten Schätzen. Das Thema spricht mich an, aber das Material war nicht gerade aufforderungswürdig. Dann spielten wir es und dachten wieder: "Na ja". Wir spielten es wieder und dachten: "Ah!" Und wir spielten es wieder und wieder ...

Tiefseebaneteuer - das Spiel an sich

Ein kleines U-Boot mit 25 Lauffeldern wird oberhalb einer Entdeckerchipreihe abgelegt und ein Markierchip auf die 25 gelegt. Die  32 Entdeckerchips werden levelmäßig so abgelegt, das verschieden hohe Zahlen auf den Chips zu finden sind. Dabei gilt: Je tiefer wir tauchen, desto höher die Werte, wobei sie in den Leveln nicht aufsteigend gelegt werden, sondern zufällig.

Am Anfang eines Zuges verringert man den Sauerstoff. D. h., je nach Anzahl der eigenen Schätze wandert der Markierchip genau um diese Anzahl weiter Richtung 0! Das machen wir dabei bei jedem Spieler, wir ziehen sozusagen am selben Luftstrang. Danach entscheiden wir, ob wir tiefer tauchen oder zurückkehren. Dazu würfeln wir mit zwei Würfeln und wandern mit unseren Figuren die Anzahl der Würfelaugen in die jeweilige Richtung. Die Anzahl der gesammelten Entdeckerchips wird von der Würfelzahl dabei abgezogen. Die Würfel gehen auch nur bis 3! Also je mehr wir einsammeln, desto höher das Risiko, dass wir uns gar nicht weiter bewegen.  Die Richtung, ob zurück oder tiefer, dürfen wir dabei nicht beliebig verändern. Einmal Richtung ändern und dann bleibt es dabei! Dann bleiben drei Optionen: Nichts tun, den Chip einsammeln und mit einem leeren Chip auftauchen oder aber diesen leeren Chip wieder zurücktauschen. Das kann von Vorteil sein, um es doch noch rechtzeitig ins Boot zurückzuschaffen.

Sollte der Markierchip im Boot bei 0 sein, bekommen die Spieler, die es ins Boot zurück geschafft haben, ihre Punkte gutgeschrieben und der Rest ist sozusagen ertrunken. Verlorene Schätze werden jetzt als Dreierstapel ans Ende der Reihe gelegt und somit höherwertig. Die leeren Chips werden entfernt und der Weg zu den wertvollen Schätzen wird kürzer. Drei Runden werden gespielt, und dann gewinnt der Spieler mit den aus den drei Runden am meisten gesammelten Punkten.

Wie gut ist das Gesellschaftsspiel Tiefseeabenteuer?

Fast jeder machte am Anfang den Fehler, in der ersten Runde viel zu tief zu tauchen. Das führte dazu, das fast alle ertranken. Das Can't-Stop-Gefühl ließ uns immer weiter tauchen. Tiefenrausch! Aber gerade in großen Runden ist der Sauerstoff so schnell erschöpft, dass jeder mit zwei eroberten Schätze zufrieden sein kann. Das kooperative Tauchgefühl, bei dem jeder trotzdem versucht, das beste Ergebnis zu erzielen, ist sehr gut gelungen. Mit mehreren Partien steigt man dann hinter das System: Erst wenig und dann mehr und höherwertig sammeln - und dabei nie zu viel!

Das Material von Tiefseeabenteuer ist allerdings gewöhnungsbedürftig, denn das Feeling wird nicht durch die Optik hergestellt. Alles funktionell, aber eben nur Zahlenchips. Die Sauerstoffanzeige empfand ich als zu klein und fummelig. Aber der Spielwert steigt mit jeder Partie und dabei gilt, je mehr desto besser. Zu zweit funktioniert das Spiel nur bedingt, der Spaß ist gerade in einer großen Runde prächtig. Jeder hofft und versucht, die anderen dazu zu bewegen, weiterzutauchen und noch Schätze abzufassen. Wobei: Wenn man drei Schätze gesammelt hat und nur eine Drei würfelt, kommt man eben auch nicht weiter.

Das alles spielt sich nach zwei Partien locker und fetzig, sodass es immer als Abschluß oder Anfang eines Spieleabends herhalten kann. Und das große Plus: Tiefseeabenteuer von Jun Sasaki und Goro Sasaki (Oink Games) nimmt keinen Platz im Regal weg, bei einer Schachtelgöße von gerade mal 10 cm x 6 cm. Hier versteckt sich ein kleines, feines Spiel in einer kleinen feinen Schachtel, die man leider wohl kaum im normalen Spielwarenhandel finden wird. Ideal auch für die Reise, denn es passt in jede Kofferecke und tauchen gehört doch zum Urlaub.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
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