Würfelland

Gewinnen kann so einfach sein!

eine Spielerezension von Alexandra Fauth - 18.05.2018
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Familienspiel Würfelland - Foto von NSV
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Macht der Nürnberger Spielkartenverlag eigentlich noch Kartenspiele? Ja, natürlich. Aber nach den Erfolgen von Qwinto und vor allem Qwixx könnte man fast auch vom Nürnberger Würfelspieverlag sprechen. Beim neuesten Spiel des Verlags dreht sich schon im Namen alles um das vielbemühte Achteck. Und wie gewohnt geht es darum, die Würfelergebnisse möglichst gewinnbringend einzutragen. Würfelland von Andreas Spies und Reinhard Staupe ist aber trotzdem kein ganz typisches Würfelspiel. Es kommt nämlich ohne Augenzahlen aus.

Wie (und womit) würfeln wir im Würfelland?

Ganz einfach, wenn es keine Augenzahlen gibt, muss es etwas anderes geben, das wir irgendwo eintragen können: Farben. Wie bei Kniffel dürfen wir entscheiden, welche Würfelergebnisse uns gefallen und welche wir noch mal würfeln möchten. Einmal entschieden, sind wir jedoch farbgebunden. Wir können also nicht sagen, wir sammeln Gelb, und am Ende doch Grün eintragen.

Jeder hat eine individuelle Karte mit Farbwaben vor sich (ja, die sehen so ähnlich aus wie bei Träxx), auf der wir entsprechend der Anzahl der Farbwürfe Kreuze machen. Dabei müssen alle Kreuze zusammenhängen (Träxx-Spieler werden auch hier ein leichtes Déjà-vu haben) und eine Farbfläche muss komplett gefüllt sein, bevor wir diese Farbe in einem neuen Gebiet ankreuzen dürfen. Wenn wir mehr Farbwürfe haben als im angefangenen Gebiet frei sind, haben wir überwürfelt und gehen leer aus. Vor allem interessieren uns aber die mit Sternen markierten Schatzfelder. Kreuzen wir ein solches an, bekommen wir einen Sonderwurf („Schatzwurf“) und sind dem Sieg ein ganzes Stück näher. Gewonnen hat nämlich, wer zuerst neun solche Schatzfelder und alle Felder einer Farbe angekreuzt hat.

Unboxing: Das Material bei Würfelland

Wie schon Qwixx Duell hat auch Würfelland eine Würfelbecherfläche im Deckel, die das Würfeln sehr angenehm und aus der kleinen Schachtel ein tolles Reisespiel macht (weiter so, NSV!). Statt eines Abreißblocks sind die Spielertableaus mit Folie überzogene Pappe, auf die wir mit abwischbaren Filzstiften schreiben (wie schon bei Träxx). Was einem lieber ist, bleibt Geschmacksache, dringend empfehlenswert ist aber, die Tableaus immer sofort abzuwischen, sonst bleiben Farbreste zurück. (Nicht nur) beim Spiel mit Kindern verwischen die Kreuze auch schon mal durch unachtsam abgelegte Hände.

Auf ins Würfelland?

So simpel Würfelland auch ist: Durch die vielen verschiedenen Farbflächen, auf denen wir uns in alle Himmelsrichtungen ausbreiten können (einzige Vorgabe ist, dass die Kreuze zusammenhängen müssen), kann im Eifer des Gefechts schon mal das Regelwerk untergehen. Immer wieder stellt jemand von uns zu spät fest, dass er versehentlich (und wirklich versehentlich und nicht etwa, um zu mogeln) zwei verschiedene Flächen einer Farbe begonnen hat. Zu zweit merkt das meist der Mitspieler, in größeren Runden, bei denen wir vielleicht auch etwas weiter auseinander sitzen, sind die Tableaus aber nicht für alle einsehbar und jeder macht seine Kreuzchen mehr oder weniger für sich. Wenn es dann passiert ist, bleibt nur, sich selbst als disqualifiziert zu melden – oder sich innerhalb der Spielrunde auf eine Lösung zu einigen. Da sind andere Würfelspiele, bei denen das Abkreuzen linear verläuft (z.B. Qwixx), doch deutlich übersichtlicher.

Und auch die Downtime ist bei Würfelland nicht ganz so elegant gelöst. Zwar sind wir – ähnlich wie bei Noch mal!, Träxx und Qwixx – immer dran, weil wir die Würfel des aktiven Spielers mitbenutzen dürfen (es stehen die Farben zur Wahl, die der Würfler übrig lässt), trotzdem kann es passieren, dass wir alle Zeit der Welt zum Däumchendrehen haben. Wie das? Die Schatzwürfe sind schuld. Die darf nämlich nur der Schatzentdecker nutzen. Und wenn jemand mehrere Schätze nacheinander hebt, darf er natürlich auch entsprechend oft würfeln. Wir sitzen indessen am Tisch, drehen Däumchen und fragen uns, wann wir endlich mal wieder an der Reihe sind. Im Vergleich zu anderen Spielen ist die Downtime aber dennoch vergleichsweise gering – nur eben nicht ganz so gering wie bei den oben genannten Konkurrenzspielen und wie das Backcover Glauben machen will (dort wirbt NSV nämlich genau damit, dass alle immer dran sind).

Trotz dieser Mankos spielt sich Würfelland schnell und einfach (auch zu zweit ist Würfelland sehr gut geeignet). Vor allem Gelegenheitsspieler und Familien packt es, Vielspieler und Taktiker nur, wenn sie sich auf ein glückslastiges Würfelspiel einlassen, bei dem sie eben auch mal so richtig Pech haben können. Viel mehr als eine Prise Taktik bietet Würfelland nicht. Dafür dürfen wir nebenbei zocken, denn durch das Überwürfeln gilt es stets abzuwägen, ob wir noch einen Wurf riskieren oder lieber auf Nummer Sicher gehen. Der Spatz in der Hand, da war doch was … Bei all dem ist es anderen schon bekannten (Würfel-)Spielen fast etwas zu ähnlich – auch wenn besonders die Farbwürfel eine schöne Abwechslung sind. Würfelland bleibt damit ein nettes (und gutes) kleines Spiel für zwischendurch, das sich irgendwie bekannt anfühlt. Und das trotz Spaßfaktor eher nicht abendfüllend gespielt wird. Muss es aber auch gar nicht, es ist auch schön, es einfach immer wieder mal rauszuholen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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